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Training, Schulung, Beratung, Coaching – oder doch Therapie?

Das Angebot an Beratungsleistungen, Trainings und Coachings ist rapide am Wachsen – und das nicht nur für Manager. Täglich erscheinen neue Angebote, meist unter Schlagworten, die aus dem Marketing kommen und wenig über den Inhalt aussagen. Wenn Sie überlegen ein solches Angebot anzunehmen, sollten Sie sich der Unterschiede bewusst sein. Nur so bewahren Sie den Überblick und können das Richtige für sich auswählen.

Leider ist es nicht immer einfach. So haben Robert Hamlin et al.[1] in ihrer Studie aus dem Jahr 2008 bereits über 40 Definitionen alleine des Begriffes „Coaching“ analysiert.

In der Praxis ist es häufig der Fall, dass ein Trainer mit der Auflage, das Training an den Auftraggeber anzupassen engagiert wird. Während des Trainings erst stellt sich heraus, dass der Auftraggeber eigentlich die Lösung eines konkreten Problems vom Trainer erwartet hätte. Ob der Trainer diese Berater- oder Coachingkompetenz überhaupt hat oder die notwendigen Informationen im Zuge des Trainings bekommen konnte ist fraglich. Erfolgt die Klärung der Erwartungshaltung erst während des Trainings, ist es zu spät. Unzufriedenheit herrscht auf beiden Seiten.

Durch den Versuch einer exakteren Definition weiß der Kunde, welche Leistungen und Methoden er sich erwarten und damit auch fordern kann. Denn je nach Ansatz und Begrifflichkeit sind die Methoden und dahinterstehenden Philosophien unterschiedlich. Vom Anbieter eines Bootcamp-Trainings wird sich der Kunde ein anderes Vorgehen, eine andere Einstellung als von einem systemischen Coach erwarten. Dass dies auch für den Auftragnehmer von Vorteil ist, liegt auf der Hand.

Doch wie unterscheiden sich jetzt Schulung, Training, Beratung und Coaching voneinander?

Schulungen/Trainings:

Hier steht die theoretische Wissensvermittlung im Vordergrund. Standardisierte Schulungen bereiten ein Wissensgebiet nach pädagogischen Prinzipien auf und der Schulungsleiter trägt meist im Frontalunterricht vor. Eingehen auf die Situation der Schulungsteilnehmer ist nur eingeschränkt möglich. Ein Unterschied besteht noch zwischen Schulung und Training: Beim Training soll eine verändernde Entwicklung hervorgerufen werden. Zum Beispiel soll das theoretische Wissen durch Übungen in die tägliche Arbeit übertragen werden und somit eine Änderung oder Leistungssteigerung (z.B. effizienter werden) eben dieser bewirken. Das klassische Training ist das Sporttraining, bei dem durch Verarbeiten von Reizen eine Leistungssteigerung (z.B. mehr Gewicht, schnellere Zeiten) erzielt werden. Dabei ist aber zu bedenken: Auch bei fachlichen Trainings kann es zu einer Art Muskelkater kommen.

Beratung

Im Unterschied zu einer Schulung wird hier das Augenmerk auf die Lösung eines fachlichen Problems gelegt. Ob es sich dabei um die Lösung eines konkreten Problems handelt oder um die Verbesserung von Prozessen – gemeinsam ist der starke Praxisbezug. Der – meist externe – Berater analysiert das Problem und entwickelt Lösungsvorschläge. Gegebenenfalls ist er auch noch bei deren Umsetzung in beratender Funktion dabei. Unterstützung und Feedback vom Kunden ist bei einer Beratung unbedingt notwendig. Der Berater konzentriert sich meistens auf fachliche Prozesse, die häufigste Methode zur Informationsgewinnung sind Interviews und Workshops.

Coaching

Hier ist die Abgrenzung zur Beratung leider verschwommen. Laut dem Coaching-Report ist Coaching „eine Form der Beratung für Personen mit Managementaufgaben“[2] Der Coach dient dabei als neutraler Feedbackgeber und hilft dem Kunden eigene Lösungen zu entwickeln. Der Kunde wird dabei vor allem auf der Prozessebene unterstützt, der Coach nimmt keine Arbeit ab. Während sich die Beratung auf ein fachliches Thema konzentriert und Lösungsvorschläge vom Berater erstellt werden, werden Coachs zur Entwicklung von Kompetenzen geholt. Die Kompetenzen müssen dabei nicht immer die fachliche Seite betreffen. So sind für einen Testmanager Kompetenzen in Zeitmanagement, Selbstmanagement oder Präsentation genauso wichtige Fähigkeiten wie Aufwandsschätzungen oder das Erstellen von Testberichten. Der Coach unterstützt dabei am Weg, entwickelt aber selbst keine Lösungen. Meistens erfolgt ein Coaching 1:1, d.h. ein Coach betreut einen Klienten.

Grundlage für Coaching sind vertrauliche Gespräche. Das bedeutet, dass der Klient Vertrauen zu seinem Coach haben muss. Und der Klient ist nicht gleich der Kunde. Informationen aus Coachinggesprächen werden nicht an den Kunden (meist der Arbeitgeber des Klienten) weitergegeben. Die Chemie muss stimmen. Im Coaching entstehen persönlichere Beziehungen als bei der klassischen Beratung. Mit ausschlaggebend für den Erfolg eines Coachings ist das Vertrauen zwischen Klient und Coach.

 

Wem jetzt vor lauter unterschiedlichen Begriffen und Abgrenzungen der Kopf schwirrt – nun, der kann ja noch auf die strengste Form des Coaching zurückgreifen: Die (Psycho-)Therapie.

 

[1] Robert Hamlin et. al., The emergent ‘coaching industry’: a wake-up call for HRD professionals, in: Human Resource Development International, Vol. 11, No. 3, Seite 295 (2008)

[2] Quelle: http://www.coaching-report.de/ von Christopher Rauen

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