Projektmanagement / Software-Entwicklung

Kopfstände … oder Kreativitätstechniken Teil 2

Nachdem ich letztes Mal eine Methode vorgestellt habe, die sich gut zur Anwendung in Gruppen eignet – siehe Bunte Hüte … oder Kreativitätstechniken Teil 1 –  möchte ich heute näher auf die Möglichkeit eingehen, auch beim Arbeiten alleine Kreativitätstechniken in der Analyse anzuwenden.

Snowman headstand

Vielleicht klingt dieser Ansatz für manche im ersten Moment etwas seltsam. Wozu soll es gut sein, sich mit verschiedenen Techniken zu beschäftigen, wenn man alleine vor dem PC sitzt und grübelt? Genügt es nicht, einfach über das bestehende Problem nachzudenken? Mit genug Zeit und ein bisschen Ruhe wird sich schon eine Lösung finden, oder nicht?

Selbstverständlich kann das genügen. Es gibt viele Menschen, die am kreativsten sind, wenn sie sich mit Stift, Zettel und Kaffee bewaffnen, an einen einsamen Ort zurückziehen und ein paar Stunden für sich alleine nachdenken können. Das gilt aber leider nicht für jeden und für mich ganz bestimmt nicht. Je intensiver ich versuche, auf Knopfdruck kreativ zu sein, desto weniger funktioniert es. Doch zum Glück kann man sich Hilfe in Form von unterschiedlichsten Techniken holen.

 

Was tun bei einem „Brett vor dem Kopf“?

Es gibt eine Methode, die ich mir manchmal zu Nutzen mache, wenn ich das Gefühl habe bei einem bestimmten Problem nicht mehr weiterzukommen und das sprichwörtliche „Brett vor dem Kopf“ zu haben. Die Methode hat mehrere Namen: „Kopfstandtechnik“, „Flip-Flop-Methode“ und „Problem-Umkehr“ sind nur einige davon. Sie ist eine Provokationstechnik, die ursprünglich von Edward de Bono entwickelt wurde und im Grunde darauf beruht, bestehende Annahmen in Frage zu stellen und somit neue Erkenntnisse zu liefern. Die Flip-Flop-Methode besteht im Wesentlichen aus vier Phasen.

  1. Umkehrung
  2. Ideen-Findung
  3. Auswertung
  4. Strategieerarbeitung

 

Phase 1: Die Umkehrung

Hier wird die Aufgabenstellung ins Gegenteil gekehrt. Anstatt sich also zu überlegen, wie man ein Problem lösen könnte, beginnt man damit sich über das Gegenteil Gedanken zu machen. Zum Beispiel wird die Fragestellung „Wie erreiche ich, dass möglichst viele Kunden meine Homepage besuchen“ abgewandelt zu „Wir erreiche ich, dass niemand meine Homepage besuchen möchte“. Man darf sich dabei nicht von der Tatsache abschrecken lassen, dass diese neu formulierte Frage mitunter provokant klingen kann und vom zu lösenden Problem wegzuführen scheint, denn genau das ist der Sinn der Sache!

Phase 2: Die Ideenfindung

Hat man die zu beantwortende Frage oder das zu lösende Problem festgelegt, folgt die Phase der Ideen-Findung. Dabei wird versucht, die zuvor formulierte Frage zu beantworten, also das „auf den Kopf gestellte Problem“ zu lösen. Antworten auf die Frage, wie man möglichst auch noch den letzten Homepage-Besucher vergraulen kann, könnten zum Beispiel sein „ein furchtbares Layout gestalten“, „eine unlesbare Schrift wählen“ oder „die Homepage niemals updaten“. Es ist also durchaus erlaubt, destruktiv und zynisch zu sein. In dieser Phase offenbart sich der Sinn bzw. der Vorteil, den die Methode der Umkehrung bietet. Sie macht sich die Tatsache zu Nutze, dass die meisten Menschen negative Dinge schneller erkennen als positive. Es fällt uns leichter, Nachteile einer bestimmten Sache zu entdecken als die Vorzüge von etwas herauszustreichen.

Phase 3: Die Auswertung

Hat man genug Ideen gesammelt, kann man in Phase 3 die Auswertung der gesammelten Ideen in Angriff nehmen. Dabei werden die zur negativen Aufgabenstellung gefundenen Antworten ins Gegenteil gekehrt und dann auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft. Bezogen auf das Beispiel mit der Homepage wäre zu „die Homepage niemals updaten“ eine mögliche Umkehrung „die Homepage möglichst oft updaten“. Nun muss man sich noch überlegen, ob das ein Vorschlag ist, den man für gut hält und der einen tatsächlich dem Ziel näher bringen kann.

Phase 4: Die Erarbeitung einer Strategie

Sobald man die Auswertung (Phase 3) für alle in Phase 2 erarbeiteten Ideen erledigt hat, folgt die vierte und letzte Phase – die Erarbeitung einer Strategie, mittels derer man zur Umsetzung der gefundenen Ideen gelangen kann.

 

Auch wenn es mitunter ein bisschen kurios wirken mag, sich über das Gegenteil von dem, was man eigentlich erreichen will, Gedanken zu machen, empfehle ich, die Methode einfach einmal selbst auszuprobieren. Man kommt dabei tatsächlich auf interessante und nützliche Ideen und außerdem macht es Spaß 🙂

Es gibt natürlich mehrere Möglichkeiten, wie man die Flip-Flop-Methode anwenden kann, es muss nicht immer nur alleine mit Zettel und Stift sein. Sie eignet sich auch gut zur Anwendung in der Gruppe, doch sollte man in diesem Fall, wie bei den meisten für Gruppen geeigneten Techniken, darauf achten, dass ein geeigneter Moderator die Phase der Ideenfindung leitet.

 

Passende Artikel

Kommentare gesperrt.