Software-Test / Testmanagement

Wir müssen sparen: Der Mensch als Kostentreiber im Test?

Dass Personalressourcen teuer sind, das gesamte IT-Budget auffressen und daher möglichst eingespart werden müssen, ist ein altbekanntes Lied, welches regelmäßig angestimmt wird. Doch was steckt hinter diesem Lied? Sind die Mitarbeiter wirklich das teuerste am Test? Können die meisten Einsparungen daher wirklich durch eine Reduktion der Personalkosten erreicht werden?

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Im World Quality Report 2015-16 (www.worldqualityreport.com) finden sich unter anderen zwei interessante Grafiken. Erstere zeigt, dass der Anteil vom IT-Budget, welcher in QA und Test investiert wird, seit 2012 stetig um das doppelte auf über etwa 35% im Jahr 2015 gewachsen ist.

In der zweiten wird hingegen aufgeschlüsselt, in welchen der drei Bereiche Personal, Hardware und Infrastruktur sowie Werkzeuge in den letzten drei Jahren das Testbudget verwendet wurde.

Und auch wenn über die Jahre mehr in den Test investiert wurde, so waren die Personalkosten relativ konstant bei etwa einem Drittel des Testbudgets angesiedelt.

Natürlich lassen diese Grafiken vielerlei Interpretationen zu. Es zeigt sich aber doch recht deutlich, dass – wie im Jahr 2015 – nicht die Personalkosten der größte Pool ist, an dem gespart werden kann. War es in den vergangenen Jahren relativ ausgeglichen, so zeigt sich heuer, dass gerade die Kosten für Testinfrastruktur (rund 40%) die Personalkosten eindeutig überholt haben.

Gerade in größeren Firmen ohne entsprechende Werkzeugstrategie kommt es immer wieder zu Insellösungen. Dann finden sich zwei oder mehr Werkzeuge zur Automatisierung, Testfälle werden ebenfalls in unterschiedlichen Werkzeugen verwaltet und der Testmanager darf je nach Projekt die Reports anpassen und aus unterschiedlichen Quellen erstellen. Oftmals „verstauben“ teure Werkzeuge ohne ihren Nutzen wirklich auszuschöpfen.

Dass dabei – gegebenenfalls neben den Lizenzkosten – auch Wartungs- und Adaptierungskosten für die einzelnen Werkzeuge anfallen, sollte niemanden wundern. Wechseln die Mitarbeiter die Abteilung oder das Projekt, fallen unter Umständen auch Einschulungskosten für das entsprechende Werkzeug an.

Selbiges gilt auch für die Hardware – auch wenn die Virtualisierung hier eine Reduzierung der Kosten im Jahr 2014 gebracht hat. Für heuer – so schließen die Autoren der Studie – muss noch die richtige Balance zwischen physischen, virtualisierten und Cloud-Umgebungen gefunden werden, wodurch im Befragungszeitraum eine Kostensteigerung entstand. Testumgebungsmanagement ist durch entsprechende Tools so einfach und schnell wie nie zuvor. Aber ein „Mehr“ ist nicht gleichzusetzen mit „Besser“. Denn Umgebungen schnell und günstig aufzusetzen ist nur ein Teil. Je mehr Umgebungen – oft schon gedankenlos – aufgesetzt werden, desto mehr Umgebungen müssen auch verwaltet und gewartet werden. Gerade in Systemintegrationstests kommt dem Umgebungsmanagement eine wichtige Rolle zu.

Dennoch gilt auch hier: Die besten Werkzeuge und die am schnellsten aufgebauten Umgebungen bringen nichts, wenn der Mensch dahinter versagt. Werkzeuge alleine bringen noch keinen besseren Test hervor, sie unterstützen diesen nur. Und wer am Mitarbeiter spart, spart letztendlich am falschen Platz. Denn auch heute noch gilt der weise Spruch, den einst Daniel Düsentrieb zu Donald Duck tätigte: „Das beste Werkzeug ist ein Tand / in eines tumben Toren Hand“.

 

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