Test Center / Veranstaltungen

Das war das 22. ANECON Expertenfrühstück

Der stete Wunsch nach Produktivität und Qualität: Welchen Beitrag kann ein Test Service Center dazu leisten? Zu diesem Thema diskutierten beim ANECON Expertenfrühstück am 11.11.2015 u.a. Christoph Schwarzenberger (SKIDATA), Bernhard Burger (Quality Advantage), Lukas Schwentner (Raiffeisen Informatik), Manfred Baumgartner (ANECON) und Andreas Kronlachner (Hutchison Drei Austria), der außerdem in seiner Keynote spannende Einblicke in die Testorganisation eines großen Projektes bot.

Die Verfügbarkeit und Qualität von IT-Services tragen wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg für Unternehmen bei. Softwaretesten wird zunehmend als erfolgskritische Kernkompetenz in der eigenen Organisation erkannt. Kostendruck, stetig wachsende Komplexität der Systeme und Qualitätsprobleme mit ausgelagerten Entwicklungen stellen viele Unternehmen vor massive Herausforderungen. Entscheidungen bezüglich standardisiertem oder projekt-individuell angepasstem Vorgehen müssen ebenso berücksichtigt werden wie die Effizienz von Test-Outsourcing gegenüber Qualitätssicherung im Unternehmen.

Diesem Thema widmeten wir uns beim 22. ANECON Expertenfrühstück am 11.11.2015 in der Wiener Albert Hall und diskutierten mit einer hochkarätig besetzen Podiumsrunde und unseren Gästen zu „Qualität hautnah – Erfolgsmodelle flexibler Test Service Center“.

 

Trends und Herausforderungen für moderne Testorganisationen

In meiner Rolle als Leiter für Test Center & Test Organisation bei ANECON durfte ich durch den Vormittag führen und gab mit meinem Impulsvortrag Einblicke zu Trends und Herausforderungen:

QA and Testing budgets outperform predictions“ – der World Quality Report 2015 sieht den entsprechenden Anteil am IT-Budget für 2018 bereits bei 40%. Damit einhergehend ist auch eine fortschreitende Zentralisierung der Testaktivitäten und Testressourcen festzustellen. Dabei geht es nicht mehr nur um Kostenaspekte, sondern vielmehr um die Sicherstellung von Qualität, Verlässlichkeit und Sicherheit der IT-Services. Um dies zu erreichen, setzen die Verantwortlichen verstärkt wieder auf internes Know-how und die aktive Steuerung der QA-Prozesse. Im Impulsvortrag wurden die aktuellen Trends beleuchtet und auf die Herausforderungen eingegangen, denen sich Testorganisationen im Licht der digitalen Transformation in der bimodalen IT stellen.

Viele der aktuellen Megatrends sind unmittelbar mit IT Innovationen verbunden. Einige davon haben die Testorganisationen bereits erreicht (z.B. Multichannel Systeme & Mobilität, Cloud Lösungen, Virtualisierung), andere stehen jedoch noch bevor (z.B. Internet of Things, Cognitive Computing) und bedeuten neue Herausforderungen für den Test. Nicht funktionale Tests werden massiv an Bedeutung gewinnen, allen voran die Sicherheit, Robustheit und Integrität der IT-Komponenten und IT-Services im komplexer werdenden Verbund. Diese Innovationen ermöglichen neue Geschäftsmodelle, verbessern die Effizienz der Geschäftsprozesse und erlauben Unternehmen, ihre Marktposition zu verbessern. Damit steigen jedoch auch die Abhängigkeit des Unternehmens von IT und die Risiken des IT-Einsatzes.

Die Testorganisation muss sich diesen Risiken stellen und geeignete Teststrategien zur Risikominimierung etablieren. Die entstandene Komplexität der IT-Systemlandschaften und die Technologievielfalt erschweren dies. Um schlagkräftige Tests zu ermöglichen, muss diese Komplexität in der Teststrategie und insbesondere in der Testinfrastruktur berücksichtigt werden. Auch die Geschwindigkeit, mit der Änderungen produktiv gehen müssen um kompetitiv zu bleiben, nimmt zu. Der Test muss Risikominimierung und ausreichende Qualität in immer kürzeren Zyklen sicherstellen. DevOps und Agile Entwicklung haben dabei Auswirkung auf die Erbringung des Tests und verändern die Ausrichtung bestehender Testorganisationen hin zu mehr Flexibilität und Serviceorientierung.

Bernhard Rauter_ANECON Expertenfrühstück

Bernhard Rauter gibt in seinem Impulsvortrag aktuelle Insights zu Test Service Centern.

 

3Testing: Von der Blackbox zur 360° Ansicht – vom Empfänger zum Treiber

Ein Praxisbericht hautnah! Andreas Kronlachner, Teamleader SIT bei Hutchison Drei Austria gibt besonders spannende Projekteinblicke. Testing wurde bei Hutchison Drei schon immer groß geschrieben. Während des größten Projektes der Firmengeschichte musste der Software-Test allerdings an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Das Volumen und die Komplexität der einzelnen Umsetzungswünsche sowie der sehr hohe Qualitätsanspruch intern, gegenüber dem Kunden als auch gegenüber Revenue erforderten hier ein Eingreifen. Schlagworte wie Transparenz, Vertrauen, Bottleneck, end2end, Responsibility und Reporting galt es auf- bzw. abzubauen. Kernelement des Ganzen sind ein striktes Tool-basiertes Reportingsystem und Prozessadaptierungen. Diese Anforderungen brachten große Änderungen in der Arbeitsweise des Teams und deren Schnittstellen mit sich. Dies mitten im Projekt erfolgreich durchzuführen war eine große Herausforderung.

Vielen Dank an dieser Stelle an unseren Gastredner, der diese interessanten Eindrücke und Projekterlebnisse mit uns teilte.

Andreas Kronlachner gestaltete mit seinem Praxisbericht über Testing bei Hutchison Drei einen Teil des Vormittags

Andreas Kronlachner gestaltete mit seinem Praxisbericht über Testing bei Hutchison Drei einen Teil des Vormittags.

 

Podiumsdiskussion

Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion (v.l.n.r.):

  • Wolfgang Fröhlich, Mitglied der Geschäftsleitung | ANECON (Moderation)
  • Manfred Baumgartner, Mitglied der Geschäftsleitung | ANECON
  • Lukas Schwentner, Senior Consultant | Raiffeisen Informatik GmbH
  • Bernhard Burger, Principal | Quality Advantage
  • Christoph Schwarzenberger, Head of Quality Assurance | SKIDATA AG
  • Andreas Kronlachner, Teamleader SIT | Hutchison Drei Austria GmbH

Podiumsdiskussion_TestServiceCenter_ANECON Expertenfrühstück

Im Lichte des Impulsvortrags diskutierten die Teilnehmer ihre persönlichen Erfahrungen zu aktuellen Trends und Herausforderungen für Testorganisationen. Dabei wurde insbesondere die Fragestellung „Onboard vs. Outsourcing: Ist Qualität delegierbar?“ unter Betrachtung der Rahmenbedingungen bimodaler IT-Organisationen thematisiert.

Der Trend hin zur Bündelung von Testkompetenzen im eigenen Unternehmen wurde in der Diskussionsrunde bestätigt: Es gehe darum, benötigtes Wissen im Unternehmen aufzubauen und langfristig vorzuhalten. Im Bankenumfeld sei dies angesichts des Schutzbedarfs sensibler Daten sowie gesetzlicher Verpflichtungen ganz besonders relevant. Um Testleistungen outsourcen zu können, brauche es eine hohe organisatorische Reife und Vorlaufzeit – ein Diskussionsteilnehmer berichtete von zwei Jahren für die Etablierung einer funktionierenden Zusammenarbeit mit einem Outsourcingpartner. Als große Herausforderungen für das Auslagern von Testleistungen wurden darüber hinaus die Vermittlung impliziten Organisationswissens sowie kulturelle Unterschiede zwischen Auftraggeber und Outsourcing-Partner diskutiert.

Im Zusammenhang mit dem zunehmenden Anteil agiler Vorhaben wurden Herausforderungen und Chancen für Testorganisationen diskutiert. Einerseits würden agile Werte oftmals als Widerspruch zur Implementierung notwendiger Governance erlebt. Die Testorganisation sei gefordert, diesen Spagat zu beherrschen. Andererseits habe der Test zunehmend die Chance, eine gesamthafte Sicht auf Qualität über alle Vorhaben zu liefern. Test unterstütze dezentral in den agilen Projekten und liefere über eine zu etablierende Reportinglinie wertvolle Informationen aus der Entwicklung. Die zentrale Organisation bringe dabei den Vorteil, dass das Rad nicht immer neu erfunden werden müsse und dass wertschöpfende Aktivtäten und integrative Tätigkeiten nicht unter die Räder kommen. Für Testorganisationen stelle das Entwicklungsmodell üblicherweise keine allzu große Herausforderung dar. Im Kern seien die Aufgaben des Tests sowohl in traditioneller als auch in agiler Entwicklung gleich. In agilen Vorhaben gewinne die Rolle des Tests noch an Bedeutung.

Die Einführung von Verbesserungen an der Testorganisation stelle dabei ein Change-Vorhaben dar. Dieses müsse begleitet und auch entsprechend vermarktet werden. Gerade große Schlüsselprojekte erschienen gut geeignet, diese Veränderungen in die Wege zu leiten. Der Auswahl des Schlüsselprojekts wurde große Bedeutung beigemessen.

Am Ende der spannenden Podiumsdiskussion wurden die Teilnehmer um ein persönliches Fazit ersucht. Zum einen wurde die verlässliche Bereitstellung von repräsentativen Testumgebungen als massiv an Bedeutung gewinnendes Thema genannt. Testverantwortliche sollen dieses Thema früh einfangen und mit einer Vorlaufzeit von bis zu drei Monaten für die Implementierung rechnen. Ganz besonders wurde in diesem Zusammenhang die möglichst automatisierte Bereitstellung von Testumgebungen als wesentliches Erfordernis zunehmender DevOps Initiativen hervorgehoben. Auch die Wiederverwendung von Testware und Testautomatisierung solle den Test effizienter und schneller machen. Zum anderen wurde empfohlen, sich als Testorganisation nicht auf Test alleine zu reduzieren, sondern die eigene Qualitätskultur breiter auf das Unternehmen wirken zu lassen. Hier wurde von den Teilnehmern eine Hebelwirkung für die Qualität geortet.

Wir danken den Teilnehmern für die offene Diskussion, die wertvollen Einblicke und das Teilen persönlicher Erfahrungen mit den Gästen des ANECON Expertenfrühstücks.

 

Qualität hautnah – Erfolgsmodelle flexibler Test Service Center

Das Test Service Center von heute unterscheidet sich wesentlich von der zentralen Testabteilung von gestern, die als beinah anonyme Black-Box die fast-fertige Software von der Entwicklung zur Prüfung übernahm. Moderne Testorganisationen verstehen sich als Service an der Entwicklung und bieten hochspezialisierte Dienste (z.B. Securitytests, Performancetests, Test der Systemintegration, Testautomatisierung) entlang der Notwendigkeiten der Entwicklungsorganisation. Dazu ist die kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Bedarf der Entwicklung, der Fachbereiche als auch des Betriebs wesentlich. Testen erfolgt Risikoorientiert und wird nicht mit der Gießkanne auf die Projekte verteilt.

Ein Test Service Center unterstützt sowohl traditionelle als auch agile Software Entwicklung Es fungiert einerseits als Eingangskontrolle für Lieferanten und stellt die Qualität und Integrierbarkeit externer Zulieferungen sicher. Andererseits agiert es als Ausgangskontrolle zu den Anwendern im Unternehmen.

Das Test Service Center stellt Methodik, Werkzeuge und Testinfrastruktur (z.B. Testumgebung, Testdaten und Testautomatisierung) zentral zur Verfügung. Daraus ergeben sich relevante Vorteile, wie die Beschleunigung der Setup-Phase, Kostenreduktion, Sicherstellung übergreifender Qualitätsanforderungen sowie notwendiger Kompetenzaufbau im Unternehmen und noch viele mehr.

Die Qualität und damit der ROI des Tests hängt maßgeblich vom Verstehen der Fachlichkeit und damit dem kontinuierlichen Dialog des Testers mit dem Unternehmen ab. Die Verantwortung für die Qualität der eigenen IT-Services sollte dabei nicht weggeschoben werden. Aus diesem Grund wird ein Test Service Center im Unternehmen aufgebaut und gesteuert. Hautnah am Geschehen.

Richard Seidl erklärt in seinem Vortrag die Erfolgsmodelle flexibler Test Service Center

Richard Seidl erklärt in seinem Vortrag die Erfolgsmodelle flexibler Test Service Center

 

Es war ein überaus spannender und informativer Vormittag. Wir danken allen Interessierten für Ihr Kommen und unseren Gastrednern für ihre aktive Mitgestaltung.

Einen kompletten Videomitschnitt dieses Expertenfrühstück in einer Langversion finden Sie auf unserem ANECON YouTube Kanal.

 

Wie fit ist Ihre Testorganisation?

Wollen Sie es wissen? Dann melden Sie sich an für den ANECON Fitness Check: Eine Kopf- bis Fußbewertung Ihrer aktuellen Testorganisation. Fitness-Tipps inklusive. Schicken Sie mir eine E-Mail mit dem Betreff „Fitness-Check“ und Ihren Kontaktdaten: bernhard.rauter@anecon.com

Download PDF > EF22_Fitnesscheck_Testorganisation

 

 

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