Projektmanagement

Der Diener zweier Herren

Der Diener zweier Herren“ ist eine Komödie von Carlo Goldoni, die 1746 in Mailand uraufgeführt wurde. Sie wurde in viele Sprachen übersetzt und wird seither – oftmals in zeitgenössischen Inszenierungen – regelmäßig gespielt. Aber wie fühlt es sich wirklich an, als „Diener zweier Herren“ Teil einer Firma zu sein, seine gesamte oder den größten Teil seiner Arbeitsleistung jedoch in Projekte anderer Firmen zu stecken?

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Wer kennt das nicht:
Als Angestellter eines IT-Dienstleisters arbeitet man in einem Kundenprojekt, sitzt in der Regel vor Ort und muss sowohl die Anforderungen des Kunden als auch die Erwartungen des Arbeitgebers unter einen Hut bekommen. Da kommt es oft zu Situationen, die besonderes Geschick und Fingerspitzengefühl erfordern.

 

Einem Herrn nur kann man dienen,
so hat’s euch bisher geschienen,
ich nur diene zwein zugleich:
Sie sind froh, und mich macht’s reich.

 

… meinte der Diener TRUFFALDINO in seiner anfänglichen Euphorie.

Aber wie fühlt es sich wirklich an, als „Diener zweier Herren“ Teil einer Firma zu sein, seine gesamte oder den größten Teil seiner Arbeitsleistung jedoch in Projekte anderer Firmen zu stecken?

Zuallererst hat man mal ein Identitätsproblem. Wem ist man treu? Oder treuer? Ist die Arbeit im Projekt wichtiger (die wird nun mal bezahlt) oder ist die interne Arbeit oder die Verpflichtung zur Weiterbildung für die eigene Firma wichtiger? Geht man auf interne Veranstaltungen oder möchte man die wirklich nette und absolut nicht selbstverständliche Einladung des Kunden zur Weihnachtsfeier annehmen?

Einerseits fühlt man sich seinem eigenen Unternehmen natürlich näher, man hat es sich ausgesucht, man kennt die Firma, die Philosophie und auch die Menschen mitunter schon jahrelang, auch wenn man im Alltag nicht wirklich viele Tage miteinander verbracht hat. Andererseits verweilt man die meiste Zeit mit den Menschen im Kundenprojekt, und es würde der Kundenbeziehung sicherlich gut tun, Zeit abseits von Standups und Projektbesprechungen miteinander zu verbringen. Das pusht die persönliche Motivation und zu guter Letzt, bleibt man bei diesem Kunden auch für zukünftige Projekte in Erinnerung.

Üblicherweise dient man als Arbeitsnehmer nicht nur der eigenen Firma und dem Kunden, sondern hat auch zuhause noch den einen oder anderen „Herren“ oft im minderjährigen Alter zu betreuen und wenn dann einige Termine zusammen kommen, sitzt man schon mitten in einem waschechten Polylemma.

Um es mit den Worten TRUFFALDINO‘s zu sagen:

 

O, das ist lustig!
Wieviel gibt es nicht, die einen Herrn suchen, und ich habe gar zwei.
Aber was Teufel soll ich machen? – Ich kann ja nicht beide bedienen.

 

Mit jedem neuen Projekt beginnen wir neu, wir arbeiten uns hinauf, wir müssen die Erwartungen des aktuellen Kunden verifizieren und erfüllen. Wir geben unser Bestes und blicken in der Regel nach Monaten oder Jahren auf ein zumeist erfolgreiches Projekt zurück. Aber wir blicken auch auf Zeiten des wahnsinnigen Zeitdrucks, auf das Erfordernis extrem schnell zu lernen zurück. Gelegentlich mussten wir in bestehenden Teams kräftig umrühren, und selten, aber doch, waren da auch Niederlagen oder zumindest punktuell nicht lösbare Situationen zu verarbeiten.

Um diesem Druck standzuhalten, braucht es auf jeden Fall ein funktionierendes Prioritätensystem und einen guten Zeitmanagement Trainer.

Auch ist es wichtig in einer „Mutterfirma“ zu arbeiten, in welcher sich Menschlichkeit und soziale Kompetenz in der Unternehmensphilosophie wiederfinden. Als Auffangnetz in schlechten Zeiten, als Wissensdatenbank in hektischen Zeiten und als Freunde in guten Zeiten.

Das hat man übrigens schon im 18. Jahrhundert erkannt:

 

Man sagt zwar, man soll den Herren gern und willig dienen
– man sollte aber auch den Herren sagen, dass sie ein wenig mehr Menschenliebe für ihre Bedienten hätten

 

Anders als unser lieber TRUFFALDINO, werden wir natürlich im eigentlichen Sinn NICHT doppelt „bezahlt“, aber wir erhalten doch einen Lohn von beiden Firmen. Mit jedem neuen Projekt, mit jeder neuen Aufgabe erweitern wir unsere Erfahrungen und damit auch die Wissensdatenbank unserer „Mutterfirma“. Wir gelangen zu einem Ruf, der uns in zukünftigen Projekten weiterhilft und lernen in den vielen neuen Projekten mit erhobenem Kopf in neue Kundensituationen zu gehen. Davon profitieren wir unser ganzes Leben.

Unsere Arbeit erfordert natürlich die Bereitschaft sich selbst kritisch zu hinterfragen. Welche Rolle im Team muss ich hier in diesem Projekt erfüllen, was braucht es, um das gemeinsame Ziel auch zu erreichen, welche Defizite habe ich noch und inwiefern muss ich mich noch weiterbilden? Wir sprechen hier nicht nur von ISTQB, Programmiersprachen und neuen aufregenden agilen Konzepten, sondern auch von systemischem Denken, Präsentationsfähigkeiten und ganz, ganz weit vorne, das Thema Team- und Konfliktmanagement. Gut, wenn man hier in seiner Firma einen Partner gefunden hat, der alle diese Erfordernisse kennt, und mit Begeisterung bereit ist, den Mitarbeiter beim zukünftigen Karriereweg mit Schulungen, Seminaren und persönlicher Unterstützung zu begleiten.

Als Diener zweier Herren hat man schon so einige Vorteile und TRUFFALDINO hatte schon recht: diene ich zwei Herren zugleich, macht es sie froh, und mich macht‘s reich, an Erfahrungen und nicht zuletzt auch an Geld, denn gute Arbeit wird in der Regel auch gut bezahlt.

Ein letztes Mal möchte ich unseren Diener noch einmal strapazieren:

 

FLORINDO. Du Bösewicht, hast zweien Herren zu gleicher Zeit gedient!
TRUFFALDINO. Ja – nur schade, dass es nicht länger gedauert hat! Doch hab‘ ich durch meinen Einfall nur einen einzigen Vorteil erhalten – wenn’s einer ist – eine Frau. Ich habe für beide Herren vollauf zu tun gehabt, ich bin von beiden geprügelt worden und bin bei beiden Herren so hungrig geworden wie ein Wolf. Aber alle diese Unfälle versüßt Ihr Beifall.

 

Für TRUFFALDINO hat sich seine doppelte Anstellung finanziell nicht ganz so bezahlt gemacht, aber immerhin hat er seine große Liebe gefunden.

Nicht zuletzt gibt es für uns einen schönen Nebeneffekt auf rein privater Ebene:

Mit jedem neuen Kunden eröffnet sich die Möglichkeit neue Freunde zu gewinnen und, wer weiß, vielleicht ganz im Sinne von Truffaldino sogar einmal einen lieben Menschen zum Heiraten zu finden. 🙂

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