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Digitalisierung ist das Ende des Massendenkens! – Dietmar Dahmen im Gespräch

Dietmar Dahmen, Zukunftsexperte und hoch motivierender Visionär, ist Keynotespeaker bei unserem nächsten Expertenfrühstück am 18. April 2018, wo er uns mitnimmt auf eine Reise durch das Themenuniversum „Wandel, Innovation und Zukunft in 20 Jahren“. Vorab trafen wir ihn zu einem inspirierenden Interview – darüber was Digitalisierung mit Grundbedürfnissen zu tun hat, warum Flexibilität der einzige Überlebens-Garant für Unternehmen ist und warum man den Sprung in die neue Technik wagen soll, trotz Nachteile von Digitalisierung. Gleich nach dem Interview reiste er wieder zurück in die Zukunft und schickte eine Botschaft aus dem Jahr 2038 – sehen und hören Sie selbst:

 

Herr Dahmen, Sie haben uns eine Nachricht aus dem Jahr 2038 geschickt, die uns natürlich alle extrem neugierig macht. Verraten Sie uns doch, wie lebt und arbeitet es sich in 20 Jahren?

Erst erfinden wir eine neue Technologie, dann erfindet uns diese Technologie neu. Die Erfindung der Dampfmaschine, brachte uns große zentrale Fabriken in denen Massenwaren produziert wurden. Diese wurden in Massenmedien beworben, und in Massengeschäften (Supermärkte, Kaufhäuser) verkauft. Menschen begannen in Massen zusammen zu leben (Hochhäuser), Kinder wurden massenweise ausgebildet (Schulpflicht) um mit gleichförmigem Massenwissen in der Welt der Massenjobs zu funktionieren: standardisierte Ausbildung (wenn ein Mechaniker krank ist, kann der andere den Job 1:1 erledigen), Normen, GLEICHHEIT war für Massen-Ökonomie extrem wichtig. Nur so konnten genügend GLEICHE Produkte, für im Idealfall GLEICHE Bedürfnisse (die in Massenmedien geformt werden) einer GLEICHEN Kundschaft geschaffen werden. ALLE sollen ein AUTO wollen. ALLE mit 4 Türen. ALLE sollen damit nach XYZ in Urlaub fahren!

Digitalisierung ist das ENDE DES MASSENDENKENS! Digitale Produktion (3-D Druck) braucht keine Massenfabrik … es kann dezentral produziert werden. Digitale Medien sind keine Massenmedien – Ihr Facebook, Youtube, Google ist anders als meines.  Alles passt sich an MEINE Bedürfnisse an. JETZT will ich ein Auto … jetzt nicht (Car-sharing). JETZT will ich auf Matterhorn … jetzt tauchen (Virtual Reality). JETZT will ich … egal was  … BAMM! …. digital ist es schon da!

Menschen brauchen nicht einmal mehr in Städten zu wohnen um die Vorteile von „Connectivity“ zu nutzen. Der Austausch von Erfahrung, Wissen, Innovation findet digital auf Plattformen statt. Digitales Lernen erlaubt „individuelles“ Lernen. Der BESONDERE Mitarbeiter ist wertvoller als der STANDARDISIERTE.

Die Digitalisierung stellt das INDIVIDUUM in die Mitte! Alles ist INDIVIDUELL einstellbar, veränderbar. Das Produkt passt sich an den Menschen an (du willst dein Gesicht als Hintergrund am HandyScreen? – BAMM! …. digital ist es schon da!) – und nicht der Mensch an das Produkt (das Auto haben wir nur in schwarz – wenn du es nicht willst – kauf es nicht).

Die Massenökonomie lebte von ANPASSUNG. Kunden müssen sich an Produkt-Normen anpassen (den Kühlschrank gibt es nur in 60cm), an Öffnungszeiten (sorry, wir schließen), an Orte (Du kommst zu uns in den Laden, ins Büro, in die Fabrik).

Die INDIVIDUAL-ÖKONOMIE dreht das um. Der KUNDE treibt, das Unternehmen passt sich dem Kunden an. Produkte gibt es in immer mehr Variationen, Läden sind 24/7 offen, Arbeit kommt zu mir, statt ich zur Arbeit (Homeoffice ist normal geworden – manche Unternehmen arbeiten ganz ohne festes Office).

Die Massen-Ökonomie lebte von der KNAPPHEIT: Es wird gegessen was auf den Tisch kommt! Wenn Du das Produkt, den Job, den Service willst … nimm es so wie es ist … oder hab Hunger!

Die DIGITAL-Ökonomie lebt von ÜBERFLUSS … ich mag das nicht … ich will es anders. Wenn Du willst das ich es kaufe – passe dich an mich an! Wer nicht für den Kunden da ist – verliert den Kunden. DIE MACHT IST BEIM KUNDEN!

 

Der Mensch der Massen-ökonomie diente dem Unternehmen.
Die Unternehmen der Digital-Ökonomie dienen dem Menschen.
Der Mensch wird wichtiger, individueller.
Die Arbeit beginnt wann ich will, wo ich will, ob ich will.
Wer keine Lust auf Arbeit hat – lebt von der Basisrente.
Wer keine Lust auf Stadt hat – lebt (bei voller Connectivity) auf einem Boot.
Wer keine Lust auf Massenwaren hat – kauft (bei voller Preis- und Qualitätsgleichheit) das individuell gefertigte Produkt!

 

Blockchain, IoT, diverse Realitätsformen wie augmented, assisted oder virtual, ChatBot, Artificial Intelligence, Machine Learning, Natural Language Processing: Alles nur Buzzwords oder sind diese Services und Technologien der Schlüssel in die Welt der Zukunft?

All diese Dinge sind Auswirkungen der Digitalen Transformation. Die Basis-Technologie ist bei all den genannten Dingen immer dieselbe: es ist immer die Digitalisierung! Und damit haben alle einen super Vorteil: Sie erlauben immer INDIVIDUALISIERUNG, VARIABILITÄT, DEZENTRALISIERUNG, UNTERSCHIEDLICHKEIT! Sie bedeuten im Gegenzug immer das ENDE des GLEICHEN, FESTEN, ZENTRALEN, GENORMTEN. Zentrale Gleichheit fällt weg. Dezentrale Individualisierung kommt. Und zwar bei allen, oben genannten Punkten:

Blockchain ist der WEGFALL der ZENTRALEN EXPERTEN. Blockchain=digital=dezentral= individuell: von smart contracts (individuelle „wenn .. . dann …Verträge“) bis zum Tracken eines individuellen Diamanten, oder einer individuellen Flasche Wein in der Blockchain. Das Wissen wird dezentral aufbewahrt. Der zentrale Experte (ja..dieser Diamant ist echt) entfällt. Diesen Wegfall der ZENTRALISIERUNG sehen wir überall:

ZENTRALE STEUERUNG (IoT=digital=dezentral= individuelle Steuerung),
ZENTRALE REALITÄT (A.R.=digital=dezentral=individuelle Realität),
ZENTRALE KOMMUNIKATION (Chatbot=digital=dezentral= individuelle Kommunikation)

Die DEZENTRALISIERUNG und INDIVIDUALISIERUNG gewinnt volle Breite.

Warum nehmen wir all das so schnell an? – Weil es für den Kunden bequem ist! Anstatt ich zum Experten muss, nur um etwas zu beweisen, kommt der Beweis (in Form der Blockchain) zu mir! Anstatt ich mich an das System anpassen muss, passt das System sich an mich an. Aus Sicht des KUNDEN: VIEL BESSER!!! Oder anders:

 

Keiner hatte jemals wirklich Lust auf Zentralisierung und Massen-denken. Es war ein „notwendiges“ Übel, dass die damalige Technik eben mit sich brachte. Der Vorteil, den man sich durch Anpassung an die Industrielle Transformation erkaufte, waren technisch hochwertige Produkte zu einem erschwinglichen Preis. Diesen Vorteil gibt es heute AUCH DANN, WENN SICH DER ANBIETER AN MICH ANPASST – und nicht ich mich an ihn.

 

Woran kann man erkennen, dass keiner Lust auf Massenwaren hatte?  – Daran, dass jeder nur so viel hatte; WIE EBEN NÖTIG! Wir MUSSTEN ein Telefon haben, … also kaufen wir EINES, stellen es in die Mitte der Wohnung – ALLE können es nutzen. Es gab EIN TELEFON für 4 Personen im Haushalt, 6 Personen in der WG 14 Studenten im Wohnheim. Das Telefon wurde SO SELTEN AUSGETAUSCHT, WIE NUR IRGEND MÖGLICH! Warum auch … die Telefone waren Massenfertigung und somit eh alle gleich!

Heute…. VOLL ANDERS! Wie viele Connected Devices sind in Ihrem Haushalt? …Wie alt ist Ihr Handy… Ihr Computer…? Ihr Auto…? Wir WOLLEN das neue … weil es SPASS MACHT … weil es NEU ist … weil es ANDERS aussieht! Sie BRAUCHTEN das neue Handy (Computer, Auto) NICHT! …. sie WOLLTEN es!

 

Was wird sich ihrer Meinung nach durchsetzen, was wird untergehen?

Die genannten Technologien sind also unterschiedliche Auswirkungen des immer gleichen GRUND-VORTEILS: Individualisierung! Individualisierung gewinnt … Massendenken verliert! Der TREIBER ist also das BEDÜRFNIS des Menschen (nach Individualisierung, Anerkennung Maslow … eben). Die TECHNIK ist die BEFRIEDIGUNG dieser Grundbedürfnisse. Das BEDÜRFNIS bleibt … die TECHNIK das Bedürfnis zu erfüllen ÄNDERT SICH!

 

Wir haben das BEDÜRFNIS nach Mobilität.
Früher sind wir gelaufen.
Dann geritten.
Dann Kutsche.
Dann Auto.
Jetzt ggf. Uber und bald ggf. Drohne oder Hyperlink.
DAS BEDÜRFNIS ist konstant.
WANDEL UND INNOVATION bezieht sich auf die TECHNIK.

 

DER TRICK: Die Unternehmen müssen rauskriegen, welches GRUNDBEDÜRFNIS sie befriedigen. Die Auto-Industrie befriedigt das Grundbedürfnis: MOBILITÄT! Deshalb betreibt Daimler und BMW mit Drive now und Car to go Carsharing … sogar mit Verbindung zur Bahn, Flugzeug etc. … aus AUTO (technische Lösung) wird MOBILITÄT (Befriedigung eines Grundbedürfnisses). Dieses Bedürfnis hat immer der Mensch. Menschen haben Bedürfnisse – Produkte nicht!

Transportunternehmen für Güter erfüllen also nicht das Grundbedürfnis nach „Mobilität“. Der Stuhl, den mir das Transportunternehmen bringt, will nicht reisen. Der Stuhl hat kein Bedürfnis. Der Mensch hat das Bedürfnis: ich will einen Stuhl! Der Job des Transportunternehmens ist es das Bedürfnis des Menschen zu befriedigen, also dafür zu sorgen, dass ich einen Stuhl habe. Ob der Stuhl im Zug, Schiff, Bahn oder LKW transportiert wird ist mir egal! Er kann auch gerne in meinem Garten 3-D gedruckt werden. Hauptsache der Stuhl ist da.

Transportunternehmen und 3-D Drucker erfüllen also das gleiche Grundbedürfnis! Transportunternehmen müssen sich also auch mit 3-D Druck beschäftigen! Zumindest dann sagen sie: MEIN UNTERNEHMENSZIEL ist es, das Menschen Objekte die sie brauchen bekommen. (Und nicht: MEIN UNTERNEHMENSZIEL ist es, mit einem LKW auf der Straße herumzufahren).

 

Welches Bedürfnis erfüllt ein Kühlschrank?  – Das ich JETZT einen frischen Jogurt essen kann.
Was wenn der NICHT im Kühlschrank ist, sondern mir in 5 min per Drone geliefert wird.  – Noch besser…. dann habe ich mehr Auswahl!

 

Worauf sollten Unternehmen setzen, um auch in 20 Jahren noch erfolgreich am Markt zu sein? Gibt es Branchen, die sich Ihrer Meinung nach stark verändern werden?

Unternehmen müssen erkennen welches GRUNDBEDÜRFNIS sie erfüllen! Wenn sie eine Technik sehen, die dasselbe Grundbedürfnis schneller, einfacher, individueller, energiesparender, besser für den Planeten umsetzt: WAGEN SIE DEN SPRUNG ZUR NEUEN TECHNIK!
Nur so bleiben Sie am Markt! In Englisch nennt man das MISSION DRIVEN!

 

Wenn Sie vor 100 Jahren Kerzenhersteller waren und die Glühbirne kommt, haben sie zwei Möglichkeit darauf zu reagieren. CRAFT DRIVEN: ich kann Kerzen, die Glühbirne ist besser, Glühbirne kann ich aber nicht… ich springe aus dem Fenster! Oder MISSION DRIVEN: Ich verkaufe Licht, die Glühbirne ist besser, ich lerne alles über Glühbirnen (oder stelle Leute ein, die sich damit auskennen) und verkaufe MEHR LICHT als jemals zuvor!

 

Jeder Branche, die noch nicht individuell und dezentral arbeitet kann leichter angegriffen werden, als Branchen die das bereits tun. Warum die Branchen, die das bereits tun, besser für die Zukunft gewappnet sind?  – Weil sie bereits jetzt FLEXIBILITÄT in ihrem Kern haben. Sie haben schon jetzt gelernt sich an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen. In einer VOLATILEN WELT ist FLEXIBILITÄT der EINZIGE ÜBERLEBENS-GARANT!

 

“Es scheint, dass wir die Grenzen dessen erreicht haben, was mit Computertechnologie möglich ist.”, sagte der Mathematiker und einer der Väter der IT John v. Neumann im Jahre 1949. Ein kleiner Irrtum … Welchen Irrtümern unterliegen wir heute, nur weil wir die Möglichkeiten der Zukunft noch gar nicht fassen können?

Das GRUNDBEDÜRFNIS nach Individualisierung, Anerkennung, Selbstverwirklichung etc. ist ja KONSTANT! Die TECHNIK (erst Dampfmaschine, dann Digital) ist ja immer nur HILFSMITTEL das GRUNDBEDÜRFNIS zu erfüllen. Die Digitalisierung kann das recht gut – viel besser als die analoge Massenfertigung. ABER: Auch Digitalisierung hat ALS TECHNOLOGIE Nachteile.

Besonders drei Nachteile:

  1. Sie hat nur 0 und 1.
  2. Sie basiert auf INFORMATION.
  3. Sie erfüllt GRUNDBEDÜRFNISSE eines BIOLOGISCHEN Wesens (dem Mensch) durch den UMWEG Technik.

Schauen wir uns das genauer an:

Erstens: 0 und 1
Bits sind nicht schlecht … aber Qbits sind oft besser. Quantum Computing wird in den nächsten 20 Jahren VÖLLIG neue Wege finden GRUNDBEDÜRFNISSE zu befriedigen. Oft eben auf Wegen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können!

Zweitens: Information
Privatsphäre ist zwar kulturell bedingt (vor 100 Jahren hatte kaum jemand ein eigenes Zimmer. Toiletten waren im Flur. Gewaschen hat man sich in der Küche). Es kann also sein, dass wir den PRIVATS-SPÄHRE BEGRIFF völlig ändern und uns einfach daran gewöhnen, dass wir digital total ÜBERWACHT sind. Ich glaube aber eher, dass nicht wir uns an die PRIVATS-SPÄHRE-DEFINITION der Technik anpassen, sondern das sich TECHNIK an UNSERE PRIVATS-PHÄRE-GRUNDBEDÜRFNISSE anpasst. Auch hier ist Quantum Computing super – weil Daten zum Beispiel nicht „abhörbar“ sind.

Drittens: Biologie
Technik ist technisch … Menschen sind aber BIOLOGISCH! Die technischen Lösungen sind immer nur HILFSMITTEL. Eine Prothese (technische Lösung) hilft uns zu gehen, wenn wir nur ein Bein haben. Ein neues biologisches Bein wäre aber besser, direkter, Heilmittel und nicht Hilfsmittel! Biologische Lösungen, zum Beispiel durch Genmanipulation sind technischen Hilfsmitteln überlegen. Ein nachwachsender Zahn ist besser als jedes noch so perfekt 3-D gedrucktes Implantat.

Die biologische Revolution wird in der Auswirkung auf die Gesellschaft der Digitalen Transformation in nichts nachstehen.

 

Wir freuen uns schon sehr auf Ihre Keynote am 18. April. Was können sich die Teilnehmer des Expertenfrühstückes erwarten?

MINDBLOW!

 

Danke für das inspirierende Interview. Zum Abschluss noch ein kurzer Wordrap  – 6 Fragen, 6 spontane Antworten:

Dietmar Dahmen_kl1. Als Kind wollte ich immer … schnell wachsen … Änderung …
2. Mit dieser Persönlichkeit aus Geschichte oder Gegenwart würde ich gerne einen Tag verbringen … mit allen revolutionären Visionären von Martin Luther bis Elon Musk 
3. Bei dieser Musik flippe ich aus … alles was neu, mutig, anders ist.
4. Mein persönliches Erfolgsgeheimnis … machen, machen, machen!
5. Dieser Versuchung kann ich nicht widerstehen … Innovation
6. In 20 Jahren werde ich … anders sein

 

 

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