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We Are Developers Conference 2017: Meine Eindrücke

Die WeAreDevelopers Conference 2017 fand von 11.-12. Mai in der Wiener Marx Halle statt. Im Vorfeld sprachen die Veranstalter von der größten Entwicklerkonferenz Mitteleuropas. Ich hatte die Chance gemeinsam mit einigen Kollegen dieses Event zu besuchen und möchte in diesem Blogbeitrag meine Eindrücke teilen, wie ich die Konferenz erlebt habe.

WeAreDevs2017

Abb. Meine Kollegen beim ANECON Booth auf der WeAreDevelopers Conference 2017

 

Für mich war es der erste Konferenzbesuch, meine Erwartungshaltung war daher ziemlich neutral, da ich zuvor noch an keiner vergleichbaren Veranstaltung teilgenommen habe.

Ich hatte das Glück früh genug dort zu sein, so dass nach dem Einlass am Freitag noch genug Zeit war einmal die Halle zu erkunden. Später erfuhr ich, dass andere Teilnehmer für die Registrierung sehr lange in der wartenden Schlange stehen mussten.

Treffpunkt war der Ausstellungsstand von ANECON. Dort gab es im Laufe der 2-tägigen Konferenz Live-Demos zum Test Automation Framework A2A.TAF sowie Round-Table Sessions zum Thema Test Driven Development, die von meinen Kollegen gestaltet wurden.

Der erste Eindruck war gut – viele bekannte Gesichter aus der IT-Branche waren vertreten, man konnte in der Mixed Reality Zone die neuesten Virtual Reality-Technologien testen und mit den vielen verschiedenen Ausstellern der Messe networken. Die Konferenz schien vielversprechend, also ging es gegen 9:00 Uhr ab zur Mainstage, um das Kick-off nicht zu verpassen.

 

Tag 1 – Dicke Luft, leider nicht nur von Käsekrainern

Die Halle füllt sich, die Organisatoren eröffnen gemeinsam mit unserem österreichischen Bundeskanzler Christian Kern die Konferenz. Die Stimmung ist gut, alle blicken hoffnungsvoll den nächsten zwei Tagen entgegen. Doch nach dem ersten Vortrag auf der Mainstage, dem Zeitpunkt wo die Teilnehmer begonnen haben sich auf die verschiedenen Stages aufzuteilen, war die anfängliche Euphorie schnell verflogen. Die Eingänge zu den Vorträgen auf der Green- und Yellow Stage waren nicht mehr zugänglich. Menschentrauben bildeten sich bei den Eingängen.

Schnell wird jedem Teilnehmer klar, dass Sitzplätze und Versorgung nicht an die Zahl der verkauften Tickets angepasst wurde. Lt. Homepage fassten die Stages gemeinsam 2100 Sitzplätze (1500 / 300 / 300), bei der Eröffnungsrede war aber von 3500+ teilnehmenden Entwicklern die Rede. Diese Überbuchung zeigt auch schon den größten Schwachpunkt der Konferenz: Die Kapazitäten der Veranstaltung wurden einfach nicht an die Teilnehmerzahl angepasst, abgesehen von den fehlenden Sitzplätze vor den Stages – zum Beispiel nur 4 Kaffeemaschinen für 3500+ Teilnehmer!

Generell war der erste Tag von schlechter Stimmung geprägt. Die unterschiedlichen Gerüche, die jeder der Food Trucks absonderte, waren in Kombination mit der Hitze in der Halle, eher unerträglich.

Die anfangs durchaus positiv aufgenommene WeAreDevelopers App mit dem dazugehörigen Teilnehmerfeed wurde schnell von einer amüsanten, guten, informativen App zum Sprachrohr für Personen die ihre negativen Ansichten dem restlichen Teilnehmerfeld mitteilen mussten.

Abgesehen von der Organisation am ersten Tag waren jedoch durchaus einige Vorträge dabei, für die sich der Konferenzbesuch gelohnt hat. Seien es Programming Principles von John Romero (Id Software), Less Process, more Guidance von Dominic Price (Atlassian) oder der durchaus unterhaltsame und nachdenklich stimmende Einstieg auf der Mainstage mit Martin Wezowski (SAP), um nur einige zu nennen, die sich in mein Gedächtnis gebrannt haben.

Leider war nicht die Zeit alle Vorträge zu besuchen, Live Streams und die Folien der Vorträge sollen jedoch noch online gestellt werden.

Einzig von ein paar der (lt. Topic) technischen Vorträge, die eigentlich den Mittelpunkt einer Developer-Konferenz ausmachen sollten, wurde ich enttäuscht, da diese oft zu oberflächlich waren und man nicht das Gefühl bekam, etwas Neues gesehen oder gelernt zu haben. Oft hatte man den Eindruck, dass die Präsentation die Einleitung auf den Hauptteil ist, der aber aus Zeitgründen aus der Agenda gestrichen wurde. Hier hätten die Vortragenden bestimmt mehr herausholen können, wenn die Time-Slots größer gewesen wären, denn die Speaker haben durchaus Kompetenz ausgestrahlt und hätten weit mehr über das Thema erzählen können, davon bin ich überzeugt.

 

Tag 2 – Machen wir das Beste daraus

Man merkte, dass die Veranstalter das Feedback vom ersten Tag mitgenommen haben und versuchten, Maßnahmen zu treffen um den zweiten Tag des Events angenehmer für die Teilnehmer zu gestalten. Natürlich muss man sagen, dass über Nacht das grundsätzliche Konzept und der Aufbau der Konferenz nicht geändert werden kann, aber es waren merkbare Kleinigkeiten wie das Aufstocken von Mülleimern, besserer Lebensmittel-Nachschub, etc. die den zweiten Tag deutlich besser dastehen ließen als den ersten Tag – aus rein organisatorischer Sicht.

Man hatte auch das Gefühl, dass der zweite Tag nicht so überfüllt war wie der erste, zumindest die Stimmung der Teilnehmer war deutlich besser. Auch die Vorträge am zweiten Tag (zumindest jene, die ich besucht habe) haben mich in Summe mehr begeistern können als jene vom Vortag. Zu meinen Favoriten an diesem Tag zählten unter anderem Harry Roberts, der Einblicke in Best Practises im CSS Refactoring ga. Rasmus Lerdorf (Inventor PHP), der über die Entstehung und Weiterentwicklung von PHP sprach. Oder auch das Finale der Konferenz, Joel Spolsky, der Mann dem wir stackoverflow.com zu verdanken haben, war ein würdiger Abschluss für eine Konferenz dieser Größenordnung.

 

Fazit

Die größte Enttäuschung an dieser Konferenz war meiner Meinung nach die Tatsache, dass auf 2100 Plätze 3500+ Tickets verkauft wurden. Dies kann sehr wohl kontrolliert werden, wenn es einen Vorverkauf gibt. Entweder man muss das Event der Teilnehmerzahl anpassen oder umgekehrt. So bleibt dieser Punkt einfach nur eine Frechheit, die sich in die Köpfe der Gäste gebrannt hat. Hier hoffe ich, dass sich die Organisatoren für nächstes Jahr mehr Zeit nehmen werden, um nicht nur auf das Wachstum zu achten, sondern auch auf die Zufriedenheit ihrer Kunden. Wenn man diesen Teil der Konferenz ignoriert, waren es durchaus zwei interessante und spaßige Tage und unter den richtigen Rahmenbedingungen etwas sein können, auf das man sich Jahr für Jahr freut.

Für die Veranstalter heißt es jetzt, das Vertrauen der Teilnehmer wiederaufzubauen und die vorhandenen Potentiale zu nutzen, um Verpasstes von heuer nächstes Jahr zu optimieren. Wenn die Veranstalter die Organisation dieser Menschenmengen nächstes Jahr besser hinbekommen, bin ich mir sicher das sich die Konferenz zu einem Event entwickeln kann, dass man gerne jedes Jahr wieder besucht.

 

 

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