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DevOps oder wie man Agilität in IT Operations bringt 3/5

Die Reise zur bimodalen IT – Station 3: Sand im Getriebe – Entwicklung agil, IT Operations aber nicht. Auch hier gilt die Parole: Nicht verzweifeln! Einerseits sind schon wichtige Schritte gelungen, wenn sich Ihr Unternehmen bereits mit Problemen in diesem Bereich beschäftigen muss und andererseits möchte ich mit diesem Blogeintrag Lösungsvorschläge aufzeigen, wie man die größten Hindernisse umschiffen kann.

 

Die Reise zur bimodalen IT - Station 3 - DevOps oder wie man Agilität in IT Operations bring

In meiner langjährigen Erfahrung habe ich sehr oft erlebt, dass Entwicklungsteams oder auch ganze Entwicklungsabteilungen den Schritt in die agile Software-Entwicklung gegangen sind. Viele davon waren auch sehr erfolgreich, aber leider nur innerhalb des Teams oder der Abteilung. Soll Agilität wirklich einen Mehrwert bringen, ist aber eine Verschränkung mit anderen Unternehmensteilen erforderlich. Bevor ich nun auf die technischen Aspekte wie Continuous Integration oder im speziellen auf Continuous Delivery eingehe, möchte ich gerne die organisatorischen Aspekte behandeln.

Die Motivationen in der Software-Entwicklung agil zu agieren sind vielfältig, zum Beispiel:

  1. Time2Market: Die Welt dreht sich immer schneller und um Lösungen für Kunden oder interne Fachbereiche noch schneller bereitstellen zu können, eignen sich agile Vorgehensmodelle ausgezeichnet.
  1. MVP – Minimal Viable Product: Viele haben erkannt, dass sich Anforderungen so schnell ändern, dass ein Ausprobieren von Lösungen und Lösungsansätzen unumgänglich scheint. Anforderungen die heute plausibel erscheinen, können einerseits morgen schon nicht mehr gefragt sein und andererseits können Auffassungsunterschiede zwischen den handelnden Personen niemals ausgeschlossen werden.

Aus Sicht der Entwicklungsmannschaft sind diese beiden Aspekte verständlich. Diese sehen die Vorteile der agilen Entwicklung und greifen somit die Anforderung der Unternehmensleitung auf.

Abbildung 1_DevOps oder wie man Agilität in IT Operations bringt

Der Mehrwert muss auch für IT Operations klar sein

Wenn ich mich nun aber in die Lage von IT Operations versetze, die Motivation dieses Teams mir vor Augen führe, dann konterkariert dies durchaus. IT Operations Mitarbeiter stehen für eine stabile Systemlandschaft. Das Credo lautet Stabilität, Sicherheit und hohe Verfügbarkeit. Gute IT Operations Abteilungen legen sich einen hohen Druck auf und fühlen sich dafür verantwortlich, dass der Betrieb unter keinen Umständen gestört wird. Pointiert formuliert könnte man nun sagen: Jetzt kommen diese Entwickler plötzlich alle 3 Wochen mit einer neuen Version – aus Sicht der IT Operations-Mannschaft kann das ja nur schlecht getestet sein – und wollen andauernd in Produktion deployen. Sie wollen Zugriff auf die Systeme um schneller zu sein, Teile des Deployments selbst machen. Sie brauchen noch mehr Produktionsdaten als bisher, usw. …

Ich denke es ist klar, worauf ich hinaus will. Diesen Mitarbeitern muss der Mehrwert des agilen Vorgehens erklärt werden. Es muss ihnen die „Angst“ genommen werden, dass sie mindere Qualität geliefert bekommen. Teilweise habe ich erlebt, dass eine gewisse Existenzangst zum Vorschein kommt. Sie müssen plötzlich ihre Systeme „offen legen“ und fragen sich, ob nun die Entwicklungsmannschaft Operations übernehmen möchte.

Meiner Meinung nach ist der wesentlichste Aspekt die Einbindung der IT Operationsmitarbeiter in den Software-Entwicklungsprozess. Nehmen Sie beispielsweise zu Beginn eines Projekts einen Mitarbeiter aus diesem Team in ihr agiles Team mit auf. Schaffen Sie Transparenz und versuchen Sie den Mehrwert aufzuzeigen. Nehmen Sie die Angst, dass IT Operations aufgelassen wird oder nicht mehr benötigt wird. Schaffen Sie das, dann ist bereits ein riesen Schritt gelungen!

Abbildung 2_DevOps oder wie man Agilität in IT Operations bringt

Ein Deployment alle 11 Sekunden!

Amazon hat es bereits 2011 geschafft alle 11,6 Sekunden zu deployen. Als ich das das erste Mal gehört habe, hat es mir den Atem verschlagen. Mein erster Gedanke war: Gratulation, hätte nicht gedacht, dass das funktionieren kann. Mein zweiter war, ist das denn wirklich notwendig? Muss das denn sein? Gibt es in Österreich überhaupt Unternehmen, die solche Zeiten benötigen?

Viele Unternehmen gibt es sicher nicht und viele möchten auch sicher nicht dorthin. Aber wenn ich mir in sämtlichen Kundenbeispielen ansehe, wo die durchschnittlichen Zeiten liegen, dann ist eine Erhöhung wünschenswert. Beispiele wie: Alle 3 Monate ein Deployment in die Produktionsumgebung sind keine Seltenheit. Oder schon davor – tagelanger Aufwand um von der Entwicklungsumgebung in die Testumgebung zu deployen!

 

Continouos Delivery – wie wird es möglich?

Ich könnte natürlich jetzt verschiedenste Werkzeuge aufzählen, die eine kontinuierliche Lieferung möglich machen, könnte Vorteile dieser herausarbeiten. Hier kommt es allerdings sehr stark auf Ihre bestehenden Umgebungen an. Welche Technologien setzen Sie ein? Welche Tools haben Sie bereits im Einsatz? Ich möchte einen Schritt davor ansetzen: Fakt ist, dass viele Unternehmen keine einheitlichen Systeme im Einsatz haben. Die SW-Entwicklungsabteilung verwendet eine Reihe von Tools, hat Entwicklungsumgebungen, … und auch IT Operations arbeitet mit Tools und hat ihre eigenen Umgebungen. Der erste Schritt muss in der Harmonisierung der Toollandschaft liegen. Erst wenn das gegeben ist, dann kann man sich überlegen, wie man durch Automation von Prozessschritten noch schneller werden kann.

Aber glauben Sie mir, alleine schon die Harmonisierung der Toollandschaft bringt enorme Zeitgewinne. Ohne noch die Prozesse im Detail zu harmonisieren schafft die Verringerung von Medienbrüchen bereits schnellere Deploymentzeiten. Diese Medienbrüche sind vor allem auch Fehlerquellen, die es nicht zu verachten gilt.

 

Was ist nun konkret zu tun?

Finden Sie eine gemeinsame Sprache mit IT Operations! Als Entscheidungsträger aus der SW-Entwicklung: Gehen Sie einen Schritt auf IT Operations zu und als Entscheidungsträger im Bereich IT Operations: Haben Sie keine Bedenken – sehen Sie den Vorstoß der Entwicklungsmannschaft als Chance! Bevor Sie Ihre Toollandschaft bewerten und verändern, Prozesse anpassen, versuchen Sie Ihre Teams anzunähern – holen Sie sich einen IT Operationsmitarbeiter in das agile Team!

Erst nachdem hier die ersten Schritte gesetzt sind, betrachten Sie Ihre Infrastruktur. Analysieren Sie Ihre Prozesse und Toollandschaft.

Bei ANECON haben wir die Experten im Bereich Vorgehensmodellberatung und vor allem auch im Bereich der technischen Integration. Stichworte wie Continous Integration und Continous Delivery sind für unsere Software-Architekten keine leeren Worthüllen – es beschäftigt sie im täglichen Tun! Kontaktieren Sie uns, wenn Sie Unterstützung brauchen.

Abschließend möchte ich noch auf einen Blogartikel eines Kollegen verweisen, der sich intensiv mit dem Thema beschäftig: The Phoenix Project: A Novel about IT, DevOps, and Helping Your Business Win

 

 

Blogreihe „Die Reise zur bimodalen IT“:

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