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Was Mäuschen gelernt, lernt Mensch nimmermehr?

Diese Menschen … sobald die Sonne aufgeht, kommen sie irgendwann in das Gebäude und verbringen hier den ganzen Tag. Sie reden miteinander, setzen sich vor komisch leuchtende Geräte und verbringen den Tag damit, in diese Geräte hineinzuschauen. Ab und an nehmen sie ihre riesigen Pfoten und tippen damit ganz schnell auf flache Bretter… dann lachen sie, oder werden rot im Gesicht, oder schauen verdutzt .. ein Rätsel für die Maus!

Was Mäuschen gelernt, lernt Mensch nimmermehr

Diese Menschen sind schlau“, dachte sich die Maus und ging vorsichtig weiter. Ihr ganzes Leben schon hatte sie in diesem Gebäude verbracht und sie kannte alle Schlupfwinkel und Verstecke – aber auch die Gefahren. Die Maus liebte ihre Heimat! Die langen Gänge und Korridore, den leichten Luftzug, der immer für Frischluft sorgte,  und natürlich auch ihre ganz privaten Vorratskammern. Davon hatte sie reichlich zur Verfügung. Das einzige Problem war: sie mussten ordentlich gefüllt werden – aber dabei kamen der Maus die Menschen zu Hilfe. Sie mochte Menschen eigentlich nicht, denn schon etliche ihrer Verwandten wurden von ihnen getötet, aber sie musste sich eingestehen, dass an den „Tagen ohne Menschen im Gebäude“ das Futter-Sammeln eindeutig schwieriger war als an anderen Tagen.

Diese Menschen … sobald die Sonne aufgeht, kommen sie irgendwann in das Gebäude und verbringen hier den ganzen Tag. Sie reden miteinander, setzen sich vor komisch leuchtende Geräte und verbringen den Tag damit, in diese Geräte hineinzuschauen. Ab und an nehmen sie ihre riesigen Pfoten und tippen damit ganz schnell auf flache Bretter… dann lachen sie, oder werden rot im Gesicht, oder schauen verdutzt. Die Maus konnte bislang nie herausfinden, was sie dabei eigentlich tun – sie selbst war den ganzen Tag damit beschäftigt, Essen zu suchen – dies scheint die Menschen aber nicht zu kümmern. Meistens sitzen sie einfach nur herum oder reden miteinander.

Egal“, dachte sich die Maus, „sie sind halt auch ein wenig seltsam… und schlau!

Man muss höllisch auf ihre Fallen aufpassen. Wenn man hier leichtsinnig ist, bezahlt man das mit seinem Leben. Manchmal waren es leicht zu entdeckende Fallen – diese stellten kein Problem dar. Jede Maus kannte die Käsestücke, die auf Brettern liegen wo normal keine Bretter liegen. Wenn man auf sowas draufsteigt, ist man tot – erschlagen von einem stahlharten Balken, der plötzlich auf den Körper herabschnellt.

Sie musste an ihren Cousin zweiundvierzigsten Grades denken. Es waren nicht ein Käse-Brett, das ihm den Garaus machte, diese kannte sie alle und jede Mutter warnte von Anbeginn an all ihre Kinder davor. Nein… es war ein Kabel. Die Menschen verlegten diese Dinger mitten durch die Mäuse-Wohnräume und diese Kabel waren gefährlich obwohl manche davon so schön bunt waren. Davon durfte man sich nicht täuschen lassen. Ihr Cousin spielte vor ein paar Tagen damit und biss hinein… Die Maus sah das Bild noch ganz deutlich vor sich.

„Er war ein lieber Cousin“, dachte sie traurig.

 

Der Schauplatz

Die Maus befand sich in ihrem Lieblingsraum, sie kannte ihn schon seit Ewigkeiten. Wenn sie stillstand konnte sie schon die Menschen unter sich hören, aber sie wollte weiter zu ihrem bevorzugten Aussichtsplatz. Es war dies ein kleiner Schlitz im Boden durch den man nach unten sehen konnte. Ab und an stellte sie sich gerne hierher, um einfach ein paar Minuten mit Beobachten zu verbringen. Sie hörte Stimmen von zwei Menschen und hielt ganz still.

„Das ist viel zu viel!“, sagte einer der beiden wobei er seinen Kopf schüttelte.

„Aber wir sind jetzt die Aufwandschätzung zig mal durchgegangen und die Aufwände passen“, sagte der andere, „wir werden so viel brauchen, auch wenn’s teuer wird.“

Die Maus verstand natürlich kein Wort, aber sie liebte es, einfach nur zu beobachten und sich eigene Gedanken dabei zu machen. Was denkt ein Mensch, wenn das Gesicht rot wird? Was geht in einem vor, wenn von einem Moment auf den nächsten Schweißgeruch wahrzunehmen ist? Was haben die unterschiedlichen Lautstärken zu bedeuten? Fragen über Fragen, und nur selten gesellten sich Antworten dazu. Unlängst jedoch kam sie unverhofft zu einer. Sie streifte an einem der „Tage ohne Menschen im Gebäude“ auf Futtersuche durch die Gänge als sie plötzlich vor sich doch einen sah.

Was… warum ist der da?“. Voller Schreck sah sie sich um.

Der Mensch sah sie auch. Die Maus quiekte und wollte schon wegrennen, doch der Mensch war schneller. Das Gesicht des Menschen wurde weiß wie die Wand, die Stimme hoch und grell und die Bewegungen hektisch. Der Mensch hob schnell ein Bein, dann das andere, dann hüpfte er in die Höhe, landete auf einem dieser Dinger auf denen sie sonst immer nur sitzen und rollte damit weg. Er war schnell außer Sicht.

Nachdem sich die Maus beruhigt hatte und wieder logisch denken konnte wusste sie, dass dieses weiße Gesicht, das Hüpfen und Schreien wohl ein Ausdruck von Angst bei Menschen war. „Mäuse rennen bei Angst, Menschen hüpfen… ok!“, dachte sie, „aber noch mehr solche Antworten auf ungestellte Fragen brauch ich nicht…Das reicht für eine Weile!

Als sie so dasaß und an diese Begegnung dachte, lief ihr ein eiskalter Schauer über den Rücken obwohl sie sich in sicherer Entfernung hoch oben auf ihrem liebsten Aussichtsplatz befand. Heute waren die Gesichter unter ihr nicht weiß, sondern leicht rötlich, also keine Gefahr. Sie hätte zwar durchaus gerne gewusst was das bedeutete, aber erzwingen wollte sie es nicht.

„Du hast doch keine Ahnung – das bezahlt der Kunde nie und nimmer“

„Es wird aber nötig sein, dass…“

„Schluss damit! Bitte! Damit brauch ich ihm gar nicht zu kommen. Setzt euch nochmals hin und überarbeitet das Ganze. Macht daraus drei Versionen, ok? Eine mit minimalem Aufwand, eine mittlere – und von mir aus könnt ihr auch diese Zahlen anführen… das ist aber dann deutlich als Maximal-Variante zu kennzeichnen, verstanden?“

„Und was, bitteschön, soll die Minimal-Variante zum Inhalt haben?“

„Das absolute Minimum an Testaufwand! Nicht mehr! Geh‘ davon aus, dass der Kunde selbst testen wird weil er glaubt dass er’s kann und… lass dir was einfallen!“

„Aber er hat doch keine Erfahrung im Softwaretest. Es muss dem Kunden dann auch klar gemacht werden, welches Risiko er damit eingeht wenn er…“

„Das lass meine Sorge sein – ich mach es ihm klar. Liefer‘ Du mir die Zahlen und ich geh‘ damit zum Kunden, und wir kriegen das Projekt.“

Da war es wieder, das Wort auf das sie gewartet hatte. Sie hörte es sehr oft in diesem Gebäude und sie schloss vor jeder Beobachtungs-Session mit sich selbst schon Wetten ab, ob es wieder fallen würde. Heute hat sie die Wette gewonnen! Sie liebte dieses Wort, dessen Klang, konnte ihn selbst aber nur teilweise erzeugen Es klang bei ihr wie „brojeect“ aber dieser Klang gefiel ihr. Nachdem es sehr häufig zu hören war, dachte die Maus, dass es auch den Menschen gefällt. Menschen und Mäuse können also auch etwas gemeinsam haben!

Für heute hatte die Maus aber genug gesehen. So richtig schlau wurde sie nie daraus. Dennoch –  es machte einfach Spaß! Noch dazu hatte sie wieder „brojeect“ gehört. Zufrieden wie sie war beschloss sie, bald wieder vorbeikommen. Aber jetzt war Futtersuchen angesagt… und Schlafen.

Morgen ist auch noch ein Tag“, dachte die Maus.

 

„Brojeect Winter“

Die nächsten Tage und Wochen war viel zu tun. Es war Herbst und sie musste darauf schauen, genug Vorräte gebunkert zu haben. Es war jedes Jahr das gleiche Thema! Immer wieder suchen… finden… einlagern, suchen… finden… einlagern. Irgendwann hatte sich die Maus angewöhnt, dieses Immer-Wieder auch mit einem Namen zu versehen und weil ihr das Menschenwort so gefiel, nannte sie es „brojeect Winter“. Sie war also eine ganze Weile damit beschäftigt, ihr „brojeect Winter“ zu betreiben, denn kluge Mäuse bauen vor. Sie wusste aus Erfahrung, dass man nie genug Aufwand betreiben konnte, um im Winter Sicherheit zu haben – also tat sie es auch sehr gewissenhaft.

Es waren ein paar Wochen ins Gebäude gezogen als sie sich wieder die Zeit nahm, auf ihren Lieblingsbeobachtungsposten zu gehen und siehe da – die zwei Menschen waren wieder da. Die Maus freute sich, sie wieder zu sehen und machte es sich bequem.

„Heute ist nicht mein Tag…“

„Meiner auch nicht. Ich bin zu spät aufgewacht, hab‘ mir den Kopf vor Schreck am Bettüberbau angehaut, dann bin ich ins Bad. Eines der Kinder hat eine Seife am Boden liegen lassen… Als ich in der Rettung wieder aufgewacht bin musste ich denen erst mal klar machen, dass wir heute Projekt-Steering haben und ich keinesfalls…“

„Lass den Blödsinn – ich mein’s ernst! Der Kunde ist stinksauer und erwägt eine Klage gegen uns…“

„Gegen uns? Aber warum denn?“

„Liest du keine Zeitungen? Gestern ist deren gesamtes Parkpickerl-System ausgefallen weil der Server in die Knie ging. Tausende Betroffene hängen in der Hotline und die Polizei freut sich, weil Unmengen an Strafzettel… egal! Dann hat auch noch irgendein Hacker-Wannabe das Herzstück des Security-Systems ausgehebelt und zum Bluten gebracht… nichts davon gehört?“

„Doch – jetzt wo du‘s sagst… das war unser Kunde? Der Name stand nicht in der Zeitung“

„Jawohl! Betonung auf war, wenn’s nach ihm geht. Mensch ist der sauer…! Er hat mich angerufen und gemeint, wir hätten unsere Sorgfaltspflicht nicht wahrgenommen, nicht getestet und…“

„Aber wir haben ihn doch darauf hingewiesen, dass Performance- und Security-Tests aus unserer Einschätzung notwendig sind und darauf, dass eine Streichung des Budgets zu erhöhtem Risiko in Produktion führen wird und …“

„Nein“

„Was Nein?“

„Haben wir nicht… habe ich nicht. Ich wollte damals das Projekt unbedingt haben und hab‘ deine Einwände nicht angeführt“

„…“

Der Maus wurde die Stille zu lang. Beide saßen sie nur noch da und schüttelten die Köpfe. Nachdem ihr Lieblingswort bislang nicht gefallen war beschloss sie, den Tag sinnvoller zu verbringen als weiter hier beim Nichts-Tun zuzusehen.

Sie verließ also ihren Lieblingsposten, und machte sich auf den Weg in Richtung der nächstgelegenen Vorratskammer. Sie ging um die Ecke und stutzte. Da war etwas anders als sonst! Auf dem Käse-Brett lag nun kein Käse sondern eine Wurst. Der Geruch war hinreißend verführerisch und die Maus bewegte sich vorsichtig darauf zu. Aufmerksam begutachtete sie das Brett, sehr aufmerksam begutachtete sie auch die Wurst. War es eine Falle? Das Brett war eines wie sie es schon oft gesehen hatte, aber immer nur mit Käse! Dieser Duft… die Nase der Maus konnte jede Nuance wahrnehmen und das Wasser lief ihr im Maul zusammen. Sie musste es ganz einfach haben!

Sie sprang so schnell sie konnte zur Wurst und schlug ihre Zähne in diesen Leckerbissen. Ober sich hörte sie ein metallisches Geräusch, sie duckte sich zur Seite, spürte einen Luftzug und konnte im letzten Moment zur Seite ausweichen, bevor der Balken vor ihr auf das Brett knallte!

Schweißüberströmt hielt die Maus inne. Sie hatte die Wurst und war glücklich, der Falle entronnen zu sein. Eigentlich hätte sie damit rechnen können, dass es so kommen würde und sich die Menschen etwas Neues einfallen lassen würden. Beim nächsten Mal würde sie daran denken müssen, denn…

Diese Menschen waren wirklich schlau!

 

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