Mobility / Software-Test

Projekt „smile“ und ich

In meinem Blogbeitrag möchte ich Ihnen von meiner Aufgabe im Projekt smile berichten. Smile ist eine integrierte Mobilitätsplattform für verschiedene Verkehrsmittel österreichweit und ich hatte das große Glück in diesem spannenden Projekt als Software-Testerin zum Einsatz zu kommen.

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Worum geht’s im Projekt smile?

Kann ein Radfahrer eine Strecke von Wien nach Graz innerhalb von 5 Stunden zurücklegen? Welche Geo-Koordinaten hat der TwinCityLiner-POI in Bratislava eigentlich? Mit welchen Verkehrsmitteln komme ich am schnellsten vom aktuellen Standort zu meinem Ziel? Das sind unter anderem Fragen, die Ihnen die smile-App binnen Kürze beantworten kann.

Smile bietet seinen Benutzern die Möglichkeit aus verschiedensten Mobilitätsanbietern, darunter Wiener Linien, ÖBB, CityBike, NextBike, Taxi31300, GrazBike, Car2Go, TwinCityLiner und Flinkster zu wählen, und kann diese dann mit privaten Fahrzeugen kombinieren. Daraus lässt sich ein optimaler Weg von A nach B suchen und finden. Der Benutzer kann sich auch zu seinem Standort die Points Of Interests (kurz: POIS) in der Nähe anzeigen lassen. Zusätzlich wird die Möglichkeit geboten, Tickets zu kaufen und Reservierungen zu tätigen. Die Mitgliedschaften zu den unterschiedlichen Mobilitätspartnern lassen sich vom Benutzer durch Profileinstellungen hinzufügen. Diese werden bei der Routensuche miteinbezogen.

 

Was war die konkrete Aufgabenstellung an den Software-Test?

Unsere Aufgabenstellung im Projekt war die Durchführung eines Abnahmetests für die jeweiligen Releases. Dazu zählten unter anderem Tests zu neuen Funktionalitäten oder neu integrierten Mobilitätspartnern. Je nach Releasezyklus wurden von uns Regressionstests durchgeführt. Spannend war aus meiner Sicht das geänderte Routingverhalten bei neu hinzugefügten Mobilitätspartnern.

Getestet wurde unter anderem:

  • das monodale Routing (nur ein Mobilitätspartner/ ein eigenes Fahrzeug)
  • das intermodale Routing (die Kombination von mehreren Mobilitätspartnern oder die Kombinationen mit den eigenen Fahrzeug)
  • die effiziente Wegführung, z.B. die Anforderung, dass das Routing über eine definierte maximale Länge der Fußwege zwischen den Partnern verfügen soll. Aber nicht nur Fußwegrouten unterlagen einer Definition, sondern auch Fahrradrouten konnten mit einer maximalen Wegstrecke begrenzt werden. Daraus ergab sich die Anforderung, dass keine Fahrradrouten von Graz nach Wien angeboten werden.
  • die korrekte Distanzberechnung zwischen zwei POIS.

Auch Einschränkungen spielten eine Rolle:

  • Es sollen keine Mobilitätspartner außerhalb ihres Geschäftsgebiets angezeigt werden – die Wiener Linien agieren z.B. nicht in Linz oder CityBikes können nicht bei einem NextBike-Standort zurückgegeben werden.
  • Das Buchen von Tickets soll nur innerhalb von Österreich funktionieren.

Aus der Logik ergab sich die Anforderung, dass der Benutzer nicht zuerst mit den Wiener Linien oder dem eigenen Fahrrad durch die Stadt geschickt wird, um dann irgendwo in das eigene Auto umzusteigen, wo dieses vielleicht gar nicht geparkt ist!

Nicht nur Routinginformationen wurden von uns getestet, sondern auch Funktionen wie die Bezahlung über die App unter Berücksichtigung von Zeit- und Vorteilskarten.

 

Anforderungen beim Mobile Testing

Beim Testen von mobilen Apps wie smile gibt es zum einen eine Vielzahl von funktionalen und nichtfunktionalen Tests, welche sich aus der Applikation ableiten und zum anderen ergeben sich spezifische Tests, die sich aus dem Umstand ableiten, dass es sich um eine mobile App handelt. Diese technischen Aspekte können über Simulatoren oder über das Gerät selbst getestet werden. Der Test über einen Simulator hat jedoch Nachteile: Es können beispielsweise Hard- und Firmware Umgebungsvariationen nicht abgedeckt werden. Manche Unterbrechungen, Farbanzeigen der Geräte oder Performances können möglicherweise nicht simuliert/emuliert werden. Es lassen sich auch verschiedenste Feldtests nicht realisieren (auf Feldtests gehe ich später noch näher ein). Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, dass wir die smile-Applikation über physikalische Geräte und nicht über einen Emulator testen.

 

Mobile spezifische Tests

Als Testerin interessiert mich vor allem, wie sich manche Einstellungen des Geräts auf die Funktionalität der Applikation auswirken. In diesen Tests prüften wir, ob andere Schriftarten oder auch Schriftgrößen einen Einfluss auf die textuelle Darstellung in der App nehmen. Dabei war darauf zu achten, ob alle Texte für den Benutzer sichtbar bleiben oder Teile davon verschwinden. Dies wäre besonders bei Ticketansichten oder auch rechtlichen Texten sehr ungünstig.

Bei unseren Testdurchführungen zeigte sich, dass nicht nur die Darstellung, sondern das Zusammenspiel verschiedener Software- und Hardwarekonfigurationen nicht unterschätzt werden sollte. Manche Fehler traten nur bei einem bestimmten Gerätetyp auf, wodurch die Fehlersuche und die Fehlerbehebung erschwert wurden.

Aber auch das Zusammenspiel mit anderen Apps wurde getestet. Hier sind mögliche Fragestellungen:

  • „Was passiert wenn man eine andere App, wie etwa ein Radio, gleichzeitig geöffnet hat?“
  • Öffnet sich die Telefonapp des Smartphones wenn man auf angegebene Kontaktnummern der Detailübersicht eines POI klickt?
  • „Kann aus dem Feedbackformular zum Hochladen eines Fotos auch die integrierte Kamera des Geräts zur Aufnahme geöffnet werden?“

Anspruchsvoll sind auch Tests mit Unterbrechungen. Im mobilen Bereich versteht man darunter z.B. das Empfangen von Anrufen und Nachrichten (= Unterbrechungen), wenn gleichzeitig die App verwendet wird. Dies bezieht sich sowohl auf die von Android zur Verfügung gestellten Anwendungen als auch auf andere Programme, wie z.B. Whatsapp oder Viper. Mögliche Aktionen wären im Zusammenhang mit smile das Absetzen einer Routensuche oder der Kauf von Fahrkarten. Meine Erwartungshaltung ist in diesem Fall, dass die App nicht abstürzt und nach der Unterbrechung auch an derselben Stelle fortgesetzt werden kann.

Aber nicht nur die technischen Eigenschaften bzw. das Zusammenspiel zwischen der Software und der Hardware ist wesentlich, sondern auch Umweltfaktoren spielen eine entscheidende Rolle. Da es sich wie bereits beschrieben bei dieser App um eine Mobilitäts-App handelt, liegt ein weiterer Fokus des Testens auf sogenannten Feldtests.

 

Feldtests – Testen unter realen Bedingungen

Bei den Feldtests liegt der Fokus darin, dass die App in der realen Umgebung getestet wird. Hier kommt die örtliche Bewegung ins Spiel. Bei Feldtests ist es besonders interessant, welche Auswirkungen wechselnde Sendemasten, und die damit verbundenen Signalstärken, wechselnde Netzwerke (2G auf 3G) oder Funklöcher auf die Funktionalitäten der App haben. Wie bei den Tests mit Unterbrechungen, ist es auch hier wichtig, dass die App nicht abstürzt oder ein undefinierter Zustand hervorgerufen wird.

Im Vorfeld haben wir im Team die Strecken definiert, um die angeführten Szenarien abzubilden, z.B. eine U-Bahn-Strecke, wo mit Funklöchern und wechselnden Sendemasten zu rechnen ist. In meiner Rolle als Testerin schau ich mir bei diesem Szenarium an, ob sich auch die Kartenansicht meiner gewählten Route mit dem veränderten Standort mitverändert und prüfe den Wechsel zwischen mobilen Netz und Wifi.

 

Testen außerhalb des Wiener Umlands

Es gibt bei smile auch Mobilitätspartner, welche außerhalb von Wien und dem Wiener Umland positioniert sind, wie

  • der POIS von TwinCityLiner in Bratislava
  • oder die GrazBike-Verleihstandorte innerhalb der Stadt Graz.

Technisch gibt es hier die Möglichkeit, dass ich mich mittels Geo-Koordinaten über ein „Fake-Location“-App genau zu diesen Standorten hinbewege ohne physikalisch vor Ort zu sein. Wir lösten dies in diesem Projekt mit Variante 1, obwohl eine Dienstfahrt mit dem Fahrrad durch Graz auch etwas für sich gehabt hätte ;-).

 

Mein smile@work

Für mich war das Reizvolle am Projekt, klassische Testmethoden mit den Methoden für mobiles Testen zu kombinieren. Die Herausforderung liegt dabei darin, eine passende Auswahl von Testgeräten zu treffen, da es im zeitlichen Rahmen nicht möglich ist jede Soft- und Hardware-Generation bzw. Konfiguration durchzutesten. Ich habe es als interessant erlebt, das Projekt über einige Releasezyklen hinweg zu begleiten und dabei die Fortschritte beobachten zu können. Besonders in den Punkten wie Layout, Performance und Routing gab es in diesem Projekte große Entwicklungsschritte.

Ein wesentliches Merkmal smarter Projekte ist der system- und unternehmensübergreifende Test der Applikation – bei smile war es das Zusammenspiel mehrerer Mobilitätspartner. Das machte es für mich zu einem spannenden, abwechslungsreichen Arbeitsgebiet und ich hoffe bald wieder in einem ähnlichen Projekt zu agieren.

Übrigens, viele der genannten Testtechniken aber auch andere Techniken zum mobilen Testen lassen sich über das CMAP© Training erlernen. Mein Kollege Daniel Smidt hat hierzu einen interessanten Blog-Artikel „Mein Weg zum Certified Mobile App Professional Tester“ verfasst.

 

Weiterführende Informationen: http://smile-einfachmobil.at/

 

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