"Der Geist in der Maschine" - Bedeutung und Herausforderung von IT-Migrationsprojekten

Es liegt im Wesen der Softwareentwicklung, Wissen aus den Köpfen von Menschen in Software umzusetzen. Während in den Anfangszeiten der EDV aus Rationalisierungsgründen hauptsächlich weniger komplexe Massenvorgänge automatisiert wurden, liegt mittlerweile in den geschäftskritischen Anwendungen und Daten aller Branchen ein ungeheurer Schatz an Informationen, Geschäftsregeln, Prozessen und anderen Wissenselementen.

Je höherwertig das EDV-System ist, desto tiefer ist dieses Kernwissen in der Software, eine notwendige Voraussetzung für effektive und effiziente Automation. Und nicht zuletzt werden durch die Automation selbst komplexe neue Geschäftsregeln möglich, die ohne Systemunterstützung nicht wirtschaftlich sinnvoll umsetzbar wären.

Irgendwann jedoch steht jedes EDV-System am Ende seines Lebenszyklus und es stellt sich die Frage: „Wie weiter?“.

Die Auslöser dafür sind vielfältig, wie z.B.:

  • Das Wissen über das System ist (bald) nicht mehr vorhanden
  • Personal mit den notwendigen Skills in den nunmehr veralteten Technologien ist kaum mehr auf dem Markt
  • Das System stößt hinsichtlich fachlicher und/oder technischer Erweiterbarkeit an seine Grenzen
  • Teile der Plattformen bzw. der Lösung selbst werden von Lieferanten nicht mehr unterstützt
  • Es bereitet Unbehagen für etwas verantwortlich zu sein, das man nicht versteht bzw. nicht mehr unter Kontrolle hat
  • Die Betriebskosten ließen sich durch Einsatz neuer Plattformen bzw. Lösungen senken

Mit härteren Worten lässt sich sagen, dass das bestehende System in diesen Fällen das Geschäft entweder unwirtschaftlich unterstützt, zu einem Risiko für die (wirtschaftliche) Ausführung des Geschäfts wird oder dessen Weiterentwicklung behindert oder zu behindern droht.

Für das „Wie weiter“ gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten: Life-Extension, Neuentwicklung, Ablöse durch (andere) Standardsysteme, Reimplementierungen (in/auf anderen Technologien und Plattformen), Konversion, Transformation, Kapselung.

In jedem Fall steht man vor einer komplexen Entscheidung und in der Regel vor komplexen Projekten.

Herausforderungen

Wo findet man noch das Wissen, das als „Geist“ in der Alt-Applikation steckt und in der Organisation seit vielen Jahren nicht mehr präsent sein musste und daher auch nicht mehr präsent ist?

Selbst wenn das angereicherte neue/migrierte System in einigen Aspekten (Betriebskostenreduktion, Mehrwert für das Geschäft, etc.) einen interessanten Businesscase beschert und sich das alte System bereits amortisiert hat, besteht kaum die Bereitschaft, ein weiteres Mal die Kosten für den Transfer des Knowhows von Menschen in ein neu zu entwickelndes System in Kauf zu nehmen.

Die Komplexität der bestehenden Systeme ist eine Herausforderung für sich - je relevanter diese für das Geschäft sind, desto riskanter ist jede Migration zu bewerten.

Und schließlich stellt jeder der Auslöser für die Migration selbst eine Herausforderung dar, insbesondere wenn spät auf sie reagiert wird, also erst wenn die jeweilige Problematik schon akut ist. Im schlimmsten Fall sind die Risiken bereits schlagend – z.B. fehlt schon das Personal mit Knowhow – aber die Wirkung dieses Umstands tritt noch nicht ein - das System läuft noch. Ein Zustand wie dieser ist eine tickende Zeitbombe für das Geschäft.

Wichtige Faktoren

Ein Schlüsselfaktor, mit all diesen Gegebenheiten erfolgreich umzugehen, ist ein proaktives Management der Software- bzw. Systemlebenszyklen über das gesamte Anwendungsportfolio hinweg. So können Kandidaten für eine Migration rechtzeitig identifiziert werden.

Innerhalb der Migrationsprojekte schließlich steht im Vordergrund, neben der Bewältigung der in der Regel hohen technischen Komplexität, möglichst wirtschaftlich das Knowhow aus dem Altsystem in die neue Lösung zu übertragen. Dabei spielen das Ausmaß an möglicher Automation und eine risikogerechte Minimierung der Testaufwände eine wesentliche Rolle.

Insgesamt zählen Migrationsvorhaben zu den komplexesten Projekten mit denen die IT-Community beschäftigt ist. Zur Erfüllung all dieser Anforderungen sind exzellente Management- und Ingenieurleistungen  und in der Regel ein Netzwerk an verschiedenen Spezialisten gefordert. Sei es hinsichtlich Werkzeugen, die Wissen aus einem bestehenden Code extrahieren, sei es um einen neuen Code zu generieren, sei es um Sprachen ineinander überzuführen oder um für verfügbare Entwickler einen lesbaren Code zu erzeugen. Intelligente Technologien zur Kapselung eines vorhandenen weiterzuverwendenden Codes fallen ebenfalls in diese Kategorie.

Und nicht zuletzt sind in der Umsetzung der Migrationen intelligente Strategien gefordert, die den Geschäftsbetrieb auch während der Migrationsphase sicherstellen.

ANECON adressiert diese Herausforderungen im Rahmen von konkreten Projekten bei Kunden und legt den Fokus im Jahr 2010 auf die Dienstleistung Migration. Dazu entwickeln wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitern rund um unseren Chief Software Engineer Hannes Färberböck und Harry Sneed in Kooperation mit anderen Unternehmen und Forschungsstätten unser Knowhow gezielt weiter.

Unser Ziel dabei ist, den mit großem Aufwand in die Maschine gebrachten Geist beim Austausch der Maschine oder Teilen davon, möglichst wirtschaftlich dort zu halten.