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Das war der Quality Leadership Circle rund um das Trendthema Blockchain

Die Blockchain-Technologie ist in aller Munde: Für einige ist Blockchain nur ein Hype, andere sehen darin die Basis für disruptive Geschäftsmodelle. Dabei herrscht immer noch kein durchgängig klares Verständnis über diese Technologie, ihre Potenziale und letztlich darüber, wie sie in profitables Geschäft umgewandelt werden kann. Was steckt tatsächlich hinter dieser Technologie? Welche potentiellen Anwendungsfelder gibt es und welche Risiken? Mit diesen Fragen haben wir uns im Rahmen der bereits sechsten Folge der exklusiven Diskussionsreihe für IT-Führungskräfte, Quality Leadership Circle, am 28. November 2017 beschäftigt. Als Impuls-Redner konnten wir mit Matthias Lichtenthaler, Head of Digital Transformation der Bundesrechenzentrum GmbH, einen erfahrenen Blockchain-Experten gewinnen.

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Impulsredner Matthias Lichtenthaler, Head of Digital Transformation beim Bundesrechenzentrum

Standortbestimmung: Blockchain – DIE Tech-Revolution auch in österreichischen Unternehmen?

Kein Technologiebegriff elektrisiert derzeit mehr: Die Blockchain wird als die größte Revolution seit der Erfindung des Internets gehandhabt. Aber wie sieht es eigentlich in heimischen Unternehmen mit dem Verständnis für die doch recht komplexe Technologie aus? Welche Bedeutung und welchen Stellenwert hat sie bereits? Eine zu Beginn der Veranstaltung durchgeführte Online-Umfrage ermöglichte eine Standortbestimmung: Nur knapp ein Drittel, nämlich 29%, der Teilnehmer gaben an, sich mit der Blockchain-Technologie wirklich auszukennen. 71% verstehen diese teilweise bzw. noch gar nicht.

 

Ich kenne die Blockchain Technologie und weiß, wie sie funktioniert.

 

Dass sich heimische Unternehmen derzeit auf einer Art Blockchain-Entdeckungsreise befinden, verdeutlichten weitere Ergebnisse der Umfrage: Für 37% der Befragten besitzt die Technologie sehr hohen bzw. hohen Stellenwert im Unternehmen, wohingegen für 63% die Blockchain keinen bzw. nur geringen Stellenwert besitzt.

 

Welche Bedeutung hat die Blockchain für Ihr Unternehmen?

Auf der anderen Seite beschäftigen sich derzeit aber fast 60% der repräsentierten Unternehmen mit der Blockchain. Man kann also erkennen, dass die neue Technologie in heimischen Unternehmen angekommen ist.

 

Mein Unternehmen beschäftigt sich bereits mit der Blockchain Technologie

Die initiale Frage der Veranstaltung „Ist die Blockchain ein Game Changer oder nur ein Hype?“ wurde seitens der Teilnehmer klar beantwortet: Für 63% hat die Technologie das Potential zum Game Changer und zur nächsten großen Tech-Revolution. Nur 19% sind davon überzeugt, dass die Blockchain ein Hype bleibt, die restlichen 19% können derzeit noch nicht einschätzen, wo die Reise hingeht.

 

Blockchain - Game Changer oder nur Hype?

Impulsvortrag: „Das Thema Blockchain wird es sicher noch länger geben“

Zu Beginn seines Impuls-Talks bot Matthias Lichtenthaler, Head of Digital Transformation bei der Bundesrechenzentrum GmbH, einen kurzen Überblick über die Funktionsweise einer Blockchain und ihre Besonderheiten: Ausfallssicher, fälschungssicher und vertrauensbildend. Diese Besonderheiten leiten sich aus ihren drei Kerneigenschaften dezentral, unveränderbar und transparent ab. „Eine Blockchain ist eigentlich nichts anderes als eine dezentrale Datenbank, ähnlich einem digitalen Grundbuch. Dabei werden alle Transaktionen, Verträge und Informationen erfasst und deren Gültigkeit in einer Kette von gesicherten Datenblöcken bestätigt. Die Daten werden nicht auf einem zentralen Server, sondern auf allen Rechnern der Teilnehmer eines Blockchain-Netzwerkes verteilt“, erläutert M. Lichtenthaler.

Mittlerweile existieren schon viele Blockchains abseits der Kryptowährungen, die nur eine Anwendungsmöglichkeit der Blockchain-Technologie darstellen. Das BRZ beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie die Blockchain-Technologie in der öffentlichen Verwaltung konkret eingesetzt werden kann. Erste Use Cases sind bereits identifiziert. Im Mittelpunkt steht dabei die Absicherung von Unternehmens- und Verwaltungsprozessen, wobei nicht nur auf die Fälschungssicherheit, sondern auch auf die Qualität der gespeicherten Inhalte geachtet wird.

Ein Pitfall im Zusammenhang mit der Blockchain ist es – laut M. Lichtenthaler – zu glauben, dass allein die Anwendung der Technologie die Datenqualität erhöht. Er ruft dazu die Kerneigenschaft „unveränderbar“ in Erinnerung: „Garbage in – garbage forever!“ Es braucht also bereits vorab Mechanismen, wie ein „digitales Vorzimmer“ auf Basis von Cognitive Analytics, um die Qualität der Daten vor dem Schreiben in eine Blockchain zu prüfen.

Bei den potentiellen Use-Cases fokussiert sich das BRZ vor allem auf den asset-losen Bereich der Blockchain, also ohne Wertigkeit. Die Anwendungsfälle könnten unterschiedlicher nicht sein: Im Bereich Nachverfolgung von Identitäten kann beispielsweise die Herkunft von Lebensmitteln, wie z.B. Rindfleisch, in der Blockchain gesichert werden. Aber auch das Blockchain-Grundbuch als ein nationales bzw. EU-weites, fälschungssicheres Register, ist ein konkreter Use-Case.

Im Bereich Echtzeitintegration von multiplen Organisationen werden im BRZ gerade Anwendungsfälle wie die Aggregation von Daten für Großstrafverfahren pilotiert. Banken, Justiz und öffentliche Institutionen wie Behörden und Exekutive nutzen hier die Blockchain zur Echtzeitsynchronisation von Daten und Informationen, um kriminelle Aktivitäten leichter identifizieren und strafrechtlich verfolgen zu können.

„Das Thema Blockchain wird es sicher noch länger geben, wenn man es ein wenig entmystifiziert und auf die richtige Bahn lenkt. Damit meine ich, die Technologie mit geeigneten Anwendungsfällen zu verknüpfen. Bei unseren Kunden sind das vor allem Anwendungen jenseits der Public Blockchains und Bitcoins, also den Permissioned Blockchains“, ist Matthias Lichtenthaler überzeugt. „Definitiv abraten würde ich von krampfhaften Einsätzen nur der Technologie wegen, frei nach dem Motto: Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat sieht in jedem Problem einen Nagel.“

 

Working-Session: Viele Chancen, einige Risiken

Im Anschluss an den Impuls-Talk von M. Lichtenthaler wurden in Kleingruppen mögliche Anwendungsfälle der Blockchain-Technologie diskutiert.

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IT-Führungskräfte diskutieren Chancen und Risiken von Blockchain Anwendungen

 

Die Teilnehmer waren sich einig, dass vor allem auch im Kontext der Digitalisierung die Blockchain als die nächste große Technologie angesehen wird. Es wurden Beispiele wie die Nachverfolgung von Gütern im Logistikbereich genannt, ebenso wie die Anwendung der Blockchain im Energiehandel oder bei Industrieversicherungen sowie bei der digitalen Abwicklung von Bauprojekten. Auch im Gesundheitswesen und der Pharmaindustrie wird großes Potential für Blockchain-Anwendungen gesehen, da auch hier hohe Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Sicherheit gefordert sind. Die Technologie kann hier ihre Stärken ausspielen, erledigt sie doch dank Automatisierung vieles praktisch in Echtzeit.

Die Diskussion in den Kleingruppen brachte außerdem deutlich hervor, dass es sich derzeit bei Blockchain-Projekten großteils um Pilotprojekte handelt. Für einen großflächigen Einsatz sind vor allem noch viele rechtliche Aspekte zu klären. Auch die kommende EU-Datenschutzgrundverordnung wird als Risiko betrachtet, da diese ja beispielsweise das Löschen von Daten als wichtige Voraussetzung mitbringt. Auch der aktuell bestehende Druck durch den Hype rund um Blockchains wird als Risiko gesehen, er verleitet zu Use Cases, die besser mit anderen Technologien lösbar wären. Hier gilt es, wachsam zu sein und jeden Anwendungsfall kritisch zu hinterfragen.

Als Chance erachteten die Diskutanten, dass viele Blockchains auf Open Source Software basieren, also auf für alle einsehbaren Programm-Quellcodes. Damit kann jeder mit wenig Aufwand seine eigene Blockchain gestalten. Der Wegfall von sogenannten Mediatoren wird auch die Transaktionskosten drastisch reduzieren bzw. ganze Business-Modelle umkrempeln, waren sich die Teilnehmer einig.

Der abschließende Networking-Teil bot den Teilnehmern eine ausgezeichnete Gelegenheit zur weiteren Vernetzung und zum Erfahrungsaustausch.

Erfahrungsaustausch und Vernetzung

Erfahrungsaustausch und Vernetzung

 

Ich freue mich bereits auf das nächste Aufeinandertreffen der Quality Leadership Community im Februar 2018. Detailinformationen zu Termin und Thema werden demnächst auf www.anecon.com/qlc bekannt gegeben.

Im Zuge der Vorbereitungen zum Quality Leadership Circle Vol. 6 habe ich übrigens mit Matthias Lichtenthaler ausführlich über den Nutzen und die Gefahren der Blockchain-Technologie gesprochen – lesen Sie dazu mehr im Beitrag „Interview mit Matthias Lichtenthaler (BRZ): Blockchain – Game Changer oder Hype?“

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