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ADLM 3/4: Projektmanagement mit der IBM Rational Suite

Die webbasierte, multiuserfähige IBM Rational Suite verspricht ein harmonisches Zusammenspiel seiner Anforderungs-, Umsetzung-, und Test-Module zu einem ganzheitlichen „Alleskönner“ im Bereich der Application Development Lifecycle Management (ADLM) – Werkzeuge. Höchste Zeit die Werbevideos weg zu klicken und sich das Ganze in der Praxis anzusehen. In diesem Blog beschreibe ich meine Erfahrungen mit diesem Tool und worauf man für optimale Ergebnisse in der täglichen Projektmanagement-Arbeit Acht geben muss. Zum Einstieg stelle ich kurz die drei Module des Rational Suite sowie deren Zusammenspiel vor die vereinfacht dargestellt so aussehen:

Blogzeichnungen

Abbildung 1: Zusammenspiel der Module RDNG, RTC und RQM in der Rational Suite

 

Hat man die Anforderungen des Projektes im Modul „Rational Doors Next Generation“ (RDNG) einmal erfasst und zu einer Anforderungssammlung (als Lasten- oder Pflichtenheft) zusammengefasst, kann für die Verwaltung der daraus resultierenden Arbeitselemente „Rational Team Concert“ (RTC) herangezogen werden. In diesem Modul können Arbeitspakete (AP) zu einer AP-Sammlung (zB einer Iteration) gruppiert werden, welche zu einem Releaseplan zusammengeschnürt werden. Ebenfalls werden hier Fehler-AP erfasst, die im letzten Modul, dem „Rational Quality Manager“ (RQM), während des Testens auffallen. Dieses Modul wird für das Testmanagement verwendet um die Qualität der Umsetzung zu sichern. Die Testfälle werden hierbei zu frei konfigurierbaren Testplänen (wie etwa „Integrationstestplan“ oder „Abnahmetestplan“) hinzugefügt und dokumentieren Testergebnisse.

Wie unterstützt nun dieser vermeintliche „Alleskönner“ Projektmanager in ihrer täglichen Arbeit? Wie intuitiv ist das Tool dahingehend und mit welchen Problemen kämpft man als Neuling auf diesem Gebiet? Lesen Sie im Folgenden meine persönlichen Erfahrungen hinsichtlich der Projektmanagement-relevanten Bereiche

  • Projektplanung und Steuerung sowie diverse
  • Reporting-Möglichkeiten des aktuellen Projektstatus

 

Projektplanung- und Steuerung

Mit steigendem Time-to-Market – Druck steigen auch die Anforderungen im Sinne von ganzheitlicher Planung und Steuerung der verwendeten ADLM-Tools. Die RTC-Projektplanung unterstützt sowohl das klassische als auch das agile Projektmanagement. RTC bietet die Möglichkeit verschiedene und frei konfigurierbare Typen von AP (wie etwa „Arbeitspaket“, „Changes“, „Fehler“, aber auch „User Stories“, etc.) zu erstellen.

Diese AP beinhalten diverse Attribute, welche für Auswertungen und Statistiken (siehe unten) herangezogen werden können. Hierbei wird man größtenteils mit den vordefinierten Attributen auskommen, man kann jedoch eigene Attribute (mit optional selbst erstellten Wertelisten, etc.) konfigurieren oder nicht benötigte Attribute ausblenden. Für die Übersichtlichkeit und die Nutzung dieser Formulare ist man somit selbst verantwortlich.

Die Zuweisung von Attributen zu Projektbereichen, Projektplänen, Prioritäten, Fälligkeitsdatums oder Beschlagwortungen als auch verantwortliche Mitarbeiter bzw. Entwicklungsteams sind somit abgedeckt. Attachments und Verlinkungen zu Anforderungen des RDNG können hier einfach hinzugefügt werden und auch mit dem Arbeitselement zu testende Testfälle des RQM können damit verknüpft werden.

Damit funktioniert Kollaboration

Ein weiteres Highlight ist der frei definierbare Workflow des Status von Arbeitspaketen. Die Anzahl und Namen der verfügbaren Status – als auch welche Rolle welchen Status setzen darf – kann hier konfiguriert werden. Das ist im täglichen Arbeitsablauf sehr nützlich, vor allem beim Arbeiten mit KollegInnen aus anderen Abteilungen/Firmen, dadurch kommt Struktur in die Kollaboration.

Hierfür dienen auch die Möglichkeit eines einfach gestalteten Diskussionsforums sowie eine Abo-Möglichkeit je AP um über Änderungen automatisch informiert zu werden. Ein Verlaufsprotokoll je AP zeigt, welcher Mitarbeiter was mit diesem AP gemacht hat.

Einfach gelöst und schnell zu bedienen?

Auf jeden Fall, nur sollte man auf jeden Fall genügend Zeit einplanen das RTC auf die Projektvorgehensweise entsprechend minimalistisch zu konfigurieren, da man sonst Gefahr läuft von Informationen regelrecht erdrückt zu werden.

Der Releaseplan

Der Releaseplan wird neben den frei definierbaren Statistiken (siehe nächstes Kapitel) als Steuerungselement für Projektmanager herangezogen. Dieser kann in verschiedenen Ausprägungen dargestellt werden, z.B. klassisch als Work-Breakdown-Ansicht, als Taskboard oder detailliert in Form einer Iterationsansicht. Auch hier kann man nicht benötigte Ansichten ausblenden bzw. deren Darstellung abändern. Bereits erledigte Arbeitselemente werden in diesen Ansichten automatisch abgehakt bzw. durchgestrichen gekennzeichnet was die Übersicht wesentlich erleichtert. Auch der Projektfortschritt wird hier transparent in Form eines Balkendiagramms ausgewiesen.

Ebenfalls kann man hier von jedem Arbeitselement schnell in die jeweilige Anforderung bzw. in den jeweiligen Testfall springen. Achtung! Hier springt man automatisch in das jeweilige Modul der Artefakte und damit auch in eine andere Ansicht. Das wirkt auf neue Benutzer oftmals sehr verwirrend, hat man sich daran gewöhnt ist es jedoch weniger störend. An einen gewissen Fensterstress muss man sich jedoch bei der Fülle an Funktionen leider gewöhnen. Ebenfalls ist mein Eindruck, dass aufgrund der enormen Menge dargestellter Informationen die Webseiten enorm überladen und unruhig wirken, jedoch je nach genutzten Attributen durchaus Sinn machen kann.

 

Reportingmöglichkeiten des Projektstatus

Eine elegante und schnell zu erstellende Variante von Berichten sind die sogenannten Dashboards, welche sowohl in den Modulen „RTC“ als auch „RQM“ enthalten sind und deren Daten unterschiedlich dargestellt werden können. Auf diesen Dashboards können sogenannte Widgets implementiert werden, welches auch Daten von anderen Datenquellen enthalten können.

Berichtsdokumente

Abbildung 2: Reporting in der Rational Suite

Hier kann man im Hintergrund Abfragen speichern, die man ebenfalls wahlweise für eigene-, aber auch für allgemeine (also für alle Benutzer zugängliche) Dashboards zur Verfügung stellen kann. Die Möglichkeiten der Verlinkung und Filterung in diesen Abfragen sind hier sehr einfach mit wenigen Klicks erreicht. Wer die Attribute in den Artefakten (wie etwa die aktuelle Iteration, der Typ des Artefakts, Termine, etc.) sauber pflegt, kann hier präzise Kennzahlen aus den Daten filtern! Die Kennzahlen der Dashboards können von Haus aus mit Kreis-, Balken- oder Spaltendiagrammen als auch tabellarisch oder als Schlagwortwolke dargestellt werden. Auf komplexe Variationen muss hier jedoch verzichtet werden, da die Widgets lediglich nach gewissen Parametern gruppiert dargestellt werden.

Möchte man komplexe Dateninhalte darstellen, eignen sich neben den Dashboards hierzu die sogenannten „Berichtsdokumente“ wie in Abbildung 3 ersichtlich.

Sollen interne Datenquellen mit externen vermengt werden, steht hierfür ein Data-Warehouse bereit. Hier sollte aufgrund der möglicherweise etwas länger dauernden ETL-Prozesse jedoch keine zeitkritischen Ad-Hock Berichte erwartet werden, da diese erst nach vollständiger Zusammenführung aller Daten sinnvoll angewendet werden können. Bei einem nächtlichem Datenabzug also ggf. erst am nächsten Tag.

Berichtsdokumente2

Abbildung 3: Data-Warehouse in der Rational Suite

Die via Data-Warehouse ermittelten Daten können dann ebenfalls auf den Dashboards, tabellarisch oder grafisch via Widgets, dargestellt werden.

 

Conclusio

Rational Suite leistet für klassisches- als auch agiles Projektmanagement Großartiges und ist zu Recht einer der Leader in dieser Sparte. Jedoch leidet für meinen Geschmack die Übersichtlichkeit – vor allem durch die Trennung der Module – und damit auch die Usability enorm.

Das Reporting liefert durchaus brauchbare Ergebnisse sobald die „Artefakte“ (Anforderung, AP bzw. Testfall) der Module korrekt miteinander verlinkt sind. Jedoch verliert man sich bei der Suche nach der optimalen Darstellung sehr oft in Details. Hier empfiehlt es sich genügend Zeit für das Tool-Setup einzuplanen, vor allem auf Erfahrungen oder Best-Practices anderer Toolbenutzer zurückzugreifen, auch um die Seiten hinsichtlich einfacher Bedienung minimalistisch zu konfigurieren. Empfehlenswert ist hierzu ein unternehmensweiter einheitlicher Standard, um eine kurze Eingewöhnungszeit für Projektmitarbeiter projektübergreifend zu gewährleisten.

Hat man das geschafft ist das ADLM-Tool meiner Meinung nach eine schöne und vor allem sinnvolle Unterstützung des Projektmanagements. Interessierte können sich übrigens recht einfach und schnell eine Rational Suite Sandbox einrichten lassen und dieses ADML-Tool selbständig austesten (siehe hierzu https://jazz.net/products/sandbox/).

Mehr Informationen zur IBM Rational Suite sowie im speziellen vom RTC finden Sie auf Facebook oder LinkedIn bzw. auf der Supportseite des Produktes.

 
ADLM 1/4: Welches ist das richtige Werkzeug für Application Development Lifecycle Management?
ADLM 2/4: Softwarebasierte Unterstützung für Anforderungsmanagement – Pro und Kontras gäniger Tools
ADLM 3/4: Projektmanagement mit der IBM Rational Suite
ADLM 4/4: Testmanagement mit IBM Rational Quality Manager (RQM)

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