Software-Test

Annahmen verunsichern – Fakten schaffen Vertrauen!

Zu Beginn eines Software-Projekts steht in der Regel eine auf Annahmen basierende Aufwandsschätzung und, daraus resultierend, eine Planung. Dies basiert auf einer Menge von Unsicherheiten:

  • Wie lange dauert ein Arbeitspaket, ein Task, eine Story wirklich?
  • Was kann alles dazwischenkommen? Ausfälle, Änderungen, Störungen aller Art?
  • Mit welchem Puffer sollte man planen?

Pläne altern schnell und müssen laufend adaptiert werden. Diese Überarbeitung hat laufend (bis zum Projektende) zu passieren. Annahmen werden korrigiert, im Laufe des Projektes lernen wir dazu und können verschiedenste Parameter besser einschätzen. Die Unsicherheiten bleiben jedoch. Wir arbeiten weiterhin mit Annahmen – besser wäre, man hielte sich an Fakten! Wie schafft man fundierte Prognosen zum Abschlussdatum eines Projekts?

Schild 61 - Intuition

Ein Ausflug in die Meteorologie

Diese Frage beschäftigt uns alle immer wieder: Wie wird das Wetter morgen? Wir wollen eine Prognose.

In der Meteorologie bestens bewährt ist die Anwendung von Rechenmodellen. Auf Basis von unterschiedlichsten Zahlen in großen Mengen wird berechnet, wie das Wetter in den nächsten Tagen sein wird. Die Messergebnisse sind Fakten und dienen als Basis für die Vorhersage (oder Prognose) mittels Simulation (in der Meteorologie wird nicht geschätzt).

Zitat :
„… Dennoch sind die Wettermodelle so weit gediehen, dass Prognosen mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit eintreffen. Wenn es beim Wetter funktioniert, warum sollte das Forecasting also in der Wissensarbeit nicht funktionieren?“

(Dr. Klaus Leopold, 2016, Forecasting: Gewisse Wahrscheinlichkeit statt trügerischer Sicherheit)

 

Fakten aus der Fehlerstatistik

Auch wir haben in jedem Testprojekt eine Menge Fakten zur Verfügung. Daraus lassen sich für eine Prognose nützliche Kennzahlen ablesen. Wir müssen die Fakten nur sammeln und auswerten.

Mein Kollege Robert Licen hat im Zuge seiner Projekte ein EOT-Prognose-Tool entwickelt, welches er in seinem seiner Blogartikel „Die EOT-Prognose“ vorstellt. EOT steht für End-of-Testing.

Mittlerweile bieten wir als selbstverständliches Service all unseren TestmanagerInnen und -ProjektleiterInnen bei ANECON eine regelmäßige Auswertung Ihrer Projektdaten mithilfe des EOT-Tools an. Sie übermitteln ihre Werte und bekommen die Prognosedaten in aufbereiteter Form zur Verfügung gestellt.

Indikator zur Berechnung ist die Team-Performance, welche sich aus drei Werten zusammensetzt:

  • Findungsrate: Wie viele Fehler werden im Schnitt pro Zeiteinheit gefunden?
  • Behebungsrate: Wie viele Fehler konnten im Schnitt pro Zeiteinheit endgültig geschlossen werden?
  • Wie lange noch wird seitens des Entwicklungsteams neue Funktionalität implementiert werden?

Sobald wir diese Werte zur Verfügung haben, lässt sich eine Prognose erstellen, welche eine Aussage über einen realistischen Einsatzzeitpunkt der Software ermöglicht.

Nachdem wir initial Daten brauchen, ist eine erste Hochrechnung in etwa vier Wochen nach Projektstart sinnvoll und sollte von da an regelmäßig durchgeführt werden. Je mehr Daten für eine Prognose zur Verfügung stehen, desto bessere Rückschlüsse können getroffen werden. Das Tool bietet Anhaltspunkte und keine tagesgenauen Prognosen. Die Wahrscheinlichkeit, mit der die Prognose eintritt, ist jedoch hoch. Es bietet eine gute Basis um weitere Maßnahmen im Projekt gemeinsam abzuleiten.

 

Nicht auf das Bauchgefühl vertrauen

Wichtig bei der Prognose ist, das Bauchgefühl, und darauf basierende Aussagen, zu vermeiden. Auch viele Jahre Erfahrung im Software-Test werden Sie nicht davor bewahren, falsche Prognosen abzugeben. Abgesehen davon sind solche Bauchgefühl-Aussagen leicht angreifbar, da sie durch nichts gestützt werden. Oder auf welcher Basis begründen Sie ihr Bauchgefühl?

Mit der EOT-Prognose haben Sie ein Werkzeug, um einen kritischen und von Gefühlen, Absichten oder Wünschen unbeeindruckten Blick auf die Gesamtleistung im Projekt zu werfen. Abweichungen werden früh erkannt. Führen Sie die Auswertung regelmäßig durch, dann können Sie Maßnahmen ableiten und deren Wirksamkeit überprüfen.

Mittlerweile wird die EOT-Prognose in unterschiedlichen Projekten als zusätzliche Metrik gewünscht. Sie avanciert zum Pflichtinhalt eines jeden Projekt-Steering-Meetings.

 

Transparenz schafft Vertrauen

  • Trotz aller Komplexität ist eine gute Einschätzung der aktuellen Situation möglich.
  • Keine Bauchgefühl Aussagen mehr, sondern auf Fakten fundierte Prognosen. Das EOT-Tool unterstützt bei der Argumentation, wohingegen lose Annahmen angreifbar wären
  • Vergleichszeiträume liefern eine Basis für die Ableitung von Empfehlungen und/oder Maßnahmen
  • Eine regelmäßige Auswertung lässt die Wirksamkeit von frühzeitig im Projekt abgeleiteten Maßnahmen überprüfen
  • Das EOT-Tool bietet Sicherheit und Transparenz über die gesamte Projektlaufzeit hinweg und diese Transparenz schafft Vertrauen.

Hinterlegt mit zahlreichen Praxisbeispielen darf ich am diesjährigen German Testing Day in Frankfurt unseren EOT-Prognose Ansatz vorstellen. Sollte ich auch Ihr Interesse geweckt haben, so kontaktieren Sie mich doch bitte, ich freu mich darauf.

 

 

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