Agile / Software-Test

Als agiler Tester ganz groß rauskommen

Das Leben als agiler Tester in einem übersichtlichen Team ist nett, aber sobald man teamübergreifend handeln soll wird gerade der Test extrem mühsam und frustrierend. Was kann man daran ändern. Ich hätte da schon so meine Ideen …

Als agiler Tester ganz groß rauskommen

Als agiler Tester bin ich inzwischen in meiner kleinen Welt über die Jahre hinweg recht zufrieden. Mit meinem Team haben wir inzwischen Praktiken entwickelt, mit denen ich gut leben kann. Außerdem kennen wir uns inzwischen recht gut und ich kann so einiges über das Team hinaus auf dem „kleinen Dienstweg“ schnell und unbürokratisch lösen (meistens in Sachen Testumgebung und Testdaten). Bitte nicht gleich missverstehen: Ich lebe nicht auf dem Ponyhof und es ist bei weitem nicht alles so, wie ich mir das als Testprofi vorstellen würde. Aber nun geht unsere erste Mission dem Ende zu und wir sollen unsere Errungenschaften in ein komplettes Programm einbringen, dass unsere Systemlandschaft in 4-5 Jahren technisch komplett auf neue Beine stellt. Erste gemeinsame Sprints mit anderen Teams haben wir hinter uns.

Bei meinen Entwickler-Kollegen merke ich derzeit wenig Nervosität, mir aber als Tester steht es schon jetzt bis zur Halskrause:

  • Ich habe über die Jahre eine super Lösung mit Kollegen im Rechenzentrum gefunden, um spezielle Mandanten und Testkonten verfügbar zu haben. Das war eine enorme Arbeit und ich habe nie ein Dankeschön von irgendjemanden bekommen. Jetzt soll ich diese Konten anderen Teams zur Verfügung stellen und die melden sich frech bei mir, weil irgendetwas nicht passt. Bitte! Wie komme ich dazu, anderen ihre Wünsche zu erfüllen?
  • Und was da für Leute herumlaufen! Ja, wer glauben die denn, wer sie sind! In Meetings den Eindruck zu verbreiten, sie hätten die viel besseren Lösungen und wären ja, ach so kompetent. Nix sind die! Behaupten erfahrene Tester zu sein, haben aber vom Fachlichen Nüsse Ahnung. Nein, sind nicht alle so. Aber ein paar reichen mir schon. Die übrigen treten eh nicht so sehr in Erscheinung.
  • Wo wir gerade von Meetings reden: Neuerdings habe ich die Ehre mit über 40 Menschen ganze Geschäftsprozesse durchzusprechen. Ist ja einerseits interessant, einmal so über den Tellerrand der eigenen Applikation zu blicken. Aber wie sollen wir das bitte testen? Ich wüste gar nicht, wo ich überhaupt eine Testumgebung herbekomme. Von passenden Daten so überhaupt keinen blassen Schimmer. Na, das wird noch richtig lustig!
  • Eine gute Sache hat ja das gemeinsame Wirtschaften so: Ein Kollege hat mir letztens das elektronische Taskboard mit integriertem Fehlermanagement gezeigt, das sie in ihrem Team einsetzen. Der generiert sich relativ leicht die wichtigsten Berichte in ein Dashboard. Habe schon mit unserem Projektleiter gesprochen, ob wir auch so etwas nutzen können. Das übliche Spiel! Das sei offiziell nicht freigegeben und wir hätten eh kein Budget. Wirklich frustrierend. Ich könnte ihm lässig den Business Plan für die Investition rechnen. Wahrscheinlich würden die Lizenzen gar nicht zu Buche schlagen, da die Kollegen eh schon ein Bundlepaket nutzen. Aber nichts zu machen.

 

Aber kommen wir mal zur Sache: Eigentlich ist es ganz einfach, die Sache für mich, als agilen Tester, wieder sinnvoll zu gestalten. Ein paar Dinge kann man wirklich zentral machen. Das braucht doch nicht jeder von uns in seinem Team selbst machen:

  • Testdaten, vor allem komplexere Bestandsdaten oder – wenn’s ganz fein werden soll – anonymisierte Echtdaten
  • Testumgebungen, am besten so flexibel, dass jeder bei Gelegenheit einmal darauf testen kann.
  • Werkzeuge, wie Test-, Fehler- und CI-Management

Beim letzten Punkt sage ich aber gleich, dass ich mir da nichts vorschreiben lasse, nur weil einer meint das sei das Non-Plus-Ultra. Am besten ein Bundle an Werkzeugen bereitstellen, wo es schon Vorerfahrung gibt und die man empfehlen kann. Was ich dann in meinem Team verwende, dass soll letztendlich das Team entscheiden. Natürlich ist für uns die durchgängige Nutzung mit andern Teams zusammen ein wichtiges Argument. Da braucht keiner Angst haben, wir würden unseren Egotrip durchziehen. Für wen halten die uns!

Und was die Zusammenarbeit anbetrifft. Vielleicht sollten wir mal einfach unter Testern einen Betriebsausflug machen oder irgend so ein Abenteuer Ding. (Außer Bungee-Jumping! Da bin ich sicher nicht dabei!) Ich will wenigstens wissen, warum der so obergescheit daherredet und warum die anderen dann nix sagen. Vielleicht löst das schon viele meiner Probleme. Vielleicht sollten wir eh uns als Tester häufiger mal austauschen. Dann könnte man auch die Toolauswahl besser vorbereiten und voneinander lernen. Aber eines sage ich Dir! Was ich dann lerne, das entscheide am Ende aber immer noch ich!

 

Das 25. ANECON Expertenfrühstück drehte sich rund um agile Skalierungsvorhaben, u.a. wurde auch das Thema Testorganisation in großen Projekten angesprochen. Mehr Infos im Eventrückblick!

 

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