Software-Test

8 Erfolgsfaktoren für die Qualität Ihrer eCommerce-Lösung

Sie planen einen Webshop für Ihre Produkte und Dienstleistungen anzubieten? In dieser Website wollen Sie Ihre Produkte anschaulich präsentieren und auch bestmöglich verkaufen. Und dabei ist es Ihr größtes Anliegen, dass die Besucher der Website – also die möglichen Käufer – nicht nur ein tolles Grafikdesign vorfinden, sondern schnell, effizient und fehlerfrei durch die Such- und Kaufvorgänge geleitet werden – mit einem Wort: die Qualität muss passen.

Egal, für welche eCommerce-Lösung Sie sich entscheiden, ob eines der gängigen Frameworks wie Magento oder Hybris oder ob Sie eine Individualentwicklung präferieren. Wichtig ist, dass im gesamten Entwicklungsprozess der Test miteingebunden ist. In den nachfolgenden Schritten möchte ich erläutern, wie ein Ansatz zum Erreichen dieser Qualität sein könnte.

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1. Features eines Webshops – Festlegen der funktionalen Anforderungen

Basis für alle weiteren Schritte zum Erreichen der bestmöglichen Qualität sind gut beschriebene Anforderungen – diese dienen allen am Entwicklungsprozess Beteiligten als Grundlage für die Kommunikation, Argumentation, Ermittlung der Systemarchitektur und die Integrations-, Test- und Abnahmeprozesse.

Abgeleitet aus Projekterfahrungen und den Vergabekriterien für das Österreichische E-Commerce-Gütezeichen sowie weiteren Anforderungen an Usability, Barrierefreiheit, Content-, Produkt- und Kundenmanagement werden die Akzeptanzkriterien ermittelt. Diese werden nach Bereichen gegliedert und strukturiert und können jederzeit in Zusammenarbeit mit den Webshop-Betreibern den speziellen Bedürfnissen angepasst werden.

 

2. Plattformstrategie – Mobile First und Multiplattform

Bei der Wahl der passenden Plattformstrategie ist die Vielzahl von Browsertypen und -versionen sowie die Zunahme der Nutzung mobiler Endgeräte im eCommerce zu berücksichtigen. Die Anforderung, Shops für mobile Endgeräte wie Smartphones, Tablets, Notebooks und stationäre PCs gleichermaßen zu optimieren, machen allein schon den Funktions- und Darstellungstest als grundlegende Qualitätssicherung vor dem Go-Live eines Webshops wichtiger denn je.

Der „Mobile-First“-Ansatz ist dabei als Einstiegsplattform der Projektion von klassischer Desktop-Darstellung auf mobile Endgeräte (responsive Design) vorzuziehen. Der Aufbau mobiler Plattformen unterscheidet sich vom Aufbau von Web-Applikationen, da eine andere User Experience zu berücksichtigen ist.

Der Cross-Channel-Ansatz aus dem Vertrieb/Marketing kann hier weitergeführt werden. Der Kunde informiert sich im Web über das Produkt, legt es in den Warenkorb, auf dem Weg zur Arbeit passt er die Bestellung über sein mobiles Endgerät an und finalisiert es mit der Bezahlung. Der Kunde kann dabei immer nahtlos am Letztstand anknüpfen.

 

3. Architekturauswahl – Einbindung eigener Geschäftsprozesse und externer Systeme

Der nächste Schritt ist das Treffen der wichtigsten Architekturentscheidungen. Wie soll der Online-Shop in die eigenen Geschäftsprozesse integriert werden, ohne allzu viele Anpassungen vornehmen zu müssen und um Implementierungs- und Wartungsaufwand möglichst gering zu halten. Da wäre z.B. die Anbindung an bestehende Systeme (Kundenmanagement, Produktions-, Logistik- und Fakturierungssysteme) genauso wie die Auswahl der externen anzubietenden Zahlungsplattformen oder Systeme zur Bonitätsprüfung.

Auch Updatestrategien und angebotene Entwicklungs- und Reporting-Tools spielen dabei eine große Rolle. Gerade aus Testsicht wissen wir, dass die großen Probleme an den Schnittstellen auftreten, dass unterschiedliche Releasezyklen der Systeme viel zusätzlichen Aufwand verursachen.

 

4. Usability und User Experience – Designvorgaben festlegen

Das Thema Usability und Customer Experience ist vor allem für Webshops relevant, da sie einen großen Einfluss auf die Verweildauer haben. Schlechte Usability führt dazu, dass eine Online-Plattform nicht mehr benutzt wird. Die erste Seite kann bereits entscheidend dafür sein, ob die Anwender bleiben oder wegklicken. Mein Kollege Michael Rurländer hat kürzlich über den „Nutzen der Usability“ einen Blog verfasst.

Das Design kann auch gravierende Auswirkung auf die Optimierung der Performance haben. Daher muss besonderes Augenmerk auf die Designvorgaben gelegt werden und gegebenenfalls vorab ein Usability Test mit definierten Pilot-Usern eingeplant werden.

Die Berücksichtigung der Barrierefreiheit ist bereits in der Designphase notwendig, die Internetseiten und Webshops müssen so gestaltet sein, dass internationale Standards über den barrierefreien Zugang eingehalten werden. Diese werden vom World Wide Web Consortium (W3C) in den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.0) vorgegeben.

 

5. Security – Beachtung von Sicherheit und Datenschutz

Die Verschärfung des Datenschutzes durch die EU-Grunddatenverordnung wird einigen Einfluss auf den Umgang mit den personenbezogenen Daten des Webshops haben. Nicht nur bei der Speicherung und der Verarbeitung müssen stärker die Sicherheitsaspekte beachtet werden, z.B. Absichern der Daten gegen Verlust, Zerstörung, Zugriff, Veränderung oder Verbreitung durch unbefugte Personen.
Das Testdatenmanagement – Stichwörter Verschlüsselung, Anonymisierung, Pseudonymisierung, synthetische Testdaten – ist in diesem Umfeld für die Qualitätssicherung ein großes Thema. In seinen Artikeln schreibt mein Kollege Alexander Birsak über „Die EU-Datenschutzrichtlinie und ihre Auswirkung auf das Testdatenmanagement“ und dem „Testdatenmanagement als Treiber für effizientere Software-Tests“.

 

6. Testansatz – Ermitteln der Teststrategie und der relevantenTestobjekt

In enger Kooperation mit dem Kunden wird eine bedarfsgerechte Teststrategie entwickelt. Es werden relevante Testobjekte definiert, d.h. alle Darstellungs- und Interaktionsobjekte, die zwingend notwendig sind, um die beste Qualität der Webseiten zu garantieren. Dabei werden Testideen zu den zuvor definierten Akzeptanzkriterien entwickelt. Die Objekte umfassen den gesamten funktionalen Bereich aber auch nicht funktionale Kriterien.

Um die Gerätevielfalt im Test abdecken zu können, empfiehlt sich der Einsatz von Emulatoren im Funktions- und Darstellungstest. Auf echte Devices mit einem gewissen Mindestanteil am Markt (siehe aktuelle Statistiken dazu im Statcounter) sollte im Test allerdings nicht verzichtet werden, ich denke da vor allem an das Testen von speziellem Nutzerverhalten bei der Gestik.

Integrationstests und Unterstützung des Developments beim Aufbau der Unittests sind laufend einzuplanen und durchzuführen. Denn Fehler in den testrelevanten funktionalen Darstellungsobjekten, wenn zu spät erkannt, bedeuten Image- oder sogar Umsatzverlust.

 

7. Testdurchführung – Technische und funktionale manuelle Tests

Bei den meisten eCommerce Lösungen wird eine hohe Zahl an Testfällen entstanden sein und daher bedarf es einer guten Planung für die Durchführung, sei es durch Priorisierung oder auch Reduzierung auf den Test von marktrelevanten Funktionalitäten. Um den Aufwand bewältigbar zu halten, bewährt sich folgender Ansatz: „So wenig Testfälle wie möglich, aber so viele wie nötig“.

Die Funktionalität wird mittels manuellen Tests sichergestellt, Abweichungen zu den Anforderungen werden in zuvor ausgewählten Tools festgehalten. Zusätzlich ist es sinnvoll, explorative Tests auszuführen.
Barrierefreiheit, falls gefordert, wird üblicherweise in einem Feldtest unter Zuhilfenahme von Entwicklerrichtlinien- und Benutzbarkeits-Checklisten getestet.

 

8. Testautomatisierung – Regressionstest und End2End-Test

Iterativ werden weitere Funktionalitäten entwickelt und freigegeben – bedingt durch Einarbeitung von Korrekturen, neuen Kundenerfordernissen, etc. Es muss gewährleistet sein, dass die Qualität der bestehenden Funktionen weiterhin gegeben ist. Die dafür erforderlichen Regressionstests sowie auch nötigen End2End-Tests können am besten mit automatisierten Testfällen durchgeführt werden.

Welche tolle Automatisierungslösung inklusive Toolset für den automatisierten Test von webbasierten eCommerce-Anwendungen meine KollegInnen aus der Testautomatisierung hier entwickelt haben, kann in folgendem Testfallbeispiel nachgelesen werden, siehe Blog „Test Automation Practices: Keywords, Page Objects und Clients in Java“.

 

Fazit

Damit Ihr Web-Auftritt der qualitativ Beste wird, müssen der Anforderungsprozess und in weiterer Folge der Entwicklungs- und Testprozess effizient gestaltet und bestmöglich aufeinander abgestimmt werden. Die oben aufgeführten Erfolgsfaktoren sollen als grobe Hilfestellung verstanden werden, um dieses Ziel zu erreichen. Gerne stehe ich für einen weiteren Austausch zur Verfügung.

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