Digitalisierung / Veranstaltungen

Das war der Quality Leadership Circle rund um Digitalisierung

Ist es nicht so? Mittlerweile ist unser Leben auf allen Ebenen digital – ob im privaten oder geschäftlichen Umfeld. Die digitalen Entscheidungen als Konsument werden oft spontaner, mehr aus dem Bauch heraus getroffen. Im Businessumfeld sind die Fragestellungen grundsätzlicher Natur. Wo steht mein Unternehmen in fünf bis zehn Jahren, wie bleibt man wettbewerbsfähig, wie verändert sich die Arbeitswelt?

Diese und weitere Fragen diskutierte eine namhaft besetzte Runde IT-Verantwortlicher österreichischer und internationaler Unternehmen im Rahmen des vierten Quality Leadership Circle (QLC) am 22. Februar 2017 in Landtmann’s Bel-Etage.

In Impulsvorträgen boten Susanne Ebm, Leitung Informationssysteme der Flughafen Wien AG und Sebastian Knisch, Multichannel Transformation Programm Manager der IKEA Möbelvertriebs OHG, interessante und differenzierte Einblicke in den digitalen Transformationsprozess ihrer Unternehmen.

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Einleitend befragten wir zu Beginn via Online-Umfrage die Teilnehmer: „Welche Auswirkung hat die digitale Transformation auf das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens?“ Das Ergebnis war eindeutig: Drei Viertel der anwesenden IT-ManagerInnen sehen sehr große bzw. große Auswirkungen der digitalen Transformation auf das Geschäftsmodell ihres Unternehmens.

 

Auswirkung

Abbildung 1: Auswirkungen der digitalen Transformation auf das Geschäftsmodell

Zwei IT-Verantwortliche schilderten ihre Strategie, ihre Erfahrungen und Pläne hingehend digitaler Transformation in spannenden Impulsvorträgen, welche dieses Ergebnis unterstreichen. Weitere Erkenntnisse aus der Umfrage verraten wir Ihnen ein Stück weiter unten.

 

Impulsvorträge:
Status Quo und Erfolgsfaktoren einer gelungenen digitalen Transformation

 

Digital Talk #1 – Flughafen Wien

Gleich zu Beginn ihres Impulsvortrags identifizierte Susanne Ebm das Festhalten an traditionellen Geschäftsmodellen in der Luftfahrt als ein wesentliches Hemmnis für Innovation. „Die Digitalisierung“ , so Susanne Ebm, „birgt ein hohes Potenzial um die Kundenerwartung zu erfüllen und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Der Flughafen Wien analysiert und nutzt die Chancen bereits bei Projektinitialisierung.“

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Susanne Ebm, Flughafen Wien AG

Im Laufe des Vortrags ging sie auf einige dieser Projekte im Detail ein und bot interessante Einblicke in das komplexe Organisationssystem des Flughafen Wien. So erläuterte sie die Vorgehensweise etwa am Beispiel der volldigitalisierten Passagierflussmessung zur Analyse der Passagierströme und der operativen Prozesse. Ganz im Sinne der Kundenzufriedenheit reduziert sich für Passagiere die Wartezeit bei gleichzeitiger Verbesserung der Servicequalität im Check-In Bereich, selbst Shop-Layouts passen sich den Ergebnissen der Passagierstrom-Analyse an.

Ein weiteres Beispiel auf das Susanne Ebm näher einging, war das Centralized Load Control (CLC) System. Das CLC steuert zentral und voll digitalisiert die optimale Beladung des Flugzeugs. Der Erfolg gibt dem Flughafen Wien Recht: Mittlerweile kommt das System in seiner mobilen Ausführung, gut verstaut in einem tragbaren Koffer, an diversen Flughäfen außerhalb Europas zum Einsatz. Alles im Sinne der Sicherheit!

Dass „Seamless travel“ und die Betrachtung der Customer Journey für den Flughafen Wien nicht nur Schlagwörter sind, führt Susanne Ebm am Zukunftsbild des nahtlosen Tür-zu-Tür Services aus. Den Passagieren soll eine unterbrechungs- und stressfrei Reise ab der Haustüre bis zu ihrer finalen Destination geboten werden. Die Herausforderung hier: Das Aufbrechen von „Silo-Lösungen“ zu ganzheitlichen Services zum Komfort des Anwenders und die Abstimmung der Prozesse untereinander. Angedacht ist etwa eine App, die Kunden den gesamten Urlaub begleiten und wertvolle, also aktuellste Informationen liefert: Hotel, Taxi, Staumeldung, Remote Bag-Tag, Flug, Sightseeing und vieles mehr.

Für Susanne Ebm ist die Flugrichtung klar: „Die Digitalisierung hat das Potential einen Paradigmenwechsel quer über alle Bereiche anzustoßen – vom Recruiting über steigende IT-Security-Anforderungen bis hin zur Entwicklung einer Strategie, die sowohl Organisation, Projekte und Budgetierung umfasst. Die Flughafen Wien AG, als hochkomplexe Organisation, fokussiert bereits heute auf die digitalen Herausforderungen, denn aus meiner Sicht ist der Flieger der Digitalisierung bereits in der Luft.“ Für den Flughafen Wien zählt besonders das vorrausschauende Denken. „So beschäftigen wir uns etwa bereits heute mit der Frage, welchen Einfluss selbstfahrende Autos auf unser Geschäftsfeld Parken haben wird“, so Susanne Ebm.

 

Digital Talk #2 – IKEA

Der zweite Impulsvortrag bot Einblick in die Digitalisierungsstrategie und -aktivitäten einer völlig anderen Branche und eines hartumkämpften Marktes – dem Möbelhandel. Sebastian Knisch, IKEA, zeichnete die Roadmap von drei Jahren digitale Transformation in einem der weltweit führenden Einrichtungshäuser. Zentrales Augenmerk liegt bei IKEA auf der Customer Journey und die laufende Bewertung neuer Features durch den Kunden.

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Sebastian Knisch, IKEA Möbelvertrieb OHG

Für IKEA Österreich- einer der Vorreiter im E-Commerce-Geschäft – bietet beispielsweise das jetzt weltweit eingeführte Click & Collect ein zusätzliches, kostengünstiges Service. Die Entwicklungszeit von der Entscheidung bis zum globalen Ausrollen betrug weniger als Jahr. Ein klares Zeichen, wie zukünftig die Wettbewerbsfähigkeit sichergestellt wird.

Ziel der Maßnahme ist das Thema „Accessibility“ für den Kunden weiter zu verbessern und über den Online-Kanal näher an den Kunden zu rücken. „Fakt ist, dass in Zukunft immer mehr Menschen in den Städten leben werden und kein eigenes Auto mehr besitzen.“, so Knisch. Click & Collect ergänzt das E-Commerce-Angebot von IKEA perfekt und macht Einkaufen enorm bequem: Die Kunden kaufen entspannt über IKEA.at ein, die Bestellung wird für sie zusammengestellt und ist zur gewünschten Zeit abholbereit.

Ein kleiner, ebenfalls hilfreicher Schritt ist die schon vor einem Jahr eingeführte Möglichkeit für Kunden, IKEA Produkte zu bewerten. Mittlerweile bietet „Ratings & Reviews“, wie dieses Tool heißt, Kunden eine gute Orientierungsmöglichkeit. Laut Sebastian Knisch ist dies vor allem für die Generation der Digital Natives ein wichtiges Instrument, da diese Zielgruppe eine viel höhere Erwartungshaltung an den Digitalisierungsgrad von Produkten und Services hat. Es muss alles schnell gehen und einfach sein, denn Zeit ist ein wertvolles Gut.

Der Vortrag illustrierte Pilotprojekte mit modernen Technologien zur Kundeninteraktion wie beispielsweise iBeacons oder Virtual Reality (VR) mit dem Ziel, bewusst auszuprobieren und mittels Kundenfeedback zu evaluieren, ob sich dahinter ein positiver Business Case für IKEA verbirgt. Einige von vielen Bausteinen in Sachen innovativer Lösungen für den Handelsbereich.

Sebastian Knisch bringt es auf den Punkt: „Unser klares Ziel ist, dass die IKEA Success Story weitergeht. Wir haben uns vor rund zehn Jahren als einer der ersten Möbelhändler im Netz positioniert. Heute rückt für uns verstärkt die Orientierung entlang der Customer Journey in den Mittelpunkt der digitalen Aufmerksamkeit. Untrennbar mit der Digitalisierung ist für uns ein kultureller Wandel durch Agilisierung im Unternehmen verknüpft. Konkret heißt das, den Mut zu haben, neue Dinge einfach auszuprobieren.“

 

Anschließende Diskussion:
Alles eine Frage der Geschwindigkeit und der Hebel

Es ist keine Frage des Ob‘s mehr, sondern eine Frage der Wie’s und der Geschwindigkeit mit der Unternehmen die digitale Transformation angehen, so der Tenor der anschließenden Diskussion. Die Herausforderungen sind vielfältig: der Fachkräftemangel in der IT, der Wandel der Arbeitszeitmodelle, die stete Entwicklung neuer Technologien und Start-Ups, die mit einer einzigen cleveren Idee ganze Branchen auf den Kopf stellen.

Den aktuellen Stand am Weg der digitalen Transformation zeigte eine, während der Veranstaltung durchgeführte Online-Umfrage. Wie zu Beginn des Artikels erläutert, sehen drei Viertel der anwesenden IT-ManagerInnen sehr große bzw. große Auswirkungen der digitalen Transformation auf das Geschäftsmodell ihres Unternehmens.

90% der repräsentierten Unternehmen messen der digitalen Transformation eine sehr große bzw. große Wichtigkeit bei (Abbildung 2). Dies wird durch ein weiteres Umfrageergebnis bestärkt: 60% der Befragten erachten die digitale Transformation bereits aktuell bzw. innerhalb der kommenden 12 Monate als erfolgskritisch, weitere 35% innerhalb der nächsten 1-2 Jahre (Abbildung 3).

 

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Abbildung 2: Wichtigkeit der digitalen Transformation

 

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Abbildung 3: Wann wird die digitale Transformation erfolgskritisch?

 

Zusammengefasst bedeutet das: Die digitale Transformation hat bereits Fahrt aufgenommen. Wer an der Spitze bleiben will, muss sich und sein Geschäftsmodell laufend bewerten, überdenken und weiterentwickeln.

Klar zeigte sich in der Diskussion der Unterschied zu bisherigen Veränderungsprozessen. Die Innovationszyklen haben ein rasantes Tempo aufgenommen. Die Erfahrungen und der Einfluss von Technologien im Alltag und deren Übertragung ins Unternehmen bringt neue Möglichkeiten bei gleichzeitig höheren Risiken – wie etwa Security und Datenschutz – mit sich. Zudem sind das Nutzerverhalten und die Erwartungshaltung von Digital Natives stark gestiegen und Unternehmen entwickeln neue Geschäftsmodelle auch über Branchengrenzen hinweg.

 

Die IT als Wegbegleiter: Eine neue Situation

So handelt es sich bei weiten um kein reines IT-Thema, sondern vielmehr eine Entwicklung des Umdenkens im Gesamtunternehmen, waren sich die QLC Teilnehmer einig. Die IT schlüpft schrittweise in die Rolle des Wegbegleiters – eine neue Situation.

Sie muss die vielschichtigen und komplexen neuen Technologien wie Cloud Computing, Big Data, Mobility oder Internet of Things (IoT) beherrschen und in geschäftsbringende Lösungen übertragen. Interessant ist diesbezüglich das Umfrageergebnis hinsichtlich Big Data/Advanced Analytics (Abbildung 4).

Die große Wichtigkeit ist auf die massive Zunahme an verfügbaren Daten aus unterschiedlichen Quellen zurückzuführen. Das Datenwachstum verläuft exponentiell und explodiert geradezu. Die intelligente Nutzung dieser Daten als Grundlage für neue Geschäftsmodelle ist wesentlicher Bestandteil der digitalen Transformation und daher ein Fokus der Aktivitäten.

 

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Abbildung 4: Was sind die wichtigsten digitalen Technologien?

 

Die Digitalisierung ist weit mehr als das Umsetzen von Technologie getriebenen Lösungen. Digitalisieren heißt kommunizieren, interagieren und Brücken zwischen IT und Business bauen. Es erfordert einen Kulturwandel im Unternehmen, geänderte Arbeits- und Kollaborationsmodelle. Ein agiles Vorgehensmodell ist hier Grundvoraussetzung, aber auch die Fehlerkultur gehört adaptiert.

Digitalisierung heißt Dinge ausprobieren, „learning by doing“ und „Fehler machen erwünscht“, um aus der Komfortzone auszubrechen. Ein zentraler Bestandteil einer digitalen Transformation ist, wie in jedem Change, somit der Faktor Mensch. Das Umfrageergebnis hinsichtlich der größten Herausforderungen aus Sicht der Anwesenden IT-Leiter unterstreicht dies eindrücklich (Abbildung 5). Es sind fehlende Veränderungskultur und fehlendes Verständnis im Management, gefolgt von Zeitmangel und fehlendem Fachwissen.

 

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Abbildung 5: Die größten Herausforderungen der digitalen Transformation

 

Einigkeit herrschte darin, dass die Herausforderungen anzunehmen sind, dass die Chancen, welche den Unternehmen geboten werden umso vielfältiger sind. Der digitale Fortschritt ist mittel- und langfristig der Motor für nachhaltiges Wachstum.

Jetzt gilt es die Vorausaussetzungen dafür zu schaffen. Wichtig ist, die digitale DNA in der Unternehmenskultur zu implementieren, sei es auf der Mitarbeiter-, Führungs- oder Organisationsebene. Dafür ist eine digitale Strategie notwendig, da so gut wie alle Unternehmensbereiche davon betroffen sind. So verfügen fast 70% der anwesenden Unternehmen nach eigener Aussage über eine digitale Strategie für die Gesamtorganisation oder zumindest für einzelnen Bereich.

 

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Abbildung 6: Verfügt Ihr Unternehmen über eine digitale Strategie?

 

Gefragt nach den wichtigsten Zielen von Digitalisierungsmaßnahmen war die Aussage eindeutig: Nach außen (Markt, Kunde) geht es primär um die erhöhte Kundenbindung, nach innen um Effizienzsteigerung, etwa Prozessautomatisierung.

 

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Abbildung 7: Wichtigste Ziele der digitalen Transformation

Das hohe Tempo der Veränderung und der Wettbewerbssituation kann die eigene Situation – unabhängig davon wie gut und sicher sich ein Unternehmen oder Wirtschaftszweig aktuelle fühlen mag – plötzlich verändern. Darauf, so die Diskutanten, gilt es vorbereitet zu sein, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.

 

Der Ausklang

Der Abschluss der Veranstaltung bildete ein gemeinsamer Blick in die virtuelle Zukunft: Eine neue Virtual Reality (VR)-Lösung lud zu einem Spaziergang durch einen IKEA Store ein.

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Der abschließende Networking-Teil mit kulinarischer Untermalung bot den Teilnehmern noch Gelegenheit zum Erfahrungsaustauch und dem Vernetzen.

Es waren besonders spannende Gespräche und ich freue mich schon heute auf das nächste Zusammentreffen der Quality Leadership Community!

 

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