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Projektleiter: Wunderwuzzi oder Methodenguru?

Das Projektmagazin geht in seiner Blogparade der Frage nach, ob ein guter Projektleiter mit jeder Methode erfolgreich ist. Nach dem Motto: Klassisch, agil oder egal? Was sei wichtiger: die Methode oder die Persönlichkeit des Projektleiters? Wer ist gefragt – ein Wunderwuzzi oder ein Methodenguru?

Projektleiter - klassisch oder agil

Woran liegt es, wenn Projekte erfolgreich verlaufen? Manche vertreten den Weg der perfekten Methode. Zertifizierungsgeeicht und detailverliebt. Für andere steht die Persönlichkeit der Projektleiter im Vordergrund, am besten mit so gut wie allen Skills eines Vorstandsvorsitzenden. Es gäbe kein Entweder-Oder, beides müsste deutlich vorhanden sein, schallt es aus der nächsten Ecke.

Wir erleben Projekte, systematisch vorbereitet, die grandios scheitern. Vorhaben mit charismatischen Personen an der Spitze, die niemals fertig werden. Ob klassisch oder agil, spielt dabei keine Rolle. Andere Projekte wiederum laufen durchaus gut und für die Auftraggeber zufriedenstellend, obwohl sie vom Ablauf her dem Lehrbuch widersprechen und nach üblicher Nomenklatur jede Menge Fehler geschehen.

Was ist also wichtiger: die Methode oder die Persönlichkeit des Projektleiters?

Übertragen wir die Fragestellung zuerst einmal auf ein weniger abstraktes Beispiel als IT-Projekte, auf Fußball. Einmalige Vorhaben mit begrenzter Laufzeit, deren Ergebnis wir bei größter Expertise nicht verlässlich vorher sagen können, also ausreichend komplex, um als Held oder Versager zu gelten. Für den Erfolg des Teams wird der Trainer verantwortlich gemacht, eine Analogie, die wir ziemlich gut kennen.

 

Typische Trainer

 

Mein System

Er baut die Mannschaft so lange um, bis sie seinen Vorstellungen entspricht. Verliert sie, hat sie sein System nicht verstanden oder er verfügt nicht über die richtigen Spieler. Gewinnt sie, konnte er das Team erfolgreich formen.

Das Team ist alles

An ein Universalrezept glaubt er nicht. Aus dem bestehenden Kader macht er das Beste. Ergänzt ihn um Personen, die dazu passen. Das Kollektiv zählt, das Arbeiten am Platz. Stars sind nicht notwendig, da auch nicht vorhanden. Oder sie müssen sich dem Team unterordnen.

Der Taktiker

Mit akribischer Vorbereitung analysiert er seine Gegner, bereitet die Mannschaft auf jedes Spiel gezielt vor. Es stehen nicht die objektiv besten Spieler auf dem Platz, sondern die für die jeweilige Aufgabe geeignetsten.

 

Ihre Gemeinsamkeiten

Ein Manager steht in edlen Lederschuhen am Rand eines Fussballspielfeldes . Foto: Avanti/Ralf Poller .Es ist nicht vorhersehbar, welcher Trainer mit welcher Methode bei welchem Klub erfolgreich sein wird. So wie bei der Entwicklung von Aktienkursen lassen sich aus der vergangenen Performance keine sicheren Prognosen für die Zukunft ableiten. Ein paar Gemeinsamkeiten fallen allerdings auf.

 

Ihre Methode

Sie sind erfolgreich, weil sie ein Vorgehen wählen, das für sie authentisch ist und das ihnen persönlich liegt. Sie setzen jene Methoden ein, die sie für geeignet halten. Vereinsführung und Öffentlichkeit schenken ihnen Vertrauen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Die Mannschaft

Kein Trainer gewinnt alleine. Am Feld entscheiden die Spieler. Taktik hin oder her, wenn sich einer ein Herz fasst und Verantwortung übernimmt, gegebenenfalls nach vorne stürmt, statt sich stur an seine Rollenbeschreibung zu halten, kann genau das den Unterschied ausmachen.

Das Umfeld

In irgendeiner Form ist es stimmig: Finanzierung, Infrastruktur, weitere beteiligte Personen. Es liegt eine Basis vor, auf der sie aufbauen können.

Nicht immer erfolgreich

Sie gewinnen auf keinen Fall jedes Spiel. Fast jeder scheitert zumindest bei einem seiner Vereine. Selbst wenn auf dem Papier vieles stimmt.

 

Wechseln wir vom Fußball wieder in die Welt der Projektleitung: Warum verlaufen manche Projekte erfolgreich und andere nicht? Ist ein guter Projektleiter tatsächlich mit jeder Methode erfolgreich? Was ist notwendig, um komplexe Projekte im Griff zu behalten?

 

Was erfolgreiche Projektleitung ausmacht

 

Authentisch arbeiten

Projektleiterinnen und Projektleiter leisten gute Arbeit, wenn sie nach ihren Vorstellungen selbständig arbeiten können. Wenn das Umfeld ihnen die Möglichkeit bietet, ihre Stärken einzusetzen. Das betrifft den Mix aus zwischenmenschlicher Zusammenarbeit und methodischem Vorgehen. Jeder hat andere Schwerpunkte. Manche halten das Projekt auf Schiene, weil sie im richtigen Moment das passende Gespräch suchen. Andere behalten mittels Excel-Tabellen oder Kontrolle des kritischen Pfades den Überblick. Oder sie blühen in der Zusammenarbeit mit ihrem Team auf, indem sie ein Gemeinschaftsgefühl schaffen und mit Hilfe von haptischen Boards an der Wand steuern und kommunizieren. Es gibt dabei kein richtig oder falsch.

Einige verfügen über eine größere Bandbreite an Möglichkeiten, können sowohl „klassisch“ als auch „agil“ anwenden, andere sind mehr in einer bestimmten Art von Vorgehen zu Hause.

Team und Umfeld

Methode und Persönlichkeit stoßen an ihre Grenzen, wenn das Umfeld nicht dazu passt. Erfahrene Projektleiter mit Trickkiste und Methodenkoffer oder einem größeren Schatz an persönlicher Erfahrung holen natürlich mehr heraus. Sie können besser mit solchen Situationen umgehen. Aber sie sind Teil eines sozialen Systems, das für ihren Erfolg in hohem Ausmaß mitentscheidend ist.

Alle zusammen gewinnen oder verlieren: Das wird meist bei der Beurteilung von Projektleitern übersehen. Zieht das Team mit – besteht die Unterstützung von Auftraggebern, Projektsponsoren und Stakeholdern nicht nur am Papier, sondern tatsächlich –, haben Projekte eine viel größere Wahrscheinlichkeit, ihre Ziele zu erreichen.

Keiner ist überall erfolgreich

Projektleiter können gar nicht überall erfolgreich sein. Und sind es auch nicht. Projektleiter erzielen bessere Ergebnisse, wenn die zwei zuvor genannten Punkte zu ihnen passen. Wenn sie die Möglichkeit vorfinden, ihre persönlichen Stärken auszuspielen, in und mit einem Team, das gemeinsame Erfolge zulässt.

Umgekehrt bedeutet es für Projektorganisationen, zu Umfeld und auch spezifischer Aufgabenstellung die jeweils geeignete Person als Projektmanager auszuwählen, mit der sie das Vorhaben in Angriff nehmen. Den falschen Trainer einzukaufen, ohne entsprechende Arbeitsbedingungen zu bieten, stellt sich meist als Fehlinvestition heraus.

 

Conclusio: Persönlichkeit oder Methode?

Was ist wichtiger: Der Wunderwuzzi, der in jeder Situation, für jeden Ansprechpartner, egal ob Vorstand oder Sachbearbeiter, das richtige Verhalten aus dem Handgelenk schüttelt?  Oder der Methodenguru, der in seinem Rucksack das für jeden Umstand anpassbare Instrumentarium vorfindet?

Es gibt eine Reihe persönlicher Voraussetzungen, die meist dazu führen, den Beruf des Projektleiters auszuüben – siehe dazu mein Beitrag Spezies Projektleiter. Es sind bestimmte Eigenschaften, weniger das Bedürfnis, bestimmte Methoden anzuwenden. Ein Vorgehen ist ein Hilfsmittel. So wie wir eine Landkarte oder die Wegbeschreibung eines Routenplaners nutzen, um unser Ziel zu erreichen. Manchmal ist es aber zielführender, zum richtigen Zeitpunkt einfach in die richtige Richtung zu schauen, sich an einem Straßenschild oder dem Sonnenstand zu orientieren.

Wie viele Projekte haben Sie erlebt, in denen die Methoden für den Projekterfolg ausschlaggebend waren? Sie leisten einen wichtigen Beitrag, sie sind notwendig, sie helfen dabei. Aber nicht Methoden entscheiden über den Erfolg von Projekten, sondern Menschen. Ihr Verhalten ist wichtiger als das Abarbeiten von Regeln. Natürlich müssen Projektleiter strukturiert und systematisch vorgehen. Einem gewissen Plan folgen. Ihre Skills, ihre persönlichen Stärken, ihre Eigenschaften sind in Summe jedoch wichtiger.

Wunderwuzzi oder Methodenguru: Projektleiter müssen beide Rollenerwartungen bis zu einem gewissen Grad erfüllen. Vieles davon können sie delegieren, Persönlichkeit jedoch nicht.

 

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