IT-Trainings

„TestSPICE“ – ein Erfahrungsbericht aus der Welt der Standards und Normen

ANECON startete 2012 als Erster in Österreich mit dem Trainingsangebot „TestSPICE“. Ich konnte damals die Gelegenheit nutzen und das Assessorentraining erfolgreich absolvieren. Daraufhin beschäftigte ich mich immer intensiver mit der Thematik und bin seither sogar aktives Mitglied in der TestSPICE SIG (Special Interest Group). Diese Gruppe besteht aus erfahrenen Experten und Beratern international agierender Unternehmen, welche sich zum Ziel gesetzt hat, die zentralen Elemente von TestSPICE aktuell zu halten bzw. weiterzuentwickeln. Im vergangenen Jahr launchten wir TestSPICE 3.0. Derzeit wird an der nächsten Version weiter gearbeitet. Diese soll vor allem im Bereich des agilen Testens detailliert werden.

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In der Praxis begegnet es mir immer wieder, dass Unklarheiten auf dem Gebiet herrschen. Und wohl wahr – die Welt der Standards und Normen ist eine große und sehr verwirrende. Im Zuge des TestSPICE Provisional Assessor Trainings klärte sich für mich ein Großteil dieser Welt hinsichtlich ISO/IEC 15504 (entspricht SPICE) und meine Erfahrungen möchte ich gerne an zukünftige Teilnehmer und Teilnehmerinnen weitergeben.

 

Trainings-Einblicke

Das Training begann mit einem Überblick über die Entstehungsgeschichte dieser Norm, über die Struktur und ihre Ausprägungen. Auch die Anforderungen an den jeweiligen Assessoren Level – vom Provisional über den Competent bis zum Principal – waren Thema. Das hat mir gezeigt, dass eines sehr wichtig und ausschlaggebend für den Werdegang eines TestSPICE Assessors ist: Praxis, Praxis und nochmals Praxis.

Danach haben wir uns in die Struktur der ISO/IEC 15504 vertieft. Diese besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Dem Process Referenz Modell(PRM), welches die generellen Anforderungen an Prozesse im Software-Lifecycle definiert und dem Process Assessment Model(PAM), welches den Rahmen für die Vorgehensweise in einem Assessment vorgibt. Letzteres beinhaltet auch ein Indikatoren-Set, das als Bemessungsrahmen zur Bewertung der Prozessreife verwendet werden kann.

Für mich war es anfänglich recht herausfordernd dieses Indikatoren-Set zu verstehen, da je nach Capability Level prozessspezifische Indikatoren existieren. Durch praktische Gruppenübungen konnte ich sehr schnell die Bedeutungen der einzelnen Levels durchschauen und gleich das Bewertungsschema lernen. Im Gegensatz zu anderen existierenden Modellen, wo ein gesamtes Unternehmen oder eine Teilorganisation mittels Maturity Levels (Reife) gesamt bewertet werden, passiert hier eine Stärken-/Schwächen-Analyse je Prozess bzw. erhält jeder Prozess eine Bewertung hinsichtlich seiner Befähigung.

Was mir während des Trainings immer bewusster wurde ist die Wichtigkeit des Planens und Vorbereitens eines Assessments, da das PAM eine Vielzahl an Prozessen bereitstellt und somit die Gefahr besteht, sich zu viel vorzunehmen. Dies macht einerseits das Assessment selbst aufwändig, andererseits aber auch die späteren Optimierungen. Somit ist der wichtigste Schritt die Zieldefinition des geplanten Assessments und somit eine Fokussierung auf Teilbereiche in einer Organisation. Diese Definition trifft der Assessor gemeinsam mit dem Auftraggeber unter Einhaltung seiner finanziellen Möglichkeiten.

Als Provisional Assessor unterstützt man den Assessor hauptsächlich in der Durchführung eines Assessments, was den größten und aufwändigsten Teil eines Assessments ausmacht. Nach der gemeinsamen Zieldefinition des Assessments bzw. der Auswahl der Prozesse müssen entsprechende Daten gesammelt werden. Hier kann es viele Quellen geben – eine der wichtigsten Quellen ist der Mensch. Es ist dabei eine Mischung aus Technik und Feingefühl gefragt, um an die Informationen zu kommen, die man für die Bewertung benötigt.

Abschließend wird das Ergebnis präsentiert und entsprechend dokumentiert, so dass die Auftraggeber eine nachvollziehbaren Report in der Hand halten und entsprechende Maßnahmen zur Optimierung der durchleuchteten Prozesse einleiten können.

 

Fazit

Ich kannte zwar bereits vor dem Training die Referenzmodelle und den Bewertungsrahmen und war sicher diese verstanden zu haben. Dieses Training hat mir allerdings gezeigt, dass dem nicht so war. Trotz der „Angst“, dass es ein sehr trockenes Training werden würde, war es sehr kurzweilig und interessant. Ich bin bereits seit einigen Jahren in Kundenprojekten tätig, wo ich unter anderem Testprozesse analysiere und Optimierungsvorschläge ausarbeite. Auf Basis dieses Trainings kann ich meine Beratertätigkeit nun noch besser und effizienter gestalten, da ich jetzt zusätzliche Möglichkeiten und Quellen für die Vorbereitung nutzen kann.

 

Falls Sie Interesse an der Ausbildung haben können Sie bei ANECON das Training absolvieren. Infos und Anmeldung auf: www.anecon.com/it-trainings

 

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