Projektmanagement / Software-Entwicklung

Bunte Hüte … oder Kreativitätstechniken Teil 1

Eine Hauptaufgabe eines Business Analysten ist es, Wünsche des Kunden zu erkennen und dafür zu sorgen, dass sie umgesetzt werden. Das klingt einfach. Schließlich könnte man ja auf den Kunden zugehen und sagen „Was hättest du denn gerne? Schreib mir bitte eine Wunschliste“ und danach alles auf dieser Liste Punkt für Punkt abarbeiten und schon ist die Sache erledigt! Dass es leider nicht ganz so einfach ist, wird jeder, der schon einmal etwas mit Requirements Engineering zu tun hatte, bestätigen können. Nicht umsonst gibt es eine breite Palette an Literatur, die sich mit der Frage beschäftigt wie man Anforderungen am besten ermittelt. Eine von zahlreichen verschiedenen Methoden ist das Anwenden einer Kreativitätstechnik. Das klingt spannend, doch was ist eine Kreativitätstechnik überhaupt? Und wie funktioniert sie?

thinkinghats_Kreativitätstechniken

 

Denkstrukturen aufbrechen, aber wie?

Befragt man Wikipedia zur Definition des Wortes „Kreativitätstechnik“, so erhält man die Antwort, dass eine Kreativitätstechnik eine „Methode zur Förderung von Kreativität und gezieltem Erzeugen neuer Ideen, um Visionen zu entwickeln oder Probleme zu lösen“ ist. Das klingt sehr hochtrabend und ich habe bei dieser Beschreibung, vor allem bei dem Wort „Visionen“, eigentlich sofort im Kopf, dass man darauf abzielt die großen Probleme der Menschheit zu lösen oder bahnbrechende neue Entdeckungen zu machen. Keine Sorge, ganz so groß müssen unsere Ambitionen nicht sein. Auch für kleinere Alltagsprobleme, wie zum Beispiel Kunden Wünsche und Vorstellungen zu entlocken oder gemeinsam Lösungen für ein Problem zu suchen, eignet sich die Anwendung von Kreativitätstechniken. Durch diese können festgefahrene Denkstrukturen aufgebrochen oder alte Themen anders betrachtet werden, wodurch man mitunter schneller zum Ziel kommen und bessere Ergebnisse erzielen kann.

 

Techniken und „Bunte Hüte“

Es gibt heute einige Techniken, die weit verbreitet sind und die wahrscheinlich jeder von uns schon einmal angewendet hat. Darunter fallen zum Beispiel Brainstorming und Mind-Mapping, oder auch kreatives Schreiben. Abseits dieser recht berühmten Methoden gibt es aber auch einige weniger bekannte, die sich sehr gut zum Lösen von Problemen, zum Finden von Ideen oder zum Identifizieren von Vorstellungen und Wünschen eignen.

Eine für Gruppen geeignete Methode, die mich fasziniert, ist die Methode der „Six thinking hats“ (ins Deutsche übersetzt als „Denkhüte“). Diese Technik wurde 1986 von Edward de Bono, einem maltesischen Arzt und Kognitionswissenschaftler, vorgestellt und macht sich die Tatsache zu Nutze, dass man Probleme am besten aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und analysiert. Sie funktioniert folgendermaßen:

Denkhüte

 

Es gibt 6 verschiedene „Hüte“, wobei jeder eine bestimmte Farbe hat und weiters eine bestimmte Eigenschaft beziehungsweise Art zu Denken symbolisiert:

Weiß: konzentriert sich auf die Fakten und auf das zu erreichende Ziel

Rot: intuitiv, emotional, äußert Gefühle und Meinungen, lässt die sachliche Ebene außer Acht

Schwarz: denkt kritisch, berücksichtigt möglicherweise auftretende Schwierigkeiten, behält das Worst-Case-Scenario im Blickfeld

Gelb: optimistisch, geht vom bestmöglichen Szenario aus

Grün: kreativ, innovativ, darf auch mit revolutionären Ideen provozieren

Blau: zielorientiert, geordnet, behält den Überblick

 

Jedem Diskussionsteilnehmer wird nun eine dieser Farben zugeordnet, wobei bei größeren Gruppen natürlich auch die Möglichkeit besteht, Farben öfters zu vergeben. Dann werden die Teilnehmer aufgefordert, dem gestellten Problem bzw der Ausgangssituation entsprechend ihre Gedanken zu äußern, wobei sie jeweils darauf achten müssen, den ihnen zugeordneten Eigenschaften gerecht zu werden. Je nach Beschaffenheit der Gruppe kann es sinnvoll sein einen Moderater hinzuziehen, um die Diskussion in geordnete Bahnen zu lenken. Der Nutzen, den diese Methode mit sich bringt, ist, dass durch das Zuordnen unterschiedlicher Rollen und Eigenschaften sichergestellt wird, dass ein Problem oder eine Anforderung aus möglichst vielen Richtungen betrachtet wird. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass keine wichtigen Punkte außer acht gelassen werden.

 

Variationsmöglichkeiten

Ich mag diese Methode sehr gerne, weil sie viele verschiedene Möglichkeiten abseits der oben beschriebenen Standard-Ausführung bietet. Zum Beispiel lässt sie sich leicht abwandeln und in die tägliche Arbeit integrieren, ohne dass man den beteiligten Personen überhaupt verraten muss, dass man eine Kreativitätstechnik anwendet. Unter anderem kann man eine sehr skeptische Person auffordern, für ein paar Minuten nur positiv zu denken oder einen Optimisten bitten, sich für einen Kaffee lang nur auf die Fakten zu konzentrieren. Eine weitere Abwandlung der Hüte-Technik besteht darin, Sessel aufzustellen und jedem Sessel eine Eigenschaft zuzuordnen, die derjenige, der gerade darauf sitzt, dann darstellen muss. Es gibt noch zahlreiche weitere Möglichkeiten und es ist durchaus erlaubt, auch beim Abwandeln einer Kreativitätstechnik kreativ zu sein! Es lohnt sich sicher, mitunter ergeben sich schon durch einen kurzen Perspektiven-Wechsel brauchbare neue Ideen.

 

Warum sich Kreativitätstechniken nicht nur für Gruppen eignen, sondern auch für die Arbeit alleine sinnvoll sein können und die Vorstellung meiner Lieblings-Solo-Technik gibt es dann nächstes Mal …

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