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Eine Reise in die Cloud: Das war der Quality Leadership Circle zum Thema Cloud Computing

Der dritte Quality Leadership Circle (kurz QLC) am 5. Oktober stand unter dem Motto „Cloud Computing – Fluch oder Segen?“. Ein Megatrend, der längst gelebte Realität ist und zweifellos zu den gegenwärtigen Motoren der Informationstechnologie für Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle zählt. IT-Führungskräfte und Quality Leader namhafter österreichischer Unternehmen trafen sich erneut in der Bel-Etage des Café Landtmann in Wien, um über Erfolge, Erwartungen, Grenzen und Risiken, aber auch über unbegründete Vorbehalte beim Einsatz von Cloud Technologien zu diskutieren.

Quailty Leadership Circle_Cloud Computing_World Cafe

Der QLC hat sich zum Ziel gesetzt als Forum für einen regelmäßigen, ungezwungenen Erfahrungsaustausch zwischen IT-Entscheidern heimischer Unternehmen zur Verfügung zu stehen. Auch diesmal bot das gewählte Thema Cloud Computing spannenden Diskussionsstoff und einen praxisorientierten Erfahrungsaustausch, da sich viele der heimischen Unternehmen mit dem facettenreichen Thema bereits befassen bzw. schon von ersten Erkenntnissen aus konkreten Umsetzungen berichten können. Worauf man bei der Einführung und beim Umstieg auf eine Cloud Lösung achten muss, veranschaulichte der Eröffnungsimpuls aus der Praxis von Horst Bratfisch, Leiter IT-Anwendungsentwicklung der Österreichischen Post AG.

 

Impulsvortrag „Cloud Transformation in der Österreichischen Post AG“

Die „Reise in die Cloud“, wie es Herr Bratfisch in seinem kurzweiligen, offenen und praxisorientierten Vortrag bezeichnete, war auch für die Österreichische Post keine einfache. Der erste Anlauf vor mehr als zwei Jahren – Infrastructure as a Service (IaaS) aus einer Public Cloud als reine Verlängerung des internen Rechenzentrum einzuführen – setzte sich nicht durch. Mit den daraus gewonnen Erfahrungen startete man 2014 schrittweise mit dem Transformationsprozess in die Microsoft Cloud. Die strategischen Schwerpunkte lagen neben Collaboration Services wie Office 365 und SharePoint Online vor allem auf Software-Entwicklungsservices in der Azure Cloud, wie beispielsweise Visual Studio Team Services, Azure DevTest Labs und App Services.

Für die Post ist Cloud Computing DER Enabler der digitalen Transformation. Es ermöglicht in sehr hoher Geschwindigkeit modernste Cloud Services ins Unternehmen zu bringen, ohne sich mit herkömmlichen großen IT-Projekten beschäftigen zu müssen. Als Beispiel dafür nannte Horst Bratfisch den Einsatz des Online CRM Systems Dynamics 365, dessen Einführung nur wenige Monate dauerte. Der Fokus liegt auf Business-relevanten Nutzen und nicht auf Infrastruktur. Aus Sicht der Post, wird man mit reinen IaaS Diensten, wie etwa Virtual Machines, Storage und SQL Datenbanken in Zukunft keinen wirklichen Nutzen mehr generieren können. Daher setzen sie in diesem Bereich auf eine hybride IT-Infrastruktur, eine Mischung aus klassischem Infrastruktur-Outsourcing und der Cloud-Infrastruktur.

Die erste eigenentwickelte, rein cloudbasierte Applikation ist bereits in Produktion, weitere sind im Entstehen. Das klare Ziel ist die Erstellung neuer, innovativer Applikationen in der Cloud unter Einbeziehung von Software Services, wie z.B. Azure IoT Hub, Data Lake Analytics oder Machine Learning.

 

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Bild: Horst Bratfisch, Leiter IT-Anwendungsentwicklung, Österreichische Post AG

 

Der Praxisimpuls eines Fallbeispiels mit hohem Reifegrad, bot den Teilnehmern einen tiefen Einblick und lieferte Input und Vergleichsmöglichkeiten in den eigenen Organisationen.

„Zu Beginn des Projekts war es essentiell, die größten Stolpersteine wie Security, Commitment im Top Management, diverse Sorgen und Ängste etc. zu adressieren. Viele Unternehmen schaffen diese Hürde nicht, da die Bedenken überhandnehmen“, so Bratfisch. Ein weiterer, kritischer Punkt war der Aufbau eines Ökosystems rund um die Cloud, wie beispielsweise die Organisation entsprechend weiterzuentwickeln, Cloud Services integrieren und nutzen zu können. Dies ist ein großer Wandel und braucht Zeit.

Zusammenfassend hat für die Post der zweite Anlauf der Transformation in die Cloud besser funktioniert als erwartet. „Es erleichtert uns vieles und bringt Mehrwert wie Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und Erweiterbarkeit, die wir vorher so nicht hatten“, ist Horst Bratfisch überzeugt. „Meine klare Empfehlung lautet: Vergessen Sie Ihr Rechenzentrum und nutzen Sie Cloud Services!“

 

Erfahrungs- und Meinungsaustausch zu Cloud Computing

In der anschließenden Working-Session diskutierten und erarbeiteten die Teilnehmer in Form von drei Themeninseln folgende Fragestellungen:

  • Themeninsel „Schönwetterwolken“: Welche Chancen/Nutzen von Cloud Computing sehen Sie?
  • Themeninsel „Schlechtwetterwolken“: Was sind aus Ihrer Sicht die Risiken/Hemmfaktoren von Cloud Computing?
  • Themeninsel „Wetterprognose“: Welche Aktivitäten planen Sie hinsichtlich Einführung bzw. weiteren Ausbau von Cloud Services in Ihrem Unternehmen?

Hier einige Einblicke in die Ergebnisse der angeregten Diskussionen:

 

Welche Chancen/Nutzen von Cloud Computing sehen Sie?

Ein großer Vorteil von Cloud Computing ist die Möglickeit, schneller Services bzw. Umgebungen sowie Kapazitäten für Fachabteilungen, die Entwicklung und den Test bereitstellen zu können.

Von Software as a Service Diensten (SaaS) profitieren Fachabteilungen, die IT und der Betrieb gleichermaßen, sei es mit Services wie Office 365, CRM oder Sales, als auch mit Application Lifecycle Management (ALM) Umgebungen wie Visual Studio Team Services. In der Software-Entwicklung und im Software-Test können so rasch Umgebungen aufgesetzt, bereitgestellt bzw. kapazitativ erweitert und wieder reduziert werden, ohne dass der Betrieb mitskalieren muss. Kurz gesagt: Ein Enabler für die Umsetzung von DevOps Konzepten.

Ein weiterer positiver Aspekt ergibt sich aus der Auslagerung sogenannter „versteckter IT-Komplexität“ an den Cloud-Provider. Das erhöht Schnelligkeit und Skalierbarkeit für die Fachabteilungen sowie den Endbenutzer und entlastet IT-Abteilungen.

Einig waren sich die Diskutanten darüber, dass durch Cloud Computing eine höhere Qualität im Sinne von Stabilität und Standardisierung erzielbar ist. Wie das Beispiel der Österreichischen Post zeigt, kann eine deutliche Hebung der Development-Qualität mittels einer durchgängigen Verwendung standardisierter und automatisierter Prozesse inkl. überprüfter Guidelines und Qualitychecks erreicht werden.

Eine Kostenersparnis durch die Nutzung von Cloud Computing wurde in der Teilnehmerrunde als wahrscheinlich angesehen, aber nicht als primärer Antrieb. Natürlich ergeben sich Skaleneffekte durch die direkte Bindung der Kosten an die tatsächliche Nutzung bzw. Aufwandsreduktionen in der Wartung und im Betrieb (e.g. Entfall von Patching und Management der Produktversionen). Andererseits ist die Vorhersehbarkeit der anfallenden Kosten in der Praxis manchmal schwierig und Business Cases aufgrund verschiedenster Kostentreiber wie Nutzung, Volumen, I/O, Netzwerk-Traffic, Nutzer etc. schwer kalkulierbar.

Da standardisierte Services anpassbar sein müssen, erwarten sich die Diskutanten eine gut durchdachte und stark verbesserte Customizability und Usabilty der Customizing-Features. Zukünftig ergibt sich so die Möglichkeit, dass individuelle Anpassungen direkt durch Fachabteilungen und Endbenutzer umgesetzt werden.

 

QLC World Cafe_Cloud Computing_Chancen   QLC World Cafe_Cloud Computing_3

 

Was sind aus Ihrer Sicht die Risiken/Hemmfaktoren von Cloud Computing?

Datensicherheit und Kontrollverlust über Daten und Anwendungen sind noch immer die größten Hindernisse für die Einführung von Cloud Computing.

In vielen Fällen ist das zwar vergleichbar mit diversen Outsourcing-Szenarien, aber insbesondere die Frage der geographischen Lokation der Daten ist, speziell für den öffentlichen Sektor, wichtig. Unternehmen, die bereits heute ihren Betrieb out-gesourced haben, tun sich beim Schritt in die Cloud vermutlich leichter als andere, da bereits einiges an „Vorarbeit“ geleistet wurde.

Als weiteren Risikofaktor sehen die Teilnehmer das fehlende Know-how, sowohl auf Seite der Unternehmen selbst als auch beratungs- und implementierungsseitig.

 

QLC World Cafe_Cloud Computing_2   QLC World Cafe_Cloud Computing_1

 

Welche Aktivitäten planen Sie hinsichtlich Einführung bzw. weiteren Ausbau von Cloud Services in Ihrem Unternehmen?

Die Ausgangssituationen der Teilnehmer war sehr unterschiedlich. Zentral waren hier ebenfalls die Themen Sicherheit und Datenschutz, die – ob berechtigt oder nicht – noch vieles verhindern.

Während in Legacy-Applikationen wenig Bewegung spürbar ist, zeigt sich vermehrt Dynamik in neuen Projekten und Greenfield-Ansätzen. Die Erfahrung zeigt, dass Business Cases kaum bzw. nur schwer rechenbar sind (siehe ebenso Chancen/Nutzen), aber vor dem Schritt in die Cloud gefordert werden. Dabei ist interessant, dass sich etwa im SAP Umfeld (SAP Hana) die Frage Cloud/On-Premise gar nicht stellt. Da wird Kraft des Herstellers „in die Cloud gegangen“.

Verstärktes Outsourcing ist ein Treiber für die Bewegung Richtung Cloud Computing und in solchen Szenarien entstehen neue Dienstleistungen/Chancen wie Cloud Brokerage.

Das Fazit der Diskussion: Cloud Computing ist keine Frage von Ja/Nein, sondern vielmehr eine von Ob/Wann/Was!

 

Ausklang

Mit kulinarischen Schmankerln klang der informative Abend und Erfahrungsaustausch in angenehmer Atmosphäre aus.

Wir freuen uns bereits auf das nächste Aufeinandertreffen der Quality Leadership Community im Februar 2017. Detailinformationen zu Termin und Thema folgen.

 

Quality Leadership Circle_ImageInteresse?

Dreimal pro Jahr findet der Quality Leadership Circle zu aktuellen Trendthemen statt. Auf der Plattform XING ist parallel dazu eine geschlossene Gruppe als C-Level-Community etabliert.

Sind Sie in führender Rolle im IT-Bereich tätig und haben Interesse am Quality Leadership Netzwerk? Dann schreiben Sie mir: wolfgang.froehlich@anecon.com. Ich freue mich auf eine Vernetzung!

 

 

 

 

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