Qualität in agilen Projekten / Softwareentwicklung und Testing

Agile Ansätze, wie eXtreme Programming und seit einigen Jahren insbesondere SCRUM konnten in der Softwareentwicklung viele Freunde gewinnen, nicht zuletzt weil sie sich als Gegenbewegung zu den „Fat Book“-Methodentrends der 80er und frühen 90er Jahre geschickt als pragmatisch und realitätsnah etablieren konnten.

Die vermittelten Werte aus dem agilen Manifest deckten sich mit dem wieder zunehmenden Selbstvertrauen der Entwickler-Communities. Menschen & Zusammenarbeit vor Prozessen & Tools, funktionierende Software vor umfangreicher Dokumentation, Change (sich ändernde Anforderungen) als Selbstverständlichkeit während der Entwicklung, Miteinander von Kunde und Entwicklung vor Vertragsverhandlungen und permanentes Lernen/Optimieren auf allen Ebenen – Werte, die heute wie Platitüden klingen mögen, waren in der Entstehungszeit durchaus provokante Statements, und stellten so gesehen einen Paradigmenwechsel dar.


Gleichzeitig muss gesagt werden, dass unsere Branche traditionell zum Glauben an „Silver-Bullets“ neigt. So wurden in der Geschichte oft ganze Ansätze über Bord geworfen, nur weil sie die in sie gesetzten weit überhöhten Erwartungen nicht erfüllen konnten. Nicht selten wurde damit auch wertvolle Substanz vernichtet - das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Erfahrungswerte

ANECON ist zum Thema Agile Softwareentwicklung (damals eXtreme Programming) Pionier in Österreich und gehört zu den Pionieren in Europa. Bereits 2000 konnten wir mit vielen Unterzeichnern des Agilen Manifests diskutieren und von ihnen lernen.

In den Jahren danach haben wir im Rahmen von Vorträgen, Diskussionen, Summercamps, gefolgt von zahlreichen Projekten und Consulting & Coaching zu diesem Thema viel Erfahrung gesammelt.

Von besonderem Interesse war in diesen Projekten für uns als Softwareentwicklungs- und größtes österreichisches Testhaus neben der agilen Entwicklung selbst naturgemäß die Integration von funktionalem Systemtest und agiler Entwicklung.


Unser Erfahrungsschatz aus Projekten und Beratungsaufträgen in unterschiedlichsten Organisationen zeigt, dass „Agile Expertise“ nicht nur in der Kenntnis und Beherrschung der Ansätze (in unserem Falle XP und SCRUM) besteht, sondern auch in einer differenzierten Sicht auf die Einsatzmöglichkeiten und Einsatzgrenzen.

Zu den herausfordernden Fragestellungen gehören dabei beispielsweise:

  • SCRUM etabliert die Schlüsselrolle des „Product Owners“, einer Person, die als Auftraggeber und Repräsentant der Anfordererseite agiert – aber:
    • Wie kann diese Rolle in der Realität in einer konkreten Organisation gelebt werden und wo stößt sie – sachlich und „politisch“ – an ihre Grenzen?
    • Wie ist diese Rolle im Falle der Einbeziehung vieler Fachbereiche mit vielen unterschiedlichen Stakeholdern konkret wahrzunehmen?
  • Wie ist in der Praxis eine Integration des funktionalen Systemtests (insbesondere wiederum in Szenarien, wo viele Stakeholder zu involvieren sind) sinnvoll möglich?
  • Wie sind Projekte abzuwickeln, wo die Grundidee, dass ein einziges Team die gesamte Lösung bereitstellt, nicht zum Tragen kommen kann, weil es von der Komplexität, sachlich oder räumlich, nicht möglich ist?
  • Wie kann in der Praxis die Einhaltung eines Budgets sichergestellt werden, wenn Änderungen mit Freude aufgenommen werden sollen und letztlich doch ein funktionaler Mindestumfang erreicht werden muss, um der entstehenden Lösung einen Sinn zu geben?
  • Welchen Rahmen müssen agile Projekte in einer Organisation vorfinden, um erfolgreich abgewickelt werden zu können?
  • Wie steht die „das Entwickler-Team macht alles“-Idee in Bezug zur zunehmenden Spezialisierung des Knowhows in Entwicklung, Analyse, Test, etc.?
  • Wie verträgt sich SCRUM mit den oft gewünschten Fixpreisprojekten?
  • Wie agil kann und darf die Entwicklung nach einer gewonnenen Ausschreibung auf Basis eines detaillierten Pflichtenheftes noch sein, ohne den zustande gekommenen Vertrag zu untergraben?

Die Beantwortung derartiger Fragen ist aus unserer Sicht unumgänglich für den erfolgreichen Einsatz von agilen Methoden. Nur wer in der Lage ist, die Grenzen und offenen Punkte zu erkennen, kann diese proaktiv adressieren.

Der agile Ansatz ist für viele Softwareentwicklungsprojekte sehr hilfreich und vorteilhaft und ANECON wird diese aus Überzeugung agil abwickeln. Eine differenzierte Sicht auf die Grenzen der Ansätze betrachten wir als erfolgskritisch und in unserer Rolle als Beratungshaus, das der Umsetzbarkeit verpflichtet ist, als professionell selbstverständlich.