Projektmanagement / Testmanagement

3 Maßnahmen gegen Endlosprojekte

Kennen Sie das? Das GoLive der Anwendung hätte eigentlich bereits vor 5 Wochen stattfinden sollen. Ständig hat der Kunde betont, wie wichtig das Projekt für ihn ist. Seit Beginn der Testphase werden alle Fehlermeldungen vom Kunden genau verfolgt, und noch immer gibt es Fehler, die eine Produktivsetzung verhindern. Außerdem kommen ständig neue Wünsche dazu. Das Projektteam hat langsam das Gefühl, der Projektabschluss wird nie erreicht. Und auch der Kunde wird immer unzufriedener.

endlosprojekt_weg

Solche Endlosprojekte gibt es häufiger, als man angesichts Diskussionen über IT- und Testbudgets erwarten sollte. Gerade im öffentlichen Bereich, wo viele Projekte zum Fixpreis angeboten werden, sieht man sie immer wieder. Als Testmanager komme ich meist mit dem Qualitätsaspekt solcher Projekte in Berührung. Das heißt, ist der Kunde mit dem Produkt nicht zufrieden, müssen Entwickler für Fehlerbehebung und Tester ggf. deutlich mehr Zeit aufwenden, als ursprünglich geschätzt.

Drei einfache Maßnahmen helfen mir, trotzdem einen zufriedenstellenden Abschluss zu finden:

 

1. Gemeinsames Qualitätsziel definieren

Ein häufiges Problem ist, dass die Qualitätserwartungen des Kunden nicht explizit festgehalten werden. Während der Kunde „100% Qualität“ erwartet, sieht die Realität oft anders aus: Kleinere Probleme bleiben ungelöst. Sei es weil der Aufwand zur Problembehebung größer ist als der Nutzen oder weil in der fertigen Applikation zusätzliche Wünsche deutlich werden, die auf die Kundenzufriedenheit wirken. „100% Qualität“ ist damit kein erreichbares Ziel.

Ich halte typischerweise Folgendes als Ziele in den Testendekriterien fest:

  • welche Anforderungen, Eigenschaften, Testdaten bzw. Risiken in jedem Fall umgesetzt und getestet sein müssen, welche ggf. nicht
  • welche Fehlerklassen eine Abnahme/ein GoLive verhindern und gelöst werden müssen, und ob (und wie viele) Fehler offen bleiben dürfen
  • klare Kriterien für die Einstufung der Fehler

Idealerweise werden diese Ziele bereits zu Projektbeginn festgelegt. Sie können aber in jeder Phase des Projekts nachdokumentiert oder gemeinsam angepasst werden. Eine spätere Festlegung kann sich schwierig gestalten, wenn beide Seiten sehr unterschiedliche Erwartungen haben. Trotzdem lohnt es immer, Klarheit über das Ziel zu schaffen.

 

2. Expliziten Projektabschluss erklären

Das Ende eines Projekts bedeutet meist nicht, dass es nichts mehr zu tun gibt. Umso wichtiger ist es, alle Beteiligten über die Erreichung des Projektziels zu informieren. Mit dem Erreichen dieses Meilensteins geht ein Projekt üblicherweise in eine zeitlich begrenzte Nachphase (z.B. zur Mängelbehebung) über. Fehlt die Erklärung, verlängert sich unter Umständen die Projektlaufzeit.

Das Ende der Testphase erkläre ich mit Bereitstellung eines Testberichts, der die Testergebnisse und eine Empfehlung enthält: Freigabe mit/ohne Mängeln bzw. keine Freigabe.

 

3. Offene To-dos und Fristen dokumentieren

Nach dem offiziellen Ende sind oft noch Mängel zu beheben. Um zu verhindern, dass unbegrenzt Mängel und Wünsche nachgereicht werden, wird möglichst mit Erklärung des Endes festgelegt, was noch zu erledigen ist und wer bis wann für die Umsetzung zuständig ist. Dazu kann auch eine Frist gehören, in der der Kunde bisher unentdeckte Fehler für die Behebung im Projekt melden kann. Spätere Mängel sind über die regelmäßige Wartung oder ein Folgeprojekt zu beheben. Auch die To-dos für die Übergabe in den Regelbetrieb sollten hierbei erfasst werden.

Wie bei den Zielen gilt: Wurde bisher nichts konkretes festgelegt, dann kann das jederzeit nachgeholt werden.

Sicher helfen diese Maßnahmen nicht gegen jede Kundenunzufriedenheit. Sie helfen aber, das Projekt für beide Seiten besser planbar und überschaubar zu machen und einen guten Projektabschluss zu erreichen. Viel Erfolg!

 

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