Security

Linux statt XP

Auf Millionen von Computern läuft noch Windows XP. Was spätestens seit dem 8.4.2014 keine wirklich gute Idee mehr ist, sofern man nicht entsprechende Vorkehrungen trifft. Denn es gibt ab nun für XP keine Sicherheits-Updates mehr.  Zwar werden an zahlende Firmen noch weiter Patches ausgeliefert und ich nehme an, dass diese demnächst auch im Internet zu finden sein werden, aber so einem Link vertrauen?

Linux statt XP

Windows XP weiterbetreiben, als wenn nichts passiert wäre? Das ist so, als wenn man seinen Haustorschlüssel unter einem Blumentopf  versteckt und hofft, dass es gut geht. Und ich muss gestehen, bei mir zu Hause läuft am Familien-PC auch noch XP und so musste ich mir überlegen, welche Möglichkeiten ich nun habe.

 

Welche Alternativen gibt es?

  • Auf Windows 8 umsteigen
    Wenn man beabsichtigt, einen neuen PC anzuschaffen: Ja.
    Mit der bestehenden Hardware, die dafür wahrscheinlich zu alt ist: Nein.
  • Auf Windows 7 umsteigen
    Ist eine ernst zu nehmende und durchaus zu empfehlende Variante. Auf einem Teil der Geräte mit XP wird Win7 laufen können (allerdings nicht auf allen!). Als Privatkonsument haben mir jedoch zwei  Aspekte nicht gefallen:

Kosten
Das auch schon veraltete Win7 wird noch bis zum Herbst 2014 verkauft,  aber ungefähr zum gleichen Preis (ca. 80 EUR) wie das aktuelle Betriebssystem angeboten.

32-Bit/64-Bit
Beim Kauf muss ich mich für eine der beiden Versionen entscheiden. Für einen älteren PC und die darauf verwendeten Programme wird 32-Bit benötigt. Falls ich mir demnächst doch ein neues  Gerät kaufe, bräuchte ich erst recht die 64-Bit Version (um zum Beispiel  4 GB RAM nutzen zu können, was heutzutage schon in jedem Billig-PC eingebaut ist). Ein entsprechendes Bundle (32-Bit und 64-Bit-Version zum Preis von einem Paket mit einem kleinen XP-gibt-es-nicht-mehr-Rabatt) wäre mein Wunsch als Privatanwender!

 

Was dann? Nun, zum Beispiel: Linux

Linux ist nicht nur gratis, was für sich alleine noch kein überzeugendes Argument wäre, es weist ein paar strukturelle Sicherheitsmerkmale auf:

  • Trennung von System und Daten
  • Die Installation von Programmen ist nur mit entsprechenden Rechten möglich (als sog. root-User). Ein Virus kann daher im Normalfall nicht ungefragt Böses anrichten.
  • Statt in einer Registry Einträge vorzunehmen und ggf. DLL-Files zu erweitern oder zu überschreiben, was auch bei der Deinstallation von Programmen zu Fehlern führen kann, werden bei Linux üblicherweise die zu einer Anwendung gehörenden Files in den jeweiligen Ordnern gespeichert, was ihre saubere Entfernung eher ermöglicht.
  • Sicherheitsvorkehrungen für Passwörter, der sog. Schlüsselbund (keyring) mit verschlüsselter Speicherung  ist im System bereits integriert.
  • Linux startet von Haus aus keine zusätzlichen Services. Bei  Windows muss man solche mit einer Software-Firewall-Lösung wieder extra vor der Außenwelt abdichten.

Es wären auch unter Linux Viren, Trojaner und andere Schädlinge möglich. Aber sie haben es dort um einiges schwerer. Linux ist kompliziert zu bedienen? Stimmt schon lange nicht mehr.

Variante A
Linux statt XP installieren
. Für Normal-User in vielen Fällen ausreichend. Surfen, Mails, Briefe schreiben, Bilder anzeigen, Musik hören – alles mit Bordmitteln vorhanden.

Variante B
Linux parallel installieren.
Der geeignete Weg, wenn man das eine oder andere Windows-Programm fallweise weiter verwenden möchte, für welches es unter Linux keine Alternative gibt (und nicht sicher ist, ob es sich in einer virtualisierten Umgebung weiter betreiben lässt).

Da ich ein paar Windows-Programme verwende, die ich benötige oder auf die ich nicht verzichten möchte, zum Beispiel das CMS für meine private Homepage und ein paar spezielle Schachprogramme, entschied ich mich für Variante B. Im Normalbetrieb Linux zu nutzen und Windows XP nur mehr bei Bedarf unter Anwendung von zusätzlichen Vorsichtsmaßnahmen zu starten.

 

Was ist in so einem Fall zu tun?

  • Alle Daten sichern (Wirklich alle! Und dabei nicht auf Mails oder Browserfavoriten vergessen).
  • Wichtige Daten doppelt auf einer zweiten Festplatte sichern! Das sind alle jene Daten, deren Verlust bei Ihnen krampfartige Zustände oder verhaltensauffällige Reaktionen auslösen!
  • Ggf. Daten löschen und nicht mehr benötigte Programme entfernen, um Platz auf der Festplatte zu schaffen.
  • Ein neues Benutzerkonto anlegen, welches die Admin-Rechte erhält (mit einem unauffälligerem User-Namen als „Admin“). Programme werden ab nun nur mehr mit diesem Account installiert!
  • Den bestehenden User-Konten die Admin-Rechte wegnehmen, um das Risiko von ungewollten Programmausführungen zu verringern.
  • Festplatte defragmentieren – unbedingt notwendig, bevor Sie die Partitionierung verändern, um nicht ungewollt Daten zu verlieren!

 

Linux-Distribution auswählen

Das Komplizierteste daran ist, sich für eine Linux-Distribution zu entscheiden.  Es gibt jede Menge davon, alle mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen, in Kombination mit verschiedenen Oberflächen.

  • Ubuntu, die populärste Variante
  • Linux Mint, das auf Ubuntu aufbaut, mit Multimedia-Unterstützung und Feinschliff bei Desktop und Utilities
  • openSUSE, ein Klassiker im deutschsprachigen Raum
  • Bewährte Pakete von Debian oder Fedora, auch für Profis geeignet, die gerne an ihrem System feilen
  • Aus der gleichen Liga: centOS, das Red Hat vertraut
  • Mageia, der Senkrechtstarter der letzten Jahre, die aktuelle Weiterentwicklung von Mandriva
  • PCLinuxOS mit besonders breiter Hardware-Unterstützung
  • Windows-Like-Varianten wie Makulu oder Zorin OS
  • Beim Mac ausgeborgtes Design: Elementary OS oder Pinguy OS

Nicht zu vergessen die klassischen Desktops

  • GNOME oder KDE
  • XFCE für ältere Hardware
  • LXDE, sogar für Computer aus der Dinosaurier-Ära geeignet
  • MATE, auf GNOME 2 aufbauend, ressourcenschonend
  • CINNAMON, eine Abspaltung von GNOME 3, mit modernen Elementen
  • UNITY, der Ubuntu-Ansatz mit interessantem Konzept, wegen Amazon-Integration in Verruf geraten

Es gibt an die 300 Distributionen und ein paar besondere Ihrer Lieblinge werden in meiner kurzen Auswahlliste sicher fehlen. Wer sich einen Überblick verschaffen oder weitere Details nachlesen möchte, kommt an distrowatch.com nicht vorbei!

Mein Tipp, vertrauen Sie nicht einem Fachartikel oder dem Hinweis eines guten Freundes. Probieren Sie zuerst mittels einer Live-CD (DVD) aus, welches Paket Ihnen zusagt und auf Ihrer Hardware  läuft. Geschmäcker sind unterschiedlich und einen meiner persönlichen Favoriten legte ich zum Beispiel ad acta, als die probeweise Installation vorzeitig mit Fehlermeldung in der Konsole endete.

Nach einigen Tests entschied mich für Linux Mint mit Cinnamon als Desktop. Die Installation inklusive Neupartitionierung dauerte weniger als eine Stunde.

 

Ja, ich hatte kleine Schwierigkeiten

  • Die Installation hörte nicht ordnungsgemäß auf und ich musste sie nach Einhaltung einer respektvollen Wartezeit vorsätzlich beenden.
  • Die Entscheidung, welches Mail-Programm ich in Zukunft verwenden wollte und die gelungene Übernahme der Outlook-Dateien kostete mich etwas unnötige Zeit.
  • Beim Drucker musste ich die automatische Papiererkennung auf „Cassette“ umstellen, weil der Papiereinzug nur die hintere Lade verwendete.
  • Trotz installierter deutscher Sprachpakete waren die Menüs in einem Programm auf Englisch, was sich mittels Google und kopierter Befehlszeile im Terminal beheben ließ
  • Beim Start von Windows musste ich ein CHKDSK überstehen, um zu wissen, ob die Windows-Partition den Vorgang unbeschadet überstanden hatte.

Das war es aber auch schon. Als Ergebnis läuft das System nun schneller als vorher, ich brauche keinen Virenscanner, der mein System lahmlegt und die kurze Wartezeit beim Hochfahren bin ich gar nicht mehr gewohnt. Und falls doch noch Probleme auftauchen, kann ich immer noch eine andere Variante wählen. Meine Datensicherung ist wieder vollständig und aktuell.

Und falls Sie zufälligerweise auch noch Windows XP auf einem Ihrer Geräte laufen haben, wie schaut Ihr Plan dafür aus?

 

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