Agile / Test Center

Qualität ist wenn eins ins andere greift – das Test Service Center

Wer kennt das nicht? Ein Gespräch, manchmal sogar eine harmlos gestellte Frage
– und man beginnt, selbst Dinge zu hinterfragen. Auch mir ist es kürzlich so ergangen:

Der Gesprächspartner: ein ehemaliger Kollege aus meiner Zeit als „Testabteilungs-Leiterin“.
Die Frage: Warum funktioniert das Ringen um Qualität besser, nur weil‘s jetzt „Test Service Center“ heißt und nicht mehr „Testing“ – ist das nicht nur wieder ein neuer Name für einen alten Hut?
Meine Antwort: Nein. Ein Test Service Center ist viel mehr!

Doch ich hinterfrage dann doch: Was macht denn nun den Unterschied aus? Ist es tatsächlich eine gute Idee in einer Welt voller selbstbestimmter, agiler Teams und heterogener Projekte ein „Test Service Center“ aufstellen zu wollen?

Der Tester hinter dem Zaun_Testcenter

Der Tester hinter dem Zaun

 

Das stille Kämmerchen hinter dem Zaun

Wer in Wasserfall-Projekten getestet hat, kennt die Situation:

Basierend auf den Anforderungsdokumenten überlegten sich die Tester während der Entwicklungsphase im stillen Kämmerchen Testfälle. Dann wurde das Testobjekt (oft zeitverzögert) „über den Zaun geworfen“ und sollte (am besten pünktlich) anhand dieser Testfälle für gut befunden werden. Dieses „stille Kämmerchen hinter dem Zaun“ – oft auch räumlich getrennt von der Entwicklung – hatte einen Namen: Testabteilung.

 

Die Transformation

Seit geraumer Zeit weht ein agiler Wind in der Software-Entwicklung. Die Zäune werden abgerissen und agile Teams gebildet. 1-2 Tester pro Team sind gute Praxis und räumliche Nähe wird groß geschrieben. Die stillen Kämmerchen haben ausgedient oder werden zur „letzten Bastion“ der traditionellen Tester.

Hatte früher der Testmanager einfach die Gesamtverantwortung über sein Testteam – disziplinär, fachlich und auch projektbezogen – so muss er nun auf die Selbstverwaltung der agilen Teams vertrauen. Mehr noch: der Test ist nicht mehr „verordnete Prüfinstanz“, sondern wird von den Projektverantwortlichen oft als spezialisierte Dienstleistung (z.B. für Last- und Performance-Tests) oder eben als ein Service genutzt, das frühzeitig im Projekt eingebunden wird und zur Qualität beitragen soll.
Und wie ergeht es den Testern, die nun von Entwicklern umringt, eine Minderheit in ihrem neuen agilen Team darstellen?  Sie sind oft dankbar für strategische und technische Unterstützung oder den Austausch mit gleichgesinnten Testern.

Auch für projektübergreifende „Spielregeln“ und Tools bietet sich eine zentrale Anlaufstelle der Tester an. Und schon wird es lauter im ehemals stillen Kämmerchen und die „letzte Bastion“ wird zum „Minderheiten-Treffpunkt“.

Der ehemalige Testmanager wird vermehrt auch zum Kommunikator, Moderator und Koordinator, denn obwohl die Verantwortung für Testumgebungen, Testdaten oder auch die Abstimmung mit dem Betrieb in den agilen Teams liegt, wird diese Herausforderung leicht unterschätzt bzw. gerne abgegeben.
Da ist es gut, auf Experten mit Erfahrung aus anderen Projekten zurückgreifen zu können, anstatt das Rad immer wieder neu erfinden zu müssen.  Idealerweise findet sich ein projektunabhängiger „Testumgebungsmanager“, der sich um alle derartigen Belange kümmert und eng mit Operations bzw. dem Betrieb zusammenarbeitet.

Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass auch die Orchestrierung mehrerer agiler und traditioneller Projekte mit ihren Projektleitern, Scrum Mastern und Produktownern letztendlich einen Jongleur braucht.

Jongleure im Test Service Center_Testcenter

Jongleure im Test Service Center

 

Test Service Center als zentrale Anlaufstelle

Und schon entsteht ein ganzheitliches Bild: das Test Service Center als zentrale Anlaufstelle für Testbelange, Expertenpool für Spezialthemen, Kummerkasten für Scrum-Master, Koordinator für Betrieb und Fachabteilungen und auch als Spielregel-Mitgestalter für Tools & Reports.

Ich habe den Unterschied hinterfragt und für mich eine klare Antwort gefunden: Ja, ein Test Service Center ist sehr viel mehr als nur Testing! Eins greift ins Andere – und das macht die Qualität aus. Dies habe ich so auch meinem ehemaligen Kollegen erklärt, der danach nickend zustimmte.

Ich wollte die Idee gerne visualisieren und so ist das folgende Video entstanden:

 

Qualität ist, wenns eins ins andere greift

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