IT-Trainings / Software-Test

Lehren oder die Mission der leuchtenden Weihnachtsaugen

In den letzten fast 20 Jahren traf ich in meinen Projekten immer wieder auf Menschen, die noch nie irgendetwas über Testen und dessen Nutzen gehört hatten. Ungeachtet von Alter, Profession oder Rolle im Unternehmen. Diese Unkenntnis erhöht die Aufwände in Projekten. Die erste Initiative, dies zu ändern war meine Mitwirkung bei den ISTQB Trainings in der Rolle als Trainerin und auch Gutachterin für Schulungsunterlagen im Deutschen Testing Board und im Österreichischen Testing Board.

Vor ca. 5 Jahren hat mich dann der Missions-Gedanke gepackt. Wie wäre es denn, schon früh in der Ausbildung anzusetzen, und bereits Studenten den professionellen Test bzw. professionelles Requirements Engineering und die daraus resultierenden Möglichkeiten und Einsatzgebiete näher zu bringen? Mission ist ein spannender Begriff, der sowohl Aufgabe, als auch Lebenswerk, Pflicht, Engagement und auch als Berufung übersetzt werden kann. Stets ist in den Synonymen aber eine fast zwingende Begeisterung für das zugrunde liegende Thema enthalten.

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Der neue Ausbildungszweig

Gesagt getan, ich schrieb eine Fachhochschule an, die ähnliche Themen im Portfolio hatte, aber keinen entsprechenden Ausbildungszweig. Die Fachbereichsleitung konnte ich dann überzeugen, dass es eine gute Idee ist, nicht nur die Mitte des Softwareentwicklungsprozesses zu unterrichten, sondern auch die vorgelagerten (d.h. Requirement Engineering) und die nachgelagerten Phasen (Software Testing). Nun fehlten noch Co-Lektoren, da es 4 Gruppen zu unterrichten galt. Diese waren schnell über das Netzwerk gefunden. Die Vorlesung Requirements Engineering und Test als verpflichtende Lehrveranstaltung für die zukünftigen Projektmanager konnte für die Sommersemester starten.

Die neue Vorlesung war gut besucht. Inhaltlich spannte sich der Bogen vom Requirements Engineering inkl. Prozessmodellierung, dem Testprozess, über verschiedene Testarten und –Stufen, Testwerkzeuge bis zu einer gehörigen Anzahl von Testentwurfsmethoden sowohl für den White- als auch für den Black Box Test. Die Studenten mussten mit den wöchentlichen Hausübungen auch zeigen, wie die Umsetzung in die Praxis möglich ist und auch die jeweiligen Ergebnisse präsentieren. So konnten nicht nur die fachlichen Inhalte gefestigt werden, sondern auch das Moderations-Know-how, zu welchem ich individuell Feedback und Verbesserungsanregungen gab. Ebenso lud ich die Studenten ein, die ISTQB Certified Tester Zertifizierung im Anschluss an das Semester abzulegen.

 

Weihnachtsaugen

In meinen berufsbegleitenden Gruppen konnte ich die AHA-Effekte wieder erleben, die professionelles Testen erzeugt. Ich nenne es „die Weihnachtsaugen“, wenn auch in den ISTQB Foundation Level Kursen die Erkenntnis reift, was eine frühzeitige und professionelle Qualitätssicherung alles bewirken kann. Das aktive Engagement der Studentinnen und Studenten, sowie eine Vielzahl an Fragen zeigte mir, dass ich mit meiner Vorlesung ins Schwarze getroffen hatte. Es gibt noch viel Bedarf, anderen die Idee des strukturieren Testens zu vermitteln und auch die vielen Möglichkeiten, die sich aus professioneller Qualitätssicherung (und zwar von Anfang) ergeben. Die enormen Einsparungspotentiale aufzuzeigen und auch die strukturellen Möglichkeiten, die sich aus der genauen Betrachtung ergeben, sind für Unternehmen meist ungehobene Schätze.

Schon ein ausführlicher Testbericht ermöglicht es dem aufmerksamen Leser Rückschlüsse nicht nur über den Zustand des derzeitigen Testablaufes zu ziehen, sondern z.B. auch über die Organisationsstruktur in der Entwicklungsabteilung oder anderen Unternehmensbereichen. Es ist möglich, Ansatzpunkte zur Teamkultur und sowie den Ausbildungsständen der im Softwareentwicklungsprozess beteiligten Personen zu erkennen.

Die Erfahrung ermöglicht hier einen weitgehenden Mehrwert bei einer oft ungeliebten Aufgabe – dem genauen Studium des Testberichtes. Daher kann ich nur sagen, es lohnt sich, auch die letzten Seiten aufmerksam zu betrachten. Und ganz sicher ist, dass Ihr Testmanager sich darüber freuen wird.

 

Die Qualitätssicherung als Schlüsselrolle

Vor langer Zeit in einem großen, bereits ziemlich kritischen Projekt war einmal die Frage, wer überhaupt noch einen Überblick hätte. Und nicht von ungefähr herrschte die einhellige Meinung unter den Teamleitern – „die QS-Chefin“.

Qualitätssicherung spielt eine Schlüsselrolle in jedem Projekt. Oft unterschätzt und manchmal auch ungeliebt, aber nur die QS hat wirklich mit allen Bereichen sowohl technisch als auch inhaltlich zu tun. Weiters gibt die QS tiefe Einblicke in softwareseitige Prozesse und sonstige Arbeitsabläufe und kann ein Bild zu den Menschen entwerfen, welche sowohl im Projekt, als auch später mit der Software arbeiten sollen.

Welche Testfälle müssen zuerst und in welcher Testtiefe erstellt werden? Wie schaffe ich es, die richtigen Testfälle zu erstellen? Welche Systematiken kann ich zu Schätzungen anwenden? Welche organisatorischen Hebel gibt es für die Verbesserung der Produktqualität? Um nur einige  Beispiele zu nennen.

Mit diesem Wissen stattete ich meine Vorlesung aus. Über mehrere Jahre habe ich den Studenten möglichst tiefe Einblicke in die Vielfalt an Möglichkeiten gewährt, die das abwechslungsreiche und stets spannende Arbeitsumfeld des Testens bietet. Sollte mich jemand zum 20 Jährigen Test-Jubiläum fragen, was das Beständigste bei meiner Arbeit war, so kann es eigentlich nur eine Antwort geben: Der Wandel.

Die stets neuen Herausforderungen, die sich durch die einzelnen Projekte und ihre spezifischen Umfelder stellen. Die Kreativität, die man zu deren Bewältigung benötigt und die stets interessante Weiterentwicklung der Methoden und Möglichkeiten, die sich in der QS bieten.

Und so halte ich auch nicht nur meine Vorlesungen und Vorträge, sondern auch jeden test-relevanten Kurs, den meine Teilnehmer stets mit einer großen Portion Beispielen und Anschauungsmaterial verlassen. Ich lade Sie also herzlich ein, sich auch im Sommer einmal „Weihnachtsaugen“ zu bescheren.

 

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