Cloud Computing

Im Gespräch: „Cloud Computing – Fluch oder Segen“

Am 5.10. 2016 findet der nächste Quality Leadership Circle in Wien statt. Das Thema der dritten Veranstaltung in diesem Jahr lautet „Cloud Computing – Fluch oder Segen?“. Horst Bratfisch, Leiter Anwendungsentwicklung der Österreichischen Post AG, beleuchtet in einem Impulsvortrag die gewonnen Erfahrungswerte im Zuge der Einführung  von „Cloud Computing“ im Unternehmen. Vorab trafen sich Horst Bratfisch und Wolfgang Fröhlich, Mitglied der ANECON Geschäftsleitung, zu einem Gespräch, rund um die Diskussion Pro und Contra Cloud und die damit verbundenen Organisationsaspekte.

Wolfgang FröhlichDSC_1939_kl: Zweifellos zählt Cloud Computing zu den gegenwärtigen Motoren der IT, wenn es um digitale Transformation und neue Geschäftsmodelle geht. Der Facettenreichtum des Themas birgt vielleicht gerade deshalb ein sehr großes Potential. Diese Einschätzung wird von Analysten geteilt, die  für Cloud Computing ein weiterhin ungebremstes Marktwachstum prognostizieren. Faktoren sind etwa dies steigende Relevanz von Cloud-Transformationen, wo Unternehmen versuchen Innovationskraft und Agilität aus neuen Sourcing Optionen zu ziehen sowie das Entstehen von Hybrid-Clouds, da die Grenzenzwischen Public & Private Cloud Modellen verschwimmen. Wie ist Ihr Blick, auf Marktpotential, die allgemeine Entwicklung von Cloud Computing und die technischen Möglichkeiten?

Horst Bratfisch: Cloud Computing ist kein Hype mehr, sondern längst Realität und definitiv bei den Unternehmen angekommen. Die Cloud bleibt meiner Ansicht nach das bestimmende IT Thema der nächsten Jahre. Vor allem in Hinblick auf Software Services aus Clouds wie MS Azure, AWS oder der Google Cloud, kann man am technologischen Vorsprung mitpartizipieren. Gleichzeitig merkt man eine hohe Dynamik auf Seiten der Cloud Provider. So gibt es viele Änderungen, neue Services entstehen während andere wieder vom Markt verschwinden. Die Produkte werden ständig weiterentwickelt und wenn Features nicht erfolgreich sind, werden sie einfach wieder abgedreht. Das bedarf kundenseitig eines Umdenkens. Diese Dynamik ist zu akzeptieren, um die Vorzüge zu erkennen und daraus einen Vorteil zu ziehen. Ein zentraler Nutzen ist sicherlich, dass manche Services heute einfach zugänglich und nutzbar sind, während es früher eine Ewigkeit gebraucht hätte, sie selbst umzusetzen.

W. Fröhlich: Was bedeuten diese Entwicklungen im speziellen für die Österreichische Post AG? Wo sehen Sie die größten Nutzenpotentiale?

H. Bratfisch: Aus mehreren Gründen war und ist es für die Post notwendig, den Schritt in die Cloud zu gehen. So werden etwa zukünftig viele Softwarehersteller nicht mehr auf on-premise-Kundenwünsche eingehen. Vor allem in den Bereichen Internet of Things (IoT) und Advanced Analystics (Big Data) ermöglicht die Cloud Innovationen, die mit klassischen Ansätzen sehr aufwendig wären und viel Zeit in Anspruch nehmen würden.

Weiters stellt sich in der Softwareentwicklung erstmalig ein zusätzlicher Grad von Standardisierung ein, wie etwa Mobile Services, das IoT Service oder das Core Framework der MS Azure Cloud. Dies hilft uns, Applikationen einfacher zu entwickeln und zu nutzen. So liegt unser Fokus auf Business relevantem Nutzen und der Nutzung von Services, da mit IT-Infrastrukturleistungen, wie IaaS-Diensten wenig Mehrwert generiert wird.

 W. Fröhlich: Für wie wichtig erachten Sie Cloud Computing im Kontext der Digitalisierung? Ist Cloud Computing einer von vielen Trends im großen Teich der Digitalisierung oder ein unerlässlicher Teil auf dem die Digitalisierung und zukünftige Lösungen aufbauen?

H. Bratfisch: Für die Post ist Cloud Computing der zentrale Enabler der digitalen Transformation. Wir sehen, dass es mit Cloud Computing möglich ist, in sehr hoher Geschwindigkeit modernste Technologie ins Unternehmen zu bringen, ohne sich mit herkömmlichen Aufgabenstellungen großer IT-Projekte beschäftigen zu müssen. Beispielsweise erhalte ich mit Office 365 oder dem CRM System Dynamics online gute, plattformunabhängige, mobile Lösungen und werde immer automatisch mit den neuesten Versionen und Features versorgt. Dies brachte uns auch im Kontext mobiler, personalisierte und digitaler Arbeitsplätze einen großen Mehrwert.

W. Fröhlich: Der Gang in die Cloud ist für viele Unternehmen noch kein Selbstläufer. Prediger und Kritiker stehen sich gegenüber, insbesondere was das Thema Sicherheit betrifft. Wozu zählen Sie sich? Sind Sie eher Prediger oder Kritiker? Und wie gehen Sie mit der Vielzahl an Bedenken um, die immer noch gegenüber Cloud Computing existieren?

H. Bratfisch: Ich zähle mich sicherlich zu den pragmatischen Predigern. Seit Beginn verfolge ich das Thema intensiv und habe dazu mehrere Artikel verfasst. Nicht alleine, weil mich das Thema an sich interessiert. Vielmehr ist es der Paradigmenwechsel, in dem sich die IT durch die Cloud befindet. Ich vergleiche es zum Beispiel mit dem Wechsel vom Mainfraime-Rechner zum Client-Server Computing. Klar ist, dass die Bedenken gegenüber dieser neuen Technologie zu diskutieren sind. Ich glaube jedoch, dass viele Diskussionen nicht auf dem aktuellsten Stand der Technik geführt werden. Dies ist etwa in der Diskussion rund um das Thema Sicherheit in der Cloud erkennbar. Ich bin davon überzeugt, dass die Security in der Cloud höhere Sicherheitsstandards erfüllen kann, als sie viele Unternehmen mit ihren on-premise-Lösungen erreichen. Medial wird oft zu Unrecht polarisiert.
Wer, wenn nicht wir „IT-ler“ sollten sich neuen Herausforderungen stellen, sich mit modernsten Technologien beschäftigen und damit Fortschritt ermöglichen und erzielen? Solange auf alte Paradigmen, wie eigene Hardware oder eigene Rechenzentren gepocht wird, kommt der Technologiefortschritt zu kurz.

W. Fröhlich: Die ersten Erfahrungen sind gemacht. Wenn Sie zurückblicken, wo waren aus Ihrer Sicht die kritischen Momente der Umsetzung? Was hat wider Erwarten wunderbar funktioniert?

H. Bratfisch: Kritisch waren zu Beginn sicherlich, die größten Herausforderungen im Unternehmen, wie Security, Commitment im Top Management, also auch diverse Sorgen und Ängste zu adressieren. Viele Unternehmen schaffen diese Hürde nicht, da die Bedenken Überhand gewinnen. Ebenso wichtig war es, sich bereits beim Start die notwendige Expertise ins Unternehmen zu holen und nicht davor zu scheuen, externe Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Gerade zu Beginn, also der Phase, in der die meisten Fehler gemacht werden, ist eine begleitende Expertise wichtig.

Wir hatten hier definitiv eine Lernkurve zu durchlaufen. Ein weiterer, kritischer Punkt ist aus meiner Sicht der Aufbau eines Ökosystems rund um die Cloud. Damit meine ich etwa die entsprechende Weiterentwicklung der Organisation, den Aufbau und die Nutzung von Cloud Services. Dies bedeutet einen großen Wandel und braucht Zeit.

Zu unserer Freude, hat in der Gesamtbetrachtung der Schritt in die Cloud besser funktioniert als erwartet. Er bringt uns viele Erleichterungen und Mehrwert, wie etwa Skalierbarkeit, Erweiterbarkeit, die wir vorher nicht hatten. Mich freut besonders, dass ich immer wieder aufs Neue positiv überrascht werde, wenn zusätzliche Features bei den von uns genutzten Cloud Services bereitgestellt werden, ohne dass unser Unternehmen hierfür Aufwände investieren musste. Dies fördert eine positive Stimmung in meiner Mannschaft und im gesamten Unternehmen. Sei es durch neue Office 365 Funktionalität oder Erweiterungen im TFS Online für Softwareentwickler.

W. Fröhlich: Welche zentralen Elemente sind aus Ihrer Sicht für eine erfolgreiche Einführung des Cloud Computing in Unternehmen und bestehenden IT-Strukturen zu beachten?

H. Bratfisch: Wie bei jedem Change Vorhaben sind die zentralen Punkte: Kommunikation, Ziele festlegen, Transparenz schaffen, Bedenken sowie Ängste ernst nehmen und konstruktiv damit umgehen, Verständnis aufbringen, wenn etwas nicht gut funktioniert und immer wieder inne halten und darauf achten, was bereits Positives erreicht wurde. So kann man besser mit Fehlern umgehen und Hürden überwinden.

Bei mir im Speziellen hat am meisten geholfen, die IT-Herzen meines Teams zu adressieren. Jeden – der in seinem Innersten ein IT Techniker ist – wird das Thema Cloud ansprechen, da sich viele und neue Möglichkeiten ergeben. Diese Mitarbeiter sind die Fans. Sie laufen mit gehisster der Fahne voraus, sind Meinungsbildner und ziehen andere mit sich. Das bei uns erreicht zu haben, darauf bin ich stolz.

Gleichzeitig gilt es, Kritiker zu zulassen und einen entsprechenden Stellenwert zu geben, sie immer wieder einzubinden und zu überzeugen. Ich möchte jetzt allerdings noch nicht zu viel verraten. Mehr dazu in meinem Impulsvortrag.

W. Fröhlich: Der kommende Quality Leadership Circle am 5. Oktober 2016 zum Thema „Cloud Computing – Fluch oder Segen?“ bringt somit spannenden Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch! Die Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Was können die Teilnehmer von Ihrem Impulsvortrag erwarten?

H. Bratfisch: Was sich die Teilnehmer des QLC erwarten können ist einfach gesagt: Eine teils provokante Auseinandersetzung mit Cloud Computing inklusive Augenzwinkern. Meine Empfehlung lautet: Vergessen Sie Ihr Rechenzentrum und nutzen Sie Cloud Services! Und ich weiß, wovon ich rede. Ich habe zehn Jahre lang eine große Infrastructure und Datacenter Operation verantwortet. Für mich wird die Veranstaltung dann ein Erfolg sein, wenn ich den einen oder anderen Teilnehmer zum Nachdenken anregen konnte.

W. Fröhlich: Herr Bratfisch, vielen Dank für das Gespräch!

 

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