Wikis halten seit Mitte der 90er Jahre Einzug in Unternehmen, in den letzten Jahren hat mit dem Siegeszug der Wikipedia dieser Trend stark zugenommen. Die einfache Bedienung und Wartung dieser Systeme machen den Einsatz von Wikis auch in Bereichen sinnvoll in denen bislang keine oder wenn dann mächtige, aber komplexe Systeme zum Einsatz kamen.
Der Erfolg eines Unternehmens- oder Projektwikis hängt maßgeblich von seiner Akzeptanz bei den Benutzern ab. Diese kann man sich leicht durch eine ungeeignete Einführung des Wikis zerstören. Durch Beachtung einiger weniger Grundsätze kann man sein Unternehmens Wiki zu einem Erfolg verhelfen, der aus dem Tool einen integralen Bestandteil des Unternehmens macht.
Seit Mitte der 90er Jahre finden Wikis im Internet als Wissenspools oder (später) Enzyplopädien ihren breiten und für die ganze Welt offenen Einsatz. Parallel dazu entstanden aber auch beinahe zeitgleich die ersten Unternehmenswikis, zunächst vor allem für die Produktverwaltung, heutzutage hauptsächlich als Wissensmanagement Werkzeug. Große Unternehmen wie Disney, Motorola, SAP, Yahoo!, Microsoft oder SUN setzen schon seit einiger Zeit auf den Einsatz von Wikis in ihren Unternehmen. Auch ANECON betreibt seit ca. 2 Jahren ein Unternehmenswiki das - gemessen an den hohen und laufend besser werdenden Kennzahlen (z.B. Page Hit Rate, New Pages Rate) und den bei einer intern durchgeführten Umfrage ermittelten Akzeptanzwerten - als Erfolgsstory gelten kann.
Laut einer Aussendung der APA beklagt aber mehr als die Hälfte aller Unternehmen, die Wikis einsetzen, unterschiedliche Probleme bei der Einführung von Wikis. Hauptprobleme sind "fehlendes Interesse der Mitarbeiter" (44%) bzw. "unübersichtliche Struktur ihres Wikis" (29%). Nur 24% aller Unternehmen, die Wikis einsetzen haben "keine Probleme mit der Wiki Nutzung". Wikis bieten zweifelsohne auch für den Unternehmenseinsatz große Chancen, die Einführung von Wikis birgt aber eine Reihe von Risiken, die wir mit den im zweiten Teil angeführten Best Practices addressieren wollen.
Die Möglichkeiten für den Einsatz von Wikis in Unternehmen sind vielseitig. Die wichtigsten Einsatzbereiche sind die folgenden:
Bei all diesen Systemen ist jedoch klar festzuhalten - wiki-Software zeichnet sich durch ihre Einfachkeit aus und ist gemessen an der Menge ihrer Funktionalitäten nicht mit speziell für obengenannte Zwecke konzipierter Software vergleichbar. Das macht aber vielleicht gerade den Charme von wikis aus - Einfachkeit -> Einfachere Erlernbarkeit -> höhere Akzeptanz. Softwareprodukte, die neben ihrer sonstigen Funktionalität zusätzlich noch Wiki Funktionalität bieten (z.B. Portale, CMS-, CRM- oder Dokumentmanagement-Systeme), wird oft von Wiki Anhängern als "Bloatware" bezeichnet - also Software, die mit Funktionen überladen ist (quasi eine "eierlegende Wollmilchsau") und genau dadurch den Umgang mit ihr eher erschwert. Der Umgang mit derartiger "Wiki" Software wird bei den Best Practices im zweiten Teil noch eingehend behandelt.
Warum funktionieren aber Wikis, wenn sie doch nur mit wenigen für die oben genannten Zwecke spezifischen Funktionen ausgestattet sind? Und was kann man sich von einem funktionierenden Wiki-System im Unternehmen erhoffen?
Ein Hauptgrund für den Erfolg von Wikis ist sicherlich ihre Einfachkeit. Einfache Installation, Wartung und Betrieb; einfache Bedienung & somit einfache Arbeit. Wiki Software wird heutzutage meist einfach mittels unzip auf einem bestehenden Server deployed. Die Hardwareanforderungen sind minimal (minimale CPU Anforderungen, wenig HD (ca. 1/2 GB je 1.000 Seiten inkl. Bilder und Attachments)), die Software zumeist Open Source (siehe de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Wiki-Software) und in wenigen Stunden aufgesetzt und die Betriebskosten kaum der Rede wert (ca. 2PT pro Jahr).
Wiki Benutzer bekommen ein aufs Wesentliche reduziertes System - ohne Popups, JavaScript oder ActiveX Controls - mit selbstähnlichem Erscheinungsbild. Es dauern nur wenige Minuten, bis ein Wiki Benutzer sich mit einem guten Wiki angefreundet hat, und wenn er ein paar wenige Seiten im Wiki versteht, dann hat er keine Schwierigkeiten auch all die anderen Seiten zu verstehen und zu bedienen. Die Bedienung des Editors setzt keine Word oder HTML Fähigkeiten vorraus, ein einfacher Texteditor - angereichert mit wenigen, intuitiven Symbolen wie z.B. * für Listen, == Überschrift == für Überschriften oder '''fett''' für Fettschrift - reduziert die Schreibarbeit aufs wesentliche, nämlich das Ablegen der Informationen (und nicht das Layouting). Simple Hilfesysteme wie z.B. de.wikipedia.org/wiki/Hilfe:Bearbeitungshilfe oder www.wikimedia.de/files/Spickzettel.pdf helfen Neueinsteigern.
Weitere Gründe für den Erfolg von Wikis bzw. Möglichkeiten, die einem erfolgreiche Wikis im Unternehmen bringen sind:
Wie man sieht gibt es eine Reihe an Gründen, die für den Einsatz von Wikis in Unternehmen sprechen. Dennoch beklagen sich - wie oben erwähnt - mehr als die Hälfte aller Unternehmen, die Wikis einsetzen, über Probleme bei der Einführung von Wikis. So einfach, wie Wikis selbst sind, so komplex kann sich die erfolgreiche Einführung von Wikis in Unternehmen selbst gestalten. Im Teil 2 dieses Artikels (erscheint Anfang 2008) behandle ich genau dieses Thema & stelle 7 Best Practices vor, die wesentlich helfen können die Einführung von Wikis in Unternehmen zu einem Erfolg zu führen.
DI Sebastian Dietrich ist Berater der Firma ANECON und beschäftigt sich u.A. mit Wikis und ihrem Einsatz in Unternehmen & Projekten.